Vizerektorin Nicola Hüsing im Interview

Wie auch ihre Rektoratskolleg*innen ist die Chemikerin und gebürtige Westfälin Nicola Hüsing seit rund einem Jahr im Amt. Wir haben mit der Vizerektorin für „Forschung und Nachhaltigkeit“ über Ihre Passion zum Forschungszweig Chemie gesprochen, über Nachhaltigkeit an der PLUS und darüber, mit wem sie denn gerne einmal zu Abend essen möchte.

Das Büro von Vizerektorin Hüsing ist lichtdurchflutet und modern eingerichtet. Einige große Pflanzen sind im Raum verteilt. Wir nehmen am Besprechungstisch Platz und beginnen mit dem Interview.

Sie haben in Würzburg studiert, was hat Sie erst nach Wien und dann nach Salzburg verschlagen?

Ich bin für meine Doktorarbeit nach Wien gegangen, weil mein damaliger Diplomarbeitsbetreuer an die TU Wien (Anm. Technische Universität Wien) gewechselt ist und mich gefragt hat, ob ich ihn begleiten möchte. Das schien mir eine super Gelegenheit zu sein, darum habe ich zugesagt. Schlussendlich ist dann sogar die ganze Arbeitsgruppe nach Wien gegangen.

In Salzburg wollte ich schon immer beruflich Fuß fassen, weil ich hier Familie habe. Schon in Wien habe ich gesagt, dass ich sehr gerne mal Professorin in Salzburg sein möchte. Mein damaliger Doktorarbeitsbetreuer meinte aber, das sei unmöglich, weil Salzburg keine Chemie anbietet. Zwischenzeitlich habe ich dann in Ulm als Professorin für Anorganische Chemie gearbeitet. Als dann die Stelle an der Uni Salzburg im Bereich Material/Chemie ausgeschrieben wurde, war für mich klar, dass ich mich bewerben muss. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe die Stelle bekommen und bin seitdem in Salzburg.

Was hat Ihnen bei Ihrem Start 2010 an der PLUS besonders gefallen?

Zum einen bin ich hier sehr herzlich aufgenommen worden und hab mich gleich wohlgefühlt. Zum anderen war es eine sehr spannende Aufgabe und große Herausforderung den gesamten Bereich „Chemie und Physik der Materialien“ neu aufzubauen. Besonders im Hinblick darauf, dass man ein neues Gebäude bauen durfte. Man muss auch sagen, dass der Fachbereich bereits extrem gut funktioniert hat und das gemeinsame Arbeiten immer sehr angenehm war. Die Entwicklungsmöglichkeit aus den Instituten der Mineralogie und Physik eine Materialforschung aufzubauen wurde gesehen, wahrgenommen und toll umgesetzt.

Vizerektorin Nicola Hüsing im Interview

Wie sieht Ihr Workload im Vergleich zum Rektor aus? (1.000 – 1.200 Mails wöchentlich und ca. 70 Arbeitsstunden pro Woche)

Etwa 1.000 Mails denke ich, alles zusammen. Die Arbeitsstunden zähle ich nicht, aber es wird sicher einiges zusammenkommen. Wobei auch die Frage ist, was zählt man dazu? Ich persönlich würde Arbeitsessen zum Beispiel nicht als Arbeit bezeichnen. Und es gibt auch viele andere Dinge, die Spaß machen und sich daher für mich nicht wie Arbeit anfühlen.

Es fällt also manchmal schwer, die Trennlinie zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Salzburg?

Ich mag die Natur rund um Salzburg am liebsten und die Tatsache, dass man sie von der Stadt aus so schnell erreicht. Das Voralpenland mit den Almen mag ich besonders gerne, speziell zum Radfahren. Für einen gemütlichen Abend besuche ich gerne die urigen Gasthöfe am Stadtrand von Salzburg.

Was war Ihr Berufswunsch als Kind?

Eigentlich wollte ich immer Ärztin werden. In dem Jahr als ich beginnen wollte zu studieren, war ich aber zum Termin des Aufnahmetests krank. Damit ich keine Zeit verliere, habe ich inzwischen das Chemie-Studium begonnen – mit dem Hintergedanken, dass mir Chemie für das Medizin-Studium schon mal hilft. Im darauffolgenden 2. Semester hätte ich dann in Würzburg Medizin studieren können, Chemie hat mir dann aber schon so viel Spaß gemacht, dass ich dabeigeblieben bin.

Was hat Ihnen an Ihrem Chemie-Studium besonders gut gefallen?

