Frau mit GRL PWR Jacke

Letzens lief im Radio „7 rings“ von Ariana Grande. Während ich die Spülmaschine ausräumte war ich ganz beschwingt von den Lyrics und sang laut mit. „I want it. I got it.“ Was für ein schöner Confidence boost am Morgen. Dennoch war es gleichzeitig ein Reminder dafür, dass ich persönlich dieses Gefühl von Ermutigung und Freiheit imeinem Alltag nicht immer spüre. Und wenn es schon mir so geht, wie muss es dann erst Frauen gehen die aktuell unter der Mehrfachbelastung von Home-Office und gleichzeitiger Kinderbetreuung bzw. Home-Schooling leiden? Darum soll der heutige Tag einer jeden von uns einen kleinen Push geben und uns in unserer Stärke bekräftigen. Es soll ein Tag an sein an dem wir mal einen Gang runterschalten und uns daran erinnern, was alles in uns steckt. Es ist der 8. März 2021 und das heißt: Heute ist der internationale Frauentag.

Vor mehr als hundert Jahren gingen viele mutige Frauen auf die Straße, erhoben ihre Stimmen und erschütterten die Welt wie man sie damals kannte in ihren Grundfesten. Was mit ein paar couragierten Damen anfing, entwickelte sich rasch zu einem weltweiten Lauffeuer. Frauen wachten auf, wurden sich der schweren Lasten die auf ihnen lagen bewusst und fanden erstmals einen Weg sich zu wehren. Sie waren vereint im Wunsch ein selbstbestimmtes Leben zu führen, frei von Unterdrückung und im Wind der Freiheit, damit sie endlich ihre Flügel ausbreiten können.

Die Frauenbewegung ist keine Erscheinung der Vergangenheit, sondern zieht sich bis in unsere Gegenwart. Was mit bekannten Persönlichkeiten wie Clara Zetkin anfing, wird weiter verfolgt von Alice Schwarzer, Astrid Lindgren, Malala, Michelle Obama. Die Liste ist lang. Ganz egal welchen Hintergrund sie haben oder welche berufliche Karriere sie eingeschlagen haben. Alle mit dem Ziel der Selbstbefreiung – und zwar für alle Frauen.

Sich von der Last gesellschaftlicher Ansprüche befreien

Das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung ist berauschend, doch manchmal kommt es mir vor, als würde es wieder mehr in Vergessenheit geraten. Möglicherweise hindert uns Frauen die Tendenz es allen recht machen zu wollen daran, dass wir unseren Weg selbstbestimmt gehen. Der manchmal fast schon verzweifelte Versuch den Anforderungen der anderen und an sich selbst als „gute Frau“ gerecht zu werden.

Allein die Rolle der Mutter steckt voller gesellschaftlicher Ansprüche. Kombiniert mit der Rolle der guten Ehefrau, besten Freundin, liebevollen Partnerin, starken Karrierefrau und raffinierten Köchin kann die Last der Erwartungen und Ansprüche schon mal erdrückend sein. Aber es sind nicht nur Mütter, die einer Vielzahl an Ansprüchen gerecht werden sollen. Egal in welcher Lebenslage, Frauen sollen immer auch attraktiv und sexy (aber nicht zu sexy), freundlich (aber nicht anbiedernd), zurückhaltend (aber nicht schüchtern) und gut organisiert (aber nicht kontrollierend) sein. Politikerinnen werden immer auch für ihr Äußeres bewertet, währenddessen Männer in Machtpositionen ruhig auch dick oder unmodisch sein dürfen. Eine Frau hingegen würde für solche „Unzulänglichkeiten“ in der Klatschpresse sicherlich ihr Fett abbekommen.

Frauen lachen gemeinsam

„Freie Frauen“ braucht die Welt

Unter der Last alle Rollen erfüllen zu müssen, versuchen wir unseren Seelenfrieden zu finden und wundern uns dann warum das so schwierig ist. Wenn doch der Preis dafür all das aufrechtzuerhalten die eigene Freiheit ist?

Wie wäre es also, wenn wir nicht mehr versuchen „gute Frauen“ zu sein, sondern stattdessen „freie Frauen“? Frauen, die ihre Stimme finden und ihren eigenen Wünschen und Leidenschaften folgen. Frauen die für sich selbst einstehen, auch wenn das heißt andere dabei zu enttäuschen. Wenn dann das System in dem wir leben zusammenbricht, sollten wir uns fragen ob es überhaupt jemals ein erhaltenswertes System war.

Selbstlosigkeit als typisch weibliche Eigenschaft

„Selbstlosigkeit ist eine der größten Eckpfeiler der weiblichen Überzeugung. Eine großzügige Frau ist eine gute Frau. Der beste Weg um seine*n Partner*in, Kinder, Familie und Freunde zu lieben, ist sich selbst im Dienst zu diesen zu verlieren. Selbstlose Frauen sorgen für eine effiziente Gesellschaft, nicht aber für eine wunderschöne oder authentische. Wenn Frauen sich selbst verlieren, verliert sich auch die Welt. Wir brauchen nicht noch mehr selbstlose Frauen. Was wir brauchen sind Frauen, die sich vollkommen von den Erwartungen der Welt lösen und aus nichts als sich selbst bestehen. Wir brauchen Frauen, die voller Selbstvertrauen sind. Die sich selbst kennen und genug vertrauen, um zu wissen und zu sagen, was getan werden muss. Sie lässt den Rest brennen.“ Das sagt Glennon Doyle in ihrem Buch „Untamed“ (also Ungezügelt), das ich allen empfehlen kann, die sich nach dem Gefühl von Freiheit sehnen und die Flamme, die in jeder von uns liegt, entzünden möchten.

Wir haben vielleicht im Laufe unseres Lebens begonnen diese Flamme zu unterdrücken, zu ignorieren oder ihr schlichtweg nicht zu vertrauen. Weil sie uns dazu anspornt Dinge zu tun, die ungewiss wirken, die Mut erfordern, die das bisher Gekannte überschreiten, die uns Angst machen. Doch sie ist womöglich unser wahrster Kern, der uns anspornt Großartiges zu vollbringen.

Heute ist also ein weiterer Tag, um alle Frauen daran zu erinnern: Ihr seid grenzenlos. Also klopft euch auf die Schulter, ihr macht einen tollen Job. In euch steckt alles, was ihr von der Welt wollt. You want it? You got it! Schön, dass es euch gibt!

Eure Julia

Die Münchnerin ist nach Salzburg gezogen, um sich dort den Traum eines Psychologiestudiums zu verwirklichen. Erst später hat sie ihre Leidenschaft für das Schreiben und kritischen Journalismus entdeckt. Wer sie zufällig trifft, kann sich auf gute Gespräche, eine Tasse Matcha Latte und immer ein Lächeln im Gesicht freuen.

Photo-Credits:
Titelbild: Brianna Santellan via Unsplash
4 lachende Frauen: Gemma Chua-Tran via Unsplash

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