Bunte Postkarten

Es war ein langer Tag. Die Online Kurse (oder die Arbeit) haben sich gezogen. Seit dem Mittagessen bist du gedanklich bereits außerhalb deiner vier Wände. Endlich ist es soweit. Mit zielgerichtetem Blick gehst du zum Postkasten. Ob heute eine Karte dabei ist? Tatsächlich, neben den Rechnungen und der Werbung ist auch eine Postkarte dabei. Dein Herz macht einen Hüpfer. Es ist eine alte Stadt mit Burg abgebildet. Als du die Karte umdrehst werden deine Augen ganz groß. Der fremde Absender hat die Rückseite mit Stickern und Farben dekoriert. Er schreibt von der abgebildeten Stadt aus der er stammt, empfiehlt dir seine Lieblingsbar und hofft, dass es dir gut geht. Du hättest nie gedacht, dass du dich über die Nachricht eines Fremden so freuen könntest. Aber nun stehst du da in Jogginghose am Postkasten und bist in Gedanken bereits vor Ort.

Vor einigen Jahren habe ich mir eine große Weltkarte zugelegt und auf die Wand gehängt. Immer wenn ich verreist bin, habe ich das Land mit dem Stift markiert und die im Urlaub gekauften Postkarten rundherum gehängt. Durch meine Zeit als Buddy und mein eigenes Auslandssemester habe ich Freundschaften auf der ganzen Welt. Um in Kontakt zu bleiben haben wir, neben Videochatten und Co, angefangen uns Briefe und Postkarten zu schreiben. Leider sind sie nicht so begeistert von Postkarten wie ich. Und so bin ich auf die Postkarten Community gekommen.

Postkarten Community: Postkarten schicken und sammeln

Vor ein paar Monaten bin ich dann auf die Postkarten Community gestoßen. Das sind Menschen auf der gesamten Welt, egal welchen Alters, die ein Hobby teilen: Postkarten verschicken und sammeln. Für manche Leute mag es komisch klingen, dass man Karten an fremde Personen sendet. Warum man sowas macht? Das ist simpel: weil es Spaß macht. Man freut sich über Karten, die die eigene eintönige Post etwas interessanter machen. Aber man freut sich auch darüber, anderen mit der eigenen Postkarte den Tag zu versüßen.

Wie du zur Postkarten Community kommst

Grundsätzlich gibt es zwei Varianten: Postcrossing oder DirekttauschPostcrossing ist eine Internetplattform, wo man sich registriert und ein Profil anlegt. Die Plattform existiert seit 2005. Derzeit gibt es über 50 Millionen aktive Mitglieder weltweit. Zuerst geht man auf “Send a Postcard” und bekommt eine Person zugeteilt (inkl. Adresse, Postkarten ID und Profil des Mitglieds). Das ist irgendein beliebiges Mitglied auf der Plattform. Du versuchst dir nun anhand des Profils zu überlegen, welche Postkarte der Person gefallen könnte. Sobald das Mitglied deine Karte erhalten hat, registriert es die Karte. 

Für jede registrierte Karte wird jemandem in der Community deine Adresse zugeteilt und du bekommst eine Postkarte. Postcrossing ist grundsätzlich langsamer als ein direkter Tausch. Die Meisten fangen daher früher oder später an, parallel auch direkt Postkarten zu tauschen.

Postcrossing Logo

Im Forum von Postcrossing kann man auch jemanden zum direkt tauschen finden, bei verschiedenen Postkartenspielen mitmachen oder über verschiedenste Themen diskutieren. Auch werden jährlich mehrmals Treffen (Meetups) organisiert, wo sich die Mitglieder persönlich kennenlernen können. Für diese Treffen werden manchmal auch eigene offizielle Postkarten designt.