Was Chemie auszeichnet und von anderen Studiengängen unterscheidet ist, dass es einen sehr handwerklichen Charakter hat. Denn man hat zwar jeden Tag einige Stunden Vorlesungen, steht aber auch täglich 4-5 Stunden im Labor. Das ist eine vollkommen andere Art der Ausbildung, als es bei anderen Studien der Fall ist. Genau dieser praktische Teil des Chemie-Studiums hat mir immer besonders gut gefallen.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Amt als Vizerektorin besonders und was weniger gut?

Besonders schön finde ich, dass man so viele Personen kennen lernt. Außerdem sehe ich durch mein Amt als Vizerektorin wie viele tolle Projekte an der Uni umgesetzt werden. Was viele Wissenschaftler*innen der PLUS auszeichnet ist, dass sie unglaublich kreativ und neugierig sind, keine Angst haben Neuland zu betreten und Grenzen zu überschreiten. Dadurch bin ich schon in den Genuss vieler spannender Gespräche gekommen.

Vizerektorin Nicola Hüsing im Interview an einem Tisch.Weniger schön ist es, dass man viele Dinge aus der Zeitung erfährt (lacht). Und auch die Bürokratie, die mit diesem Amt verbunden ist und die Formalien, die abgearbeitet werden müssen – aber das gehört natürlich zum Job. Und was unsere Rektoratszeit besonders prägt und mir natürlich gar nicht gefällt, ist Corona – das nimmt sehr viel Zeit ein und ist eine ziemliche Herausforderung.

Und wie in jedem Job hat man am Anfang natürlich die ersten Monate eine Art „Welpen-Bonus“, dann kam bei uns aber auch schon Corona… unsere neue Begleiterin (lacht).

Sie sind Vizerektorin für Forschung und Nachhaltigkeit – in welchen Aspekten Ihres Lebens leben Sie schon nachhaltig? Und warum liegt Ihnen das Thema am Herzen?

Ich glaube, es ist unbestritten, dass Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen sehr wichtig ist. Nicht umsonst orientiert sich die PLUS an den 17 Sustainability Goals (SDGs). Was mich natürlich besonders umtreibt (aber das liegt an der naturwissenschaftlichen Grundausbildung, die ich habe), ist alles was mit Klima und Umwelt zu tun hat. Armut und Ungleichheit, die SDGS, die an der PLUS durch KollegInnen besonders vertreten sind, sind aber natürlich genauso wichtige Themen.

Chemie ist oft sehr negativ belegt. Kennt man ja, Chemie ist verantwortlich für die ganzen schrecklichen Dinge in unserem Leben. Die schönen Seiten und die für unser Leben so vielen wertvollen Entwicklungen werden oft nicht gesehen.

Vizerektorin Nicola Hüsing im Interview

Bei der Ausbildung meiner Studierenden ist es mir besonders wichtig, dass sie eine Sache verstehen und zwar: Jedes Atom, dass wir in einem Gegenstand umsetzen, ist zunächst einmal verbraucht. Wenn man sich überlegt, welche Elemente in welcher Menge, z.B. in einem Handy, verarbeitet sind, wie Gold, Indium, Tantal, uvm. Sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass es jedes der verarbeiteten Atome auf dieser Welt nur einmal gibt. Wenn wir das Handy nun nicht recyceln, sondern in den Müll entsorgen, sind diese Atome für uns nicht mehr zugänglich. Dies umso mehr, als die eingesetzte Menge an z.B. Edelmetallen sehr klein ist und diese auch noch sehr stark verteilt vorliegen. Es ist mir sehr wichtig, dass man versteht, dass die (Stoff-)Kreisläufe geschlossen bleiben müssen. Wir müssen recyceln, wir müssen verstehen, dass das, was wir hier einsetzen in allen Lebensbereichen wiederverwendet werden muss und nicht verloren gehen darf.

Und selber bei mir zuhause, gehört das Thema Nachhaltigkeit zum Leben dazu.

Gibt es einen Bereich, der Ihnen besonders viel bedeutet? Plastikfrei einkaufen, Second-Hand-Kleidung kaufen…?

Das ist alles ganz wichtig. Aber ehrlich gesagt, sehe ich unser größtes Problem in unserem Energieverbrauch. Dazu gehört es auch die Energie, die uns zur Verfügung steht, vernünftig zu speichern und wiederzuverwenden – das interessiert mich wirklich. Batterien, Brennstoffzellen, Solare Energieerzeugugn… das liegt aber wieder an meinem chemischen Background.

