Vizerektor Martin Weichbold

Seit fast einem Jahr ist Martin Weichbold, ehemaliger Dekan der Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät nun schon Vizerektor für Lehre und Studium an der PLUS. Der gebürtige Steirer und passionierte Bergsteiger hat uns über seinen ungewöhnlichen Werdegang erzählt, warum man ihn nur selten beim Lesen eines Buches antrifft und wieso ein großes Graffiti sein Büro ziert.

Betritt man Vizerektor Weichbolds Büro scheint es wie viele andere auch – groß und hell, moderne Büromöbel, weiße Wände. Doch der erste Eindruck täuscht. Wir schließen die Tür hinter uns und blicken auf ein meterlanges Graffiti…

Wie kam es zu dem Graffiti? Was ist die Geschichte dahinter?

Als ich in mein neues Büro hier gekommen bin, habe ich mich gleich erschlagen gefühlt von diesem großen grauen Block (Anmerkung: vom Schreibtisch sieht man direkt auf das Graffiti, das vormals eine große graue Fläche war) Und da ich in diesem Raum täglich bis zu 12 Stunden verbringe und es nicht sehr förderlich für die Stimmung ist, die ganze Zeit auf einen grauen Block zu schauen, hatte ich die Idee, diesen Bereich schöner zu gestalten.

Eine Absolventin von uns (Anmerkung: der Soziologie) ist freischaffende Graffiti-Künstlerin, sie hat damals ihre Diplomarbeit über die Graffiti-Szene in Salzburg geschrieben. Ich habe sie kontaktiert und gefragt, ob sie die Wand mit einem Graffiti verzieren kann. Sie hat zugestimmt und der Rest ist Geschichte.

Das Graffiti ist übrigens ein Wildstyle Graffiti, dessen Basis das Wort „Uni“ bildet. Die Buchstaben U, N und I kommen in dem Graffiti in abgewandelter Form immer wieder vor.

Graffiti im Büro von VR Weichbold

Wie sieht Ihr Workload im Vergleich zum Rektor aus? (1.000 – 1.200 Mails wöchentlich und ca. 70 Arbeitsstunden pro Woche)

Meine E-Mails zähle ich nicht, aber sie sind pro Tag im 3-stelligen Bereich und gehen über eine ganze Woche hinweg sicher in einen 4-stelligen Bereich. Der Workload ist im Moment – und der Moment zieht sich jetzt leider schon über ein gutes Jahr (lacht) – sicher etwas erhöht. Das heißt, ich arbeite im Schnitt 60 Stunden die Woche – manchmal etwas mehr und manchmal etwas weniger.

Sie sind der Universität Salzburg seit ihrer Zeit als Student treu gebelieben. Was hat Sie dazu bewogen hier zu bleiben?

Es gab keinen ausschlaggebenden Grund für diese Entscheidung. Es ist schlichtweg so, dass sich ein Auslandsaufenthalt oder ein Uni-Wechsel nicht ergeben haben. Ich habe meine Studien (Anmerkung: Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie) aus Interesse begonnen und nicht, weil ich einen bestimmten Beruf vor Augen hatte. Dann habe ich weiterhin immer das gemacht, was mich interessiert, und bin so in die klassische Uni-Karriere reingekommen: Studienassistent, Projektmitarbeiter… Das waren alles spannende Tätigkeiten und so hat sich mein Werdegang an der Uni Salzburg immer weiterentwickelt.

Wenn man eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, ist klar, dass auch Stationen im Ausland dazugehören. Ich habe aber eine solche Karriere nie zielgerichtet geplant, vielmehr hat sich ein Schritt nach dem anderen, eine Position nach der anderen ergeben. Ins Ausland zu gehen war immer irgendwo präsent, es ist letztlich aber nicht dazu gekommen. Vielleicht geht es ja zu einem späteren Zeitpunkt doch noch ins Ausland oder an eine andere Universität!

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Salzburg?

Einen richtigen Lieblingsplatz kann ich hier nicht nennen. Denn meine Lieblingsplätze sind weniger orts-, sondern mehr situationsgebunden. Situationen, die ich besonders gerne mag, sind: In den Bergen zu sein – egal ob alleine, zu zweit oder in einer kleinen Gruppe. Oder auch mit Freunden gemeinsam zu kochen und zu essen. Beides ist aber nicht an einen bestimmten Ort gebunden.

Was schätzen Sie an Salzburg besonders?

Das ist sicher die Lebensqualität – die wunderschöne Natur und das kulturelle Angebot, das hier fantastisch ist. Für die Größe der Stadt hat Salzburg ein Kulturangebot, auch abseits der Festspiele, das man sonst nur in viel größeren Städten findet.

Grundsätzlich bin ich definitiv ein Landmensch, ich bin auch am Land aufgewachsen (Anmerkung: Öblarn, Steiermark). In einer Großstadt zu wohnen könnte ich mir nicht vorstellen. Aktuell wohne ich mit meiner Familie am Stadtrand von Salzburg, in Hallwang.