Postkarten tauschen über Social Media

Auf Facebook gibt es unzählige Gruppen, in denen Postkarten direkt getauscht werden. Je nach Gruppe postest du deine Karten und andere schreiben dir, wenn sie mit dir tauschen möchten (oder umgekehrt). In anderen Gruppen gibt es markierte Beiträge, wo man in den Kommentaren Tauschpartner*innen finden kann. In den Gruppenbeschreibungen steht meist Genaueres. Auch Postcrossing hat eine offizielle Facebook Gruppe für den Direkttausch.

Auf Instagram gibt es viele einzelne Postkarten-Fans oder hashtags, denen man folgen kann. Wenn dir eine Karte gefällt, schreibe die Person an, dass du gerne tauschen möchtest. Oft haben die anderen Postkartenschreibenden in ihren Story Highlights im Profil Bedingungen, zu denen sie tauschen oder eine Liste mit Motiven, die sie besonders interessieren. Am Anfang wirkte das für mich etwas überheblich oder unfreundlich. Die Meisten schreiben das allerdings in ihr Profil, um nicht ständig dieselben Dinge wiederholen zu müssen. 

Übliche Tauschbedingungen

Tauschbedingungen sind nichts außergewöhnliches, es gibt sie sowohl auf Facebook als auch auf Instagram. Übliche Bedingungen sind:

  • Karten werden beschrieben, dekoriert und mit einer tatsächlichen Briefmarke verschickt.
  • Werden mehr als zwei Karten getauscht, dann werden diese gemeinsam in einem Kuvert versendet, um Porto zu sparen.
  • Vorab wird ein Foto oder Video von der Karte samt Briefmarke und Adresse ausgetauscht („proof“).
  • Man informiert den bzw. die Tauschpartner*in, sobald die Karte gut angekommen ist.

So startest du mit dem Postkarten Schreiben

Du bist neugierig geworden und würdest am liebsten gleich anfangen, weißt aber nicht wie? Hier findest du eine Step by Step Anleitung.

Postkarten versenden

Schritt 1: Postkarten besorgen

Lege dir ein Repertoire an verschiedenen Postkarten zu. Für den Anfang reichen ein paar Karten aus dem Souvenirgeschäft in der Stadt. Am besten, du legst dir mit der Zeit einen Vorrat mit einem Mix an touristischen Karten, Illustrationen oder artistischen Karten, Karten von Sammelserien oder Tierkarten an. Es gibt auch bestimmte Künstler*innen, deren Karten begehrt sind.

Kreative basteln sogar aus alten Zeitschriften oder buntem Papier eigene Kreationen. Ich persönlich finde solche selbstgemachte Karten super, es gibt aber einige, die das ablehnen. Professionell gedruckte Karten mit eigenen Motiven sind auch eine Möglichkeit. 

Hier kannst du Postkarten kaufen:

Beliebte Sammelreihen sind:

  • Happy Postcrossing (papersisters.de)
  • Greetings from… (postallove.com)
  • What do you know about (postcardsmarket.com)
  • Flags of the World (postcardsmarket.com)
  • Maps of the World (postcardsmarket.com)

Schritt 2: Porto und Briefmarken

Wer mit dem Schreiben von Postkarten beginnt, wird bald das Mitarbeiter*innen-Team der nächsten Postfiliale öfters sehen. Lass dir die neuesten Sondermarken zeigen und kauf dir ein paar unterschiedliche Briefmarken. Ich versuche oft themenmäßig passende Briefmarken für meine Karten zu finden. Sehr verpönt sind Karten, die bloß einen langweiligen Stempel oder Code anstatt einer tatsächlichen Briefmarke haben. Alte, unbenutzte Briefmarken kannst du übrigens weiterhin verwenden, frag dafür bei der Post nach Ergänzungsmarken. Die gesamte Auswahl an Briefmarken findest du im Onlineshop der Post und in der Filiale am Residenzplatz. 

Für Postkarten lauten die Tarife aktuell (Stand 31.12.20): innerhalb Österreichs € 0,85, innerhalb Europas (inkl. Russland, UK, Island etc.) € 1,00, weltweit € 1,80.