Finden Sie, dass die PLUS in Bezug auf Nachhaltigkeit schon gut unterwegs ist?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben das tolle und engagierte Team bei PLUS Green Campus. Dann gibt es auch noch die Scientists for Future , die eng in die Universität integriert sind.  Zudem sind wir als Universität auch Mitglied bei der Allianz nachhaltige Universitäten in Österreich und dem CCCA (Climate Change Center Austria). Wir vertreten außerdem wie schon gesagt die beiden Sustainability Goals „Armut und Ungleichheit“ im UniNEtZ . Insgesamt sind wir also schon sehr stark vertreten in vielen Aktivitäten in Österreich. Wir bieten zudem für alle Interessierten in der Lehre eine Studienergänzung Klimawandel und Nachhaltigkeit. Aber natürlich ist immer noch Luft nach oben.

Wie sehen Sie die PLUS in dem Bereich im Vergleich zu anderen österreichischen Unis?

Universitäten mit Campus-Charakter tun sich definitiv leichter, denn dort können gemeinschaftliche Strukturen geschaffen werden. An der PLUS haben wir sehr viele Standorte mit verschiedensten Charakteristika. Darum braucht es individuelle Lösungen für jeden Standort. Aber PLUS Green Campus hat schon sehr viel erreicht.

Wo holen Sie sich Kraft/Energie?

Das ist definitiv beim Bewegen im Freien, egal zu welcher Jahreszeit. Ich fahre gerne Mountainbike, gehe klettern und wandern.

Welche Lektüre liegt auf Ihrem Nachttisch?

Das Buch das da tatsächlich grad liegt habe ich geschenkt bekommen und heißt „111 Orte die man in Salzburg gesehen haben muss“.  Es besteht aus lauter kurzen Geschichten, ideal um vor dem Einschlafen noch ein paar Seiten zu lesen.

Wer ist Ihr Lieblingsmusiker*in? Welche Musik hören Sie gerne?

Ich mag ruhige Pop-Musik, zum Beispiel Pink. Mit Klassik kann ich leider nicht aufwarten (lacht).

Vizerektorin Nicola Hüsing im Interview

Wenn Sie es sich aussuchen könnten, mit wem würden Sie gerne zu Abend essen?

An erster Stelle kommt natürlich mein Ehemann, den sehe ich nämlich nicht so oft (lacht). Aber, wenn ich mir wirklich irgendjemanden aussuchen könnte, würde ich eine beeindruckende Persönlichkeit aus dem Bereich Politik wählen. Wen ich zum Beispiel sehr beeindruckend finde, ist Barack Obama, Ich stelle es mir interessant vor, mit jemandem zu sprechen, der weltpolitisch so viel erlebt und einen breiten Überblick über die Dinge hat.

Social Media: aktiv oder passiv?

Ich nutze eigentlich nur Apps zum Chatten, wie Threema und Signal. Ich bin weder bei Facebook noch bei Instagram. Ich würde ja gerne, aber irgendwie fehlt mir die Zeit.

Wie sieht Ihr idealer Urlaub aus? Corona bedingt wahrscheinlich etwas anders als normalerweise?

Nein, eigentlich nicht. Wir fahren immer entweder mit dem Fahrrad über die Alpen oder mit dem Fahrrad in die Alpen. Es gibt diese beiden Optionen (lacht). Und dieses Jahr war es mit dem Campingbus und dem Fahrrad in die Alpen.

Heißgetränk in einem gemütlichen Café oder Cocktail in Lounge Atmosphäre?

Da würde ich eine Tasse Kaffee oder Tee in einem gemütlichen Café bevorzugen.

Katze oder Hund als Haustier?

Wir hatten früher eine Katze. Falls wir noch mal ein Haustier nehmen, hätte ich aber gerne einen Hund.

Welcher Brettspieltyp sind Sie: mit Ruhe und Strategie die letzte UNO-Karte spielen oder frühzeitig das Monopoly Brett vom Tisch fegen?

Ich bin der geduldige Typ und sehe mich als gute Verliererin.

Liebe Frau Hüsing, vielen Dank für das angenehme Gespräch!

PS: Wenn ihr mehr über das Rektorat der PLUS erfahren möchtet, lest doch am besten das Interview mit Rektor Hendrik Lehnert und Vizerektor für Lehre und Studium Martin Weichbold hier am Blog nach.

Euer commUNIty-Redaktionsteam

Photo-Credits: Kay Müller

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