Junge Frau vor Laptop

Du bist Mitte Zwanzig und hast Ängste und Unsicherheiten. Fragst du Google, was hinter deinen Sorgen steckt, bekommst du die Diagnose: Lebenskrise. Laut Google-Suche bist du mitten drin in der Quaterlife-Crisis. Deine Symptome sind dabei kein Einzelfall, denn eine ganze Generation hat mit diesen zu kämpfen. Es sind die Zwanzig- bis Dreißigjährigen.

Wir wollten wissen, was an der Quaterlife-Crisis wirklich dran ist und haben Burkhard Gniewosz, Professor der Erziehungswissenschaften an der Universität Salzburg, um eine Diagnose gebeten. Und stell dir vor: Du steckst nicht in einer Quaterlife-Crisis. Wissenschaftlich gesehen, gibt es die gar nicht. Stattdessen, musst du dich in deinen 20ern mit Entscheidungen, die unklar sind und unter Unsicherheiten getroffen werden müssen, auseinandersetzen. Wir haben 5 Fragen, die diese Entscheidungen betreffen und die du nur an dich selbst stellen sollst.

Frage 1: Welche Optionen will ich im Moment wahrnehmen?

Im Gegensatz zu früher hast du im 21. Jahrhundert keine klaren Lebensläufe vor dir liegen. Alles ist unübersichtlicher. Die Optionen, was du als nächstes machen kannst, sind so verschwommen, wie das Jobprofil eines Social Media Managers. „Wenn man sich die ganzen Freiheiten und Optionen, die man hat, anschaut und auch die Erwartung, ich muss für mich das Beste und tollste daraus zusammenstellen, ist das gar nicht einfach“, sagt Professor Dr. Gniewosz. Mit all diesen Anforderungen klar zu kommen kann belastend sein. Das stresst und setzt dich unter Druck. Gleichzeitig musst du das Potenzial für dein persönliches Wachstum in diese Krisen sehen.

Tipp: Statt alles negativ zu sehen, erkenne deine Chancen.

So negativ, wie die Quaterlife-Cirsis bei deiner Google-Suche dargestellt wird, brauchst du sie nicht sehen. Burkhard Gniewosz rät diese Phase zwischen 20 und 30 Jahren mehr als eine Chance zu sehen: „Es gibt etwas das passt nicht mehr so ganz, ich muss mich neu orientieren, ich muss mit neuen Anforderungen umgehen und daraus erwächst dann der nächste Schritt. Das geht dann eine Weile gut und dann kommt die nächste Krise, wo man sich wieder entscheiden muss, wie es weitergehen kann“, so Professor Dr. Gniewosz. In jeder dieser Krisen kannst du dir dann die Frage stellen: „Welche Optionen will ich im Moment wahrnehmen?“

Jetzt kannst du dich neu finden und deine Identität festigen. Sollte etwas nicht so gelingen, wie du es dir vorgestellt hast, versuche gelassen zu bleiben. Woher sollst du denn bereits im Vorhinein wissen, ob die eine Option oder doch eher die andere, etwas für dich ist? Dieser Übergang in das Erwachsenenalter, ist die ideale Gelegenheit, um Erfahrungen zu sammeln.

Frage 2: Bin ich, so wie ich bin, gut genug für mich selbst?

Auf die Frage, ob es Ängste und Unsicherheiten früher auch schon gegeben hat, erklärt Burkhard Gniewosz: „Strukturell sicherlich. Übergänge gibt es ja immer. Die Fragen ‚Soll ich heiraten oder nicht?‘ Soll ich Kinder bekommen?‘ ‚Bleibe ich in dem Job oder wechsle ich?‘ gab es ja immer. Sie haben sich verstärkt, denke ich jetzt in dieser gesellschaftlichen Sitution, weil momentan sehr stark der Gedanke des Wettbewerbs, der Selbstoptimierung, im Vordergrund steht.“

Das kommt nicht nur mir, sodern auch dir bekannt vor? Die Instagram Influencer, denen du folgst, haben diesen perfekten Weg wie es scheint bereits gefunden. Dir muss das wohl auch gelingen und du erwartest, dass es den perfekten Weg und das perfekte Umfeld für dich gibt. Du hinterfragst, ob du so wie du bist, schön genug bist und erfolgreich genug. „Man fühlt sich ständig unter Beobachtung, ständig in den sozialen Vergleich getrieben und gezwungen“, so Professor Dr. Gniewosz. Leicht ist es dadurch nicht, in dieser Übergangsphase zwischen Jugend und Erwachsenenalter, deinen eigenen Weg zu finden.

Tipp: Statt dich mit anderen zu vergleichen, fokussiere dich auf dich selbst.

Verwirf den Gedanken des perfekten Weges. Hör auf deine Entscheidungen daran auszurichten, was wohl die anderen auf Social Media darüber sagen oder denken werden. Versuche dich nur auf dich selbst zu fokussieren. Finde deinen eigenen Weg und messe diesen nicht ständig mit dem von anderen. Stell dir persönlich die Frage „Bin ich, so wie ich bin, gut genug für mich selbst?“ Nutze deine Potenziale und stärke deine persönliche Identität, indem du den Gedanken der Selbstoptimierung verwirst und dich selbst für gut genug definierst.

Freund lachen gemeinsam

Frage 3: Bin ich glücklich?