Postkarten innerhalb Europas brauchen normalerweise ein bis zwei Wochen. Weltweites Versenden variiert von zwei Wochen (z.B. USA) zu sechs Wochen (z.B. Australien). Nicht ohne Grund zählt das Verschicken von Postkarten als „snail mail“. Da hilft nur geduldig sein und sich freuen, wenn plötzlich eine Karte im Briefkasten liegt!

Momentan kommt es immer wieder zu Lieferverzögerungen durch Zustellungshindernisse wegen COVID-19. Bitte beachte beim Versenden mögliche länderspezifische Zustellungsstopps. Eine aktuelle Liste dieser Länder und Regionen gibt es auf der Webseite der Post.

Schritt 3: Organisiere deine Karten

Um bei einem Direkttausch nicht dauernd Fotos von deinen Postkarten schicken zu müssen, empfehle ich dir deine Karten digital zu organisieren. Das geht gut mit Plattformen wie Flickr oder Google Drive, wo du Bilder hochladen kannst und dem Tauschenden nur noch den Link zum Ansehen zusendest. Auch die Organisation über Instagram funktioniert super. Die zum Tausch verfügbaren Karten kannst du über Hashtags oder Storyhighlights festlegen.

Schritt 4: Werde kreativ und freu dich auf die baldige Post

Nun hast du hübsche Postkarten, passende Briefmarken und eine tauschwillige Person gefunden. Aber was schreibst du auf die Rückseite? Was du drauf schreibst ist meist ziemlich egal. Hauptsache nicht blank oder nur „Liebe Grüße aus Salzburg“. 

Du kannst der Person über die letzte nervige Prüfung erzählen, über deine Hobbys oder was du mit der Karte verbindest. Auch Fakten über den Ort auf der Karte, etwas Spannendes über das Bild auf der Briefmarke oder welches Café du in Salzburg empfiehlst sind gute Ideen. Wer nicht gerne schreibt, kann auch etwas zeichnen. Inspiration hierzu findest du beispielsweise auf Instagram unter dem Hashtag #mailart. 

Postkarten kreativ gestalten

Meine Karten zum Beispiel dekoriere ich mit Washi Tape (aus Reispapier, nicht Plastik; gibt es z.B. im Schreibwarenhandel oder online) und Sticker. Manchmal drucke ich auch vorab ein paar Bilder von Figuren oder Schriftzügen aus und klebe sie auf die Rückseite. Sogar eine Mozartkugel-Verpackungsfolie habe ich bereits als Deko verwendet. Handlettering wie beim bullet journaling ist auch eine tolle Möglichkeit eine Postkarte zu dekorieren.

Deine erhaltenen Postkarten kannst du dir dann an die Wand (z.B. um eine Weltkarte) pinnen, in einen Bilderrahmen geben oder in einem Buch sammeln.

Postkarten Schreiben macht gute Laune!

Mit dem Postkarten Schreiben bringst du einen kreativen Ausgleich in deinen Alltag. Dafür musst du nicht mal künstlerisch begabt sein. Egal wie schlecht der Tag war, eine nette Karte im Briefkasten hat noch jede*n aufgemuntert. Postkarten nehmen dich mit auf eine gedankliche Weltreise (für eine kulinarische Weltreise habe ich hier einfache asiatische Rezepte für dich).

Bei Postkarten nimmt man sich bewusst Zeit für die Nachricht. Dadurch sind Karten meiner Meinung nach persönlicher als der Großteil aller digitalen Nachrichten. Auch Verwandten oder Freund*innen kann man so den Tag versüßen.

In diesem Sinne: Happy Postcrossing!

Eure Fabia

Fabia

Fabia ist gebürtige Salzburgerin mit einer Liebe für Internationales. Sie studiert Rechtswissenschaften an der Universität Salzburg und arbeitet in einer Steuerberatungskanzlei. Ihre Leidenschaft ist das Kochen und Reisen, aber auch Konzerte besucht sie gerne.

 

 

Photo-Credits:
Logo Post Crossing: Post Crossing
Restliche Bilder: Redakteurin

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