PLUS-Rektor Lehnert

Hendrik Lehnert, der neue Rektor der Universität Salzburg, ist seit Oktober 2019 im Amt. Rund 11 Monate lenkt er die PLUS nun schon auf neuen Pfaden in die Zukunft. Mit uns hat der ehemalige Klinikleiter und Präsident der Universität Lübeck mit norddeutschen Wurzeln über sein aktuelles Arbeitspensum, seine Erfahrungen an der Harvard Medical School und am Massachusetts Institute of Technology sowie über bisherige Glücksmomente an der PLUS gesprochen. Außerdem verrät er seinen Lieblingsplatz in Salzburg, was sein Berufswunsch als Kind war und welche Lektüre aktuell auf seinem Nachttisch zu finden ist.

Wir treffen Rektor Hendrik Lehnert zum Interview in seinem Büro mit direktem Blick auf die Salzburger Festung. Sein Arbeitsplatz ist modern: ein schlichter Glastisch, darüber hängt das große Bild einer pinken Kuh auf knallgelbem Hintergrund. Nach einer kurzen, aber freundlichen Begrüßung starten wir auch schon mit den Fragen.

Gleich zu Beginn: Was hat es mit der pinken Kuh auf sich, die Ihre Wand schmückt? War es vielleicht ein Geschenk zu Ihrem Amtsantritt in Salzburg?

Das Bild war kein Geschenk, ich habe es selbst gekauft. Und das schon lange bevor ich wusste, dass ich nach Salzburg kommen und dieses Büro beziehen würde. Ich habe aber festgestellt, dass es hier wunderbar reinpasst. Bei dem Bild handelt es sich übrigens um ein Motiv des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol (Anmerkung: Andy Warhol, Cow, 1966).

Wie viele E-Mails bekommen Sie in einer Woche? Und auf wie viele Arbeitsstunden kommen Sie?

Aktuell bekomme ich ungefähr zwischen 1.000 und 1.200 E-Mails wöchentlich. Wobei die eigentliche Arbeit die vielen Anhänge sind. Meine Arbeitsstunden wollen Sie nicht wirklich wissen (lacht) – da komme ich auf circa 70 Stunden die Woche.

Was hat Sie an der Harvard Medical School und am Massachusetts Institute of Technology besonders beeindruckt und was davon würden Sie gerne in Salzburg sehen?

Aus Sicht eines Wissenschaftlers und Forschers waren die Zeiten dort ganz besonders prägend. Sie gehören somit wohl mit zu den besten Zeiten meines Lebens.

Speziell beeindruckt hat mich die offene und unvoreingenommene Kommunikationskultur. Alle waren durch ganz klare Ziele und Ideen miteinander verbunden – und zwar zu forschen und wissenschaftlichen Fortschritt mitzuprägen. All das in einem sehr internationalen Klima und mit Englisch als alleiniger Wissenschaftssprache. Völlig unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht hatten alle dasselbe Ziel und waren somit wirklich eine echte Gemeinschaft.

Insbesondere am MIT hatte ich das große Glück, in einem sehr großen, sehr internationalen Labor zu arbeiten – mit 20 Mitarbeiter*innen aus der ganzen Welt. Das war eine wunderbare Zeit, die auch lange darüber hinaus angehalten hat und in vielen Kontakten und dauerhaften Forschungsnetzwerken gemündet ist.

Den eigenen Enthusiasmus für die Forschung zu leben – am besten in einer Gemeinschaft die so bunt und international wie nur möglich ist – das ist, glaube ich, etwas, was Wissenschaft ausmacht. Und schließlich sollte man alles dafür tun, dass diese Gemeinschaft weiterhin als Forschungsnetzwerk Bestand hat.

Ich wollte eigentlich immer Lehrer werden… oder Bergführer. Da konnte ich mich nie so recht entscheiden, darum war es dann am leichtesten einen ganz anderen Weg zu wählen und Mediziner zu werden (lacht).

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Salzburg?

Davon gibt es viele. Einer meiner Lieblingsplätze ist oben auf dem Mönchsberg, wo man einen wunderbaren Blick über die ganze Stadt hat. Und auch im Salzburger Umfeld, das ich leider noch nicht so ausgiebig erkundet habe, wie ich eigentlich möchte, gibt es etliche schöne Plätze. Unbedingt möchte ich mal auf den Gaisberg wandern und von oben das Panorama genießen.

Goldene Kugel Salzburg

Aktuell habe ich auch das Vergnügen in einer schönen Dachgeschosswohnung am Kapitelplatz zu wohnen. Inkludiert ist eine kleine Dachterrasse, von der aus man die gesamte Stadt sehen kann. Den Dom, die Peters-, Franziskaner- und Kollegienkirche. Das ist einfach traumhaft. Wenn ich von der kleinen Dachterrasse auf die Stadt blicke und dieses Panorama sehe, wünsche ich mir nur immer, dass sie noch belebter wäre – insbesondere abends.

Was schätzen Sie an Salzburg besonders?

Besonders schätze ich die großartige Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst im weitesten Sinne. Ich mag Salzburg als Festspielstadt, als Stadt einer ganz außergewöhnlichen Architektur und als Ausgangspunkt für Ausflüge in eine sehr spannende Umgebung. In diesen Bereichen hat Salzburg unendlich viel zu bieten und könnte vielleicht auch noch ein bisschen mehr damit punkten. Auch mit Hinblick darauf, ein noch attraktiverer Studienstandort zu werden.

Was war Ihr Berufswunsch als Kind?

Ich wollte eigentlich immer Lehrer werden… oder Bergführer. Da konnte ich mich nie so recht entscheiden, darum war es dann am leichtesten einen ganz anderen Weg zu wählen und Mediziner zu werden (lacht). Eine Idee, die erst auf den letzten Metern zum Abitur entstanden ist.

Warum sind Sie dann Mediziner geworden?

Nach dem Abitur habe ich mich für den Zivildienst entschieden und auch Praktika in Krankenhäusern absolviert. Das hat mich dann dazu bewogen, in dem Bereich zu bleiben.

Was waren Ihre Lieblings-Lehrveranstaltungen in Ihrer Zeit als Student?

Ich habe Medizin und Psychologie parallel studiert und die spannendsten Lehrveranstaltungen waren für mich jene, die an der Grenzzone zwischen den beiden Fächern angesiedelt waren. Das waren Lehrveranstaltungen zur sogenannten Psycho-Physiologie, wo es darum geht, wie Körper und Seele interagieren und was die körperlichen Grundlagen und Auswirkungen dieser Interaktion sind. Das fand ich immer unglaublich spannend.
Sehr prägend waren für mich auch Lehrveranstaltungen der Inneren Medizin. Die Innere Medizin ist eine „Königsdisziplin“ der Medizin, weil sie sehr breit ist, sehr viel kombiniert und jede Menge Wissen erfordert. In dem Bereich gab es sehr spannende Vorlesungen, in denen erörtert wurde, wie komplexe und komplizierte Diagnosen erstellt werden, auch bei seltenen Erkrankungen. Da kann Medizin richtig kriminalistisch sein, im besten Sinne. Diese Seite der Medizin hat mich am meisten fasziniert, was dann dazu geführt hat, dass ich mich auf Innere Medizin spezialisiert habe.

Am Anfang wurden und teilweise werden wir als neues Rektorat natürlich mit einem gewissen Maß an Skepsis gesehen – was ja völlig normal ist. Vor allem, wenn der neue Rektor auch noch aus Norddeutschland kommt (lacht).

Was war bisher Ihr größter Glücksmoment an der Uni Salzburg?

Das war gar nicht so sehr ein bestimmtes Erlebnis, sondern vielmehr ein Kontinuum von Erlebnissen. Am Anfang wurden und teilweise werden wir als neues Rektorat natürlich mit einem gewissen Maß an Skepsis gesehen – was ja völlig normal ist. Vor allem, wenn der neue Rektor auch noch aus Norddeutschland kommt (lacht). Aber schon bald haben wir gemerkt, dass sich alles kontinuierlich gut entwickelt, Teamgeist und Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. Es war daher nie ein einzelner Glücksmoment der heraussticht, sondern es gab viele kleine Augenblicke des Glücks. Dadurch ist auch das Gefühl entstanden, dass sich die PLUS insgesamt in eine gute Richtung entwickelt.

Was vermissen Sie an Ihrer Heimat am meisten?

Gelegentlich vermisse ich Lübeck, vor allem das Meer und die damit verbundene Weite. Manchmal auch die klaren, kurzen Worte, die wir in Norddeutschland gewohnt sind. Und auch die schon besondere Stimmung fehlt mir manchmal. Denn oben im Norden hängt der Himmel immer etwas tiefer, aber ohne, dass er drückt.

Wo holen Sie sich neue Energie?

Meine Familie und vor allem meine Kinder spielen da eine ganz wichtige Rolle. Meinen Hobbies – Lesen, Wandern und Klettern – gehe ich aktuell leider zu wenig nach, aber das ist ganz klar dem Zeitmangel geschuldet. Das wird aber ganz sicher wiederkommen. Hoffentlich ab diesem Sommer.

Welche Lektüre liegt auf Ihrem Nachtisch?

Aktuell liegt dort „To kill a Mockingbird“ von Harper Lee. Ich habe es vor vielen Jahren gelesen und freue mich auf die erneute Lektüre eines Buches, das nicht nur spannend, sondern gerade in Zeiten eines immer noch vorhandenen Rassismus-Problems von großer literarischer und politischer Bedeutung ist.

Ich liebe Kunst und setze mich vor allem mit der Kunst des 20. Jahrhunderts, in erster Linie Bauhaus-Kunst, auseinander.

 

Wer ist Ihr*e Lieblingskünstler*in?

Da kann ich mich schwer auf einen festlegen. Ich liebe Kunst und setze mich vor allem mit der Kunst des 20. Jahrhunderts, in erster Linie Bauhaus-Kunst, auseinander. Zu meinen Lieblingskünstlern aus der Bauhaus-Zeit gehören Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger und Fritz Winter.

Salzburger Nockerl oder Lübecker Marzipan?

Beides (lacht).

Social Media: aktiv oder passiv?

Eher passiv. Persönlich bin ich nicht präsent auf Facebook oder Instagram, habe also keine Accounts. Aber wir als Universität sind natürlich aktiv auf den Sozialen Medien und nützen die Kanäle, um die PLUS ansprechend zu präsentieren, das ist sehr wichtig und gut so.

Festspiele oder ein gutes Buch daheim?

Festspiele, aber ein gutes Buch daheim ist natürlich auch immer verlockend.

Bier oder Wein?

Wein.

Herr Rektor, vielen Dank für das angenehme und spannende Gespräch!

Photo-Credits: Luigi Caputo

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