Du glaubst, dass du klare Ziele benötigst, um Entscheidungen besser treffen zu können? Wenn ich bis 30 nicht verheiratet bin, heirate ich notfalls meinen besten Freund. Als der dann vor dir heiratet, bricht dein gesamter Plan zusammen. „Ungünstig wäre es auch, wenn du dich selbst anhand eines Jobs mit einem konkreten Jahresgehalt zu definieren versuchst. Kaum hast du einen Milestone deines Fahrplans nämlich erreicht, kommt wieder ein neuer Abschnitt gepaart mit Ängsten und Unsicherheit“, sagt Professor Dr. Gniewosz. Das ist zu unfelxibel. Nicht alles im Leben ist planbar.

Tipp: Statt Ratgeber zur Selbstoptimierung zu lesen, sei glücklich.

Vergiss die ganzen Ratgeber zu einer step by step Selbstoptimierung. Stattdessen stell dir die Frage „Bin ich glücklich?“ Nimm dir Zeit, darüber intensiv nachzudenken. Finde heraus, was du brauchst um das Gefühl vom Glücklich-Sein irgendwie herzustellen. Mache deine Glückshormone zum Antrieb deiner Entscheidungen. Du wirst sehen, dass du deinen Weg besser als gedacht ohne konkreten Fahrplan meisterst. Im Nachhinein zählt, dass du das getan hast, was dich glücklich macht.

Frage 4: Ab wann bin ich erwachsen?

Nicht jeder zwischen 20 und 30 hat die gleichen Sorgen, Ängste oder Entscheidungen zu treffen. Diese fallen interindividuell sehr unterschiedlich aus. Jedoch gibt es eine Aufgabe, die du in diesem Lebensabschnitt, wie alle anderen Twentysomethings zu erfüllen hast: Erwachsen werden. Was da sicherlich dazugehört ist der Einstieg in den Beruf. Zumindest was die gesellschaftlichen Erwartungen angeht. Hinzukommen dann noch die Erwartungen im sozialen Umfeld. Mit denen musst du lernen klarzukommen.

„So im Sinne von ‚Hey, du bist 25 und du hast immer noch kein Haus, kein Kind und keinen Baum gepflanzt.‘ Ich glaube es geht aber nicht darum, genau diese Dinge zu tun, aber dass man für sich selber herausbekommt, wie man mit diesen Erwartungen im sozialen Umfled umgeht und wie man diese ganzen Dinge gemanagt bekommt. Das sind so die Dinge die tatsächlich alle Menschen irgendwo in dieser breiten Phase bewältigen sollten.“, sagt Professor Dr. Gniewosz. Es kann sein, dass sich dieser Prozess der Selbstidentifikation als Erwachsener bis Mitte Dreißig zieht. Nur du sollltest dir die Frage stellen „Ab wann bin ich erwachsen?“ und diese auch selbst für dich beantworten.

Tipp: Statt Erwartungen anderer Erwachsener zu erfüllen, werde selbst erwachsen.

Selbst dann, wenn du für dich in der Identität bereits geklärt hast, dass du jetzt erwachsen bist, wer du bist und wohin du denn überhaupt willst, sagt dir dann deine Schwester oder einer deiner Freunde „Jetzt werde doch endlich mal erwachsen!“ Sollen sie ruhig. Hauptsache du hast es von der Selbstindentifikation her geschafft, erwachsen zu werden.

Frage 5: Wer kann mir hinsichtlich meiner Zukunft neue Perspektiven geben?

In erster Linie musst du durch die Identitätsübergangsphase zum Erwachsen-Sein selbst durch. Mit deiner Identiät des Erwachsenen-Ichs und den Erwartungen der anderen musst du selbst klarkommen und daran arbeiten. Unterstützung kannst du dir aus deinem Umfeld holen. Professor Dr. Gniewosz rät eine „Ressourcen Aktivierung im sozialen Netzwerk“ zu starten. Frag dich „Wer kann mir hinsichtlich meiner Zukunft neue Perspektiven geben?“

Tipp: Statt an deinen Unsicherheiten zu verzweifeln, rede mit anderen darüber.

Gib deine Ängste und Sorgen deinen FreundInnen und deiner Familie preis. Rede mit ihnen über deine bevorstehenden Entscheidungen, die du zu treffen hast. Auch wenn man den Eltern fast nie Recht geben will. Sind wir uns ganz ehrlich: Mama und Papa haben oft Recht. Sagen wir, fast immer. Ok, immer. Gerade in Bezug auf Sorgen, die die Zukunft betreffen, können sie dir weiterhelfen. Im Vergleich zu dir, haben sie bereits mehr Erfahrungen gesammelt. Hör dir neue Ansichten aus deinem Umfeld zu deiner Krisensituaiton an.

Entscheidungen werden dich ein Leben lang begleiten. Egal ob nach der Familiengründung oder im Fall einer Insolvenz deiner Firma. Es wird immer Phasen geben, wo Krisensituationen auftreten und du dich neu orientieren musst. Nicht nur im Lebensabschnitt zwischen Zwanzig bis Dreißig wirst du auf Veränderungen und damit Unsicherheit stoßen. In den Zwanzigern ist es im Prinzip das Erwachsenwerden. Da muss ich genauso durch, wie du. Willkommen im Club!

Autorin: Katharina Weber. Dieser Artikel ist im Rahmen der Lehrveranstaltung Vom Blog zum Multimedia-Dossier im WS 19/20 entstanden.

Photo-Credits:
Titelbild: energepic.com via pexels
Bild Freunde: Helena Lopes via pexels

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