Entschlackungskur

Plagen dich schlechte Essgewohnheiten, unreine Haut mit Mitte 20 oder etwa eine Mutter, die zur Esoterik neigt und dir regelmäßig Ideen zu einem gesünderen Leben präsentiert? Mit diesen drei Sachen bin ich nämlich allzu vertraut und zumindest zwei davon wollte ich loswerden. Auf die gute Idee meiner Mutter hin, meinen Körper „von innen zu reinigen“, habe ich mich dazu entschlossen, mich einer Detox-Diät zu unterziehen. Und nach einem halben Jahr Prokrastination habe ich es nun endlich durchgezogen.

In diesem Artikel kannst du lesen, wie es mir dabei erging, was ich gegessen hab und was Expert*innen zu Entschlackung sagen. Spoiler alert: Diese Woche Entschlackungsdiät war sehr gewöhnungsbedürftig, sowohl für Magen als auch für Gaumen, aber im Großen und Ganzen konnte ich ihr doch auch etwas abgewinnen.

Detox: warum überhaupt?

Sicher hat jede*r von euch schon mal von Detox gehört – sei es in Bezug auf Essen, Beziehungen oder Kosmetik. Es scheint aktuell ein sehr populäres Wort zu sein. Auch wenn man in der Suchmaschine nach Detox oder Entschlackung sucht, wird man mit unzähligen Ergebnissen überhäuft, und ehrlich gesagt, war ich damit ein bisschen überfordert. Deshalb bin ich ganz altmodisch in die Uni-Bibliothek gegangen und hab mir dort das einzige Buch über Entschlackungsdiät ausgeliehen (so musste ich mich auch nicht entscheiden, welcher Entschlackungskur ich mich unterziehen sollte – eine Entscheidung weniger in meinem Leben).

Warum überhaupt entschlacken? Entschlackungskuren sollen den Körper von innen reinigen und schädliche Stoffe bzw. Gifte, die über schlechte Ernährung, einen ungesunden Lebensstil (Alkohol, Rauchen) oder die Umwelt aufgenommen wurden, ausscheiden. Dadurch sollen angeblich innere sowie äußere Organe gereinigt werden. Jedoch sind weder der Begriff „Entschlackung“ noch „Gifte“ genau definiert. Dies führt dazu, dass wissenschaftlich und medizinisch nicht nachgewiesen werden kann, ob eine Entschlackungskur überhaupt eine Wirkung hat. Außerdem konnte in keinen Studien bewiesen werden, dass Entschlacken gesundheitliche Vorteile bringt. Darüber hinaus hat der menschliche Körper bereits Entgiftungsorgane, die – wie der Name schon verrät – Gifte vom Körper ausscheiden (mehr dazu kannst du hier lesen).

Jede Menge Rohkost und wenig bis kein Salz

Nachdem ich die Entschlackungskur dann bis zum letzten Moment (bis eine Woche vor Fälligkeitsdatum des ausgeliehenen Buches) aufgeschoben hatte, hatte ich keine andere Wahl mehr: Jetzt oder nie. Das Buch empfiehlt die Entschlackung mit Rohkost und Smoothies. Ich habe mich ein bisschen eingelesen; das Buch „One week detox: der leichte Einstieg in ein gesundes Leben; vital und glücklich mit Rohkost und Smoothies“ von Erica Palmcrantz verspricht u. a. ein gesünderes, vitales Lebensgefühl, reinere Haut, ein stabiles Körpergewicht und mehr Energie. Rohkost hieß also die Lösung für all meine Probleme.

Bevor man mit so einer Entschlackungsdiät beginnt, sollte man sich auf Einiges vorbereiten, aber auf alle Fälle muss man offen sein, um Neues zu probieren. Außerdem sollte man bereit sein, ein bisschen mehr Geld für Essen auszugeben; eine Entschlackungskur beinhaltet nämlich teilweise Zutaten, die vielleicht in Salzburg nicht überall zu finden und teurer sind als der wöchentliche Großeinkauf. Idealerweise sollte man auch nicht in Restaurants oder bei Freund*innen essen (was sich in Zeiten von Corona als sehr einfach erwiesen hat) und sich darauf einstellen, einen guten Teller Pasta zu vermissen.

Das Buch sieht für jeden Tag drei Mahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten vor; satt wird man also auf jeden Fall. Ich persönlich habe das jedoch auf zwei Mahlzeiten und eine Zwischenmahlzeit reduziert, da ich ein Mensch bin, der am Morgen generell selten Hunger verspürt. Konkret isst man in dieser Woche also sehr viel rohes Gemüse, in Form von Salat, mit Nusscurry gefüllt, oder als Gazpacho; außerdem Smoothies mit Obst und/oder Gemüse, wie z. B. Spinat oder Avocado.

Was für mich persönlich eine große Herausforderung war, war wenig bis gar kein Salz zu benutzen. Vor allem am ersten Tag, wo ein Salat mit allen möglichen Zutaten (jedoch ohne Salz oder Pfeffer) auf dem Plan stand, habe ich es sehr vermisst. Für den kleinen Hunger zwischendurch oder die Lust auf Snacks gibt es im Buch auch genügend Rezepte, viele davon mit Nüssen und (Trocken)früchte (eignen sich gut für den Abend auf der Couch). Mein persönliches Highlight war wohl das Schokomousse.

Tiefpunkt am 2. Detox-Tag & meine größten Challenges

Am Abend des zweiten Tages fühlte ich mich unwohl: Meine halbe Stunde laufen habe ich nicht geschafft, da mir schlichtweg die Energie dazu gefehlt hat. Dazu kam noch das Abendessen, das eigentlich sehr lecker war, mir aber schwer im Magen lag. Es gab rohe Paprika gefüllt mit Nusscurry. Zu diesem Zeitpunkt war ich kurz davor, die Diät abzubrechen, aber da es mir am nächsten Morgen wieder besserging, gab ich ihr noch eine Chance.

Da bei der von mir gewählten Entschlackungskur viel frisches Obst und Gemüse am Speiseplan steht, wäre es besser und wahrscheinlich auch einfacher gewesen, sie im Sommer zu machen. Außerdem schmecken Avocados und Mangos in Europa leider einfach nicht wie im Ursprungsland. Was mich auch noch vor eine Herausforderung stellte, waren meine zwei Mitbewohnerinnen, die Burger mit Pommes, Chips, Kuchen, Kaffee und Kekse mit Genuss und ad libitum verzehrten. Wie immer bei Diäten ist es auch bei dieser Diät am besten, wenn man nicht allzu sehr darüber nachdenkt. Denn dann fallen einem meist nur die leckeren Sachen ein, die man im Moment nicht essen darf. So habe auch ich mir gedacht: Nächste Woche möchte ich unbedingt eine Pizza essen. Genau deshalb funktionieren Diäten normalerweise nicht. Wenn man etwas nicht haben darf, dann will man es umso mehr.

Entschlackungskur mit Rohkost

Positive Effekte nach der Detox-Diät

Ich habe auch Positives von der Entschlackungskur mitnehmen können. Meine Haut wurde (nach meiner eigenen unsachlichen Betrachtung) minimal besser – das könnte aber auch lediglich davon rühren, dass ich weder fette noch zuckrige Snacks oder Alkohol zu mir genommen habe. Ich fühlte mich nach den Mahlzeiten angenehm satt und nicht „vollgefressen“ und ich habe gelernt, dann aufzuhören zu essen, wenn ich satt bin und nur dann zu essen, wann ich Hunger verspüre. Außerdem waren einige Rohkost-Rezepte wirklich lecker und mit kleinen Variationen werde ich sie wieder zubereiten.

Und noch ein Tipp: Falls du nicht mehr in dein Lieblingskleidungsstück passt, nach einer Woche ohne Kohlenhydrate könnte es wieder funktionieren!

Was Expert*innen zu Detox sagen

Auch unter Expert*innen scheint keine Einigung zu herrschen. Am Fachbereich der Sport- und Bewegungswissenschaft der PLUS sind Dr. Susanne Ring-Dimitriou und ihre Kolleg*innen der Meinung, dass Entschlackung ein Begriff aus der Werbung und dem Marketing ist. Außerdem wird durch Entschlackung eine Mangelsituation für den Körper hergestellt. Professor*innen des Fachbereichs weisen darauf hin, dass jedwede Begriffe, Prozesse und Wirkungen, die mit Entschlackung zu tun haben, nicht ausreichend bis gar nicht definiert sind und so auch keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden können, falls solche überhaupt notwendig wären.

Laut Allgemeinmedizinerin Dr. Pichler macht es Sinn, den Körper von Zeit zu Zeit zu entschlacken, auch wenn er das eigentlich von alleine macht. Aber sobald „der Stoffwechsel nicht mehr rund läuft“, kann man ihn „durch Fasten entlasten und stärken“. Dazu gehören auch Dinge, auf die man tagtäglich beim Essen achten sollte: sich zum Essen Zeit nehmen und gut kauen („damit die Verdauung bereits im Mund beginnen kann“). Außerdem sagt sie, dass jeder Tag, an dem gefastet wird, bereits gut wäre, um den Körper in seinen Entgiftungsprozessen zu unterstützen.

Am vierten Tag habe ich meinem Hausarzt einen Besuch abgestattet und hab ihn auch gleich nach seiner Meinung zu Rohkostdiät im Speziellen gefragt. Er meinte, „einseitige Ernährung ist immer grenzwertig, aber probier’s mal aus und dein Körper wird dir die Antwort geben. Wenn er es cool findet, kannst du es gerne machen. Wenn du Bauchschmerzen davon bekommst, besser nicht.“

Während dieser Woche habe ich auf jeden Fall einiges dazugelernt, v. a. aber, dass sich die Geister über Entschlackung scheiden. Je nachdem wen man fragt, bekommt man entsprechende Antworten. Auch wenn diese Woche also wissenschaftlich keinerlei Vorteile gebracht hat, so bin ich doch dankbar für die Erfahrung, denn davon kann ich nur lernen. Was ich mir für die Zukunft hoffentlich beibehalten werde, ist, bewusster auf die Signale meines Körpers zu hören und dementsprechend zu reagieren.

Und eines kannst du mir glauben: Der erste Kaffee nach einer kaffeefreien Woche war wohl der beste, den ich je getrunken habe und er hat eingeschlagen wie ein Gläschen Prosecco am Morgen zu viel!

Auch ein digitaler Detox ist einen Versuch wert – hier geht’s zum Blogartikel zu diesem Thema.

Eure Lisa-Marie

Ursprünglich aus Südtirol hat Lisa Marie bereits viele Heimaten in der Welt gefunden: Irland, Finnland und natürlich auch Österreich, wo sie Germanistik und Anglistik studiert hat. Neben Reisen interessiert sie sich für Literatur und die Natur, und in ihrer Freizeit spielt sie Geige im Universitätsorchester. Wenn es darum geht, neues zu probieren ist Lisa Marie immer dabei; vor allem wenn es um Essen geht.
Photo-Credit: silviarita Pixabay.com

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