Vizerektor Weichbold im Interview

Was war Ihr Berufswunsch als Kind?

Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich hatte nie eine fixe Vorstellung von meinem Leben und habe eigentlich immer das gemacht, was mir Spaß macht. Und bisher hat sich alles gut gefügt.

Was war bisher Ihr größter Glücksmoment seit Sie im Amt des VRs sind?

Hier kann ich mich nicht auf einen Moment festlegen. Die Arbeit ist sehr spannend, schön und erfüllend – bei aller Kritik, die man erfährt und allen schwierigen Gesprächen, die anstehen. So ein Job ist ja kein Beliebtheitswettbewerb und es gibt natürlich immer wieder unangenehme Momente. Aber im Prinzip liegt mir meine Arbeit und ich gehe in der Früh gerne ins Büro. Insofern habe ich laufend kleine Glücksmomente, wenn Dinge aufgehen oder eine Idee Zustimmung findet.

Wo holen Sie sich Kraft/Energie?

Kraftquellen sind die Natur und die Berge für mich oder aber auch etwas ganz Anderes zu machen – am liebsten etwas Handwerkliches. Ich habe laufend irgendwelche handwerklichen Projekte. Besonders gerne arbeite ich mit Holz. Und wenn man ein Haus hat und ein zweites als Ferienhaus in der Steiermark – wo ich herkomme – dann hat man immer genug zu tun.

Grundsätzlich habe ich meinen Beruf dann vielleicht doch verfehlt (lacht), denn was ich eigentlich am schlechtesten kann, ist sitzen. Ich bin jemand, der immer gerne in Bewegung ist, immer am Gehen. Wenn ich eine Vorlesung halte, bin ich sicher etliche Kilometer unterwegs vorne – immer hin und her. Ich kann nicht stundenlang ruhig am Pult stehen und etwas erzählen.

Welche Lektüre liegt auf Ihrem Nachtisch?

Ganz ehrlich, gar keine. Weil ich im Bett nicht lese. Im Moment habe ich generell keine Zeit zu lesen. Ich würde gerne wieder mehr lesen. Belletristik habe ich allerdings noch nie gelesen, da habe ich nie wirklich den Zugang gefunden. Wenn ich lese, dann sind es Fachbücher oder Fachliteratur. Das Alternativ- und das Kontrastprogramm zur Arbeit waren für mich immer andere Dinge, in erster Linie Bewegung und Handwerken.

Vizerektor Weichbold

Wer ist Ihr Lieblingsmusiker*in? Welche Musik hören Sie gerne?

Jede gute Musik (lacht). In der Jugend habe ich sehr viel Jazz gehört und Jazz-Festivals besucht. Rock und Pop natürlich auch – Pink Floyd und Eric Clapton gehörten zu meinen Favoriten. Später bin ich zur Klassik gekommen. Und auch zeitgenössische Musik höre ich manchmal; dazu habe ich gemeinsam mit einer Kollegin vom Mozarteum über den Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft & Kunst sogar eine Lehrveranstaltung gehalten – eine spannende Erfahrung. Darüber hinaus kann ich auch Volksmusik etwas abgewinnen, wenn sie im entsprechenden Umfeld gehört wird.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Ich habe kein bestimmtes Lieblingsgericht. Aber am liebsten esse ich etwas selbst gekochtes mit Fleisch, zum Beispiel mit Wild. Natürlich achte ich beim Fleischkonsum auf hohe Qualität, darum beziehen wir das Fleisch von Jägern aus der Verwandtschaft und von befreundeten Landwirten.

In welcher Epoche hätten Sie gerne gelebt? Ritterzeit, Roaring Twenties, Hippie-Zeit?

Ich lebe gerne im Hier und Jetzt und würde nicht tauschen wollen. Denn jede Zeit hat ihre Herausforderungen.

Social Media: aktiv oder passiv?

Passiv. Bis auf die familiäre WhatsApp Gruppe habe ich da nie wirklich reingefunden.

Badeurlaub am Strand oder Wanderurlaub in den Bergen?

Ich bin gerne am Meer, aber länger als drei Stunden halte ich es am Strand nicht aus. Das ist mir zu langweilig. Wie man 14 Tage nur am Strand liegen kann, erschließt sich mir nicht. Generell bevorzuge ich Urlaub in den Bergen, dort bin ich einfach irrsinnig gerne.

Sie kommen ursprünglich aus der Steiermark… Steirisches Kernöl oder mediterranes Olivenöl?

Ich mag beide Öle sehr gerne.

Radler oder Weißer Spritzer?

Sommerspritzer, mit steirischem Wein (lacht).

Herr Vizerektor Weichbold, vielen Dank für das angenehme und spannende Gespräch!

Photo-Credits: Kay Müller

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