Origami falten: Eule

Schon mal von Origami gehört? Klingt wie eine asiatische Nachspeise, oder? Nein! Es handelt sich um eine Falttechnik mit jahrhundertelanger Tradition, die euch helfen kann zu eurer „Mitte“ zu finden und somit Stress zu reduzieren. Zudem entstehen wundervolle, und sehr dekorative, Tierchen. In Zeiten der Corona-Krise und damit verbundener Selbstisolation kann Origami falten eine gute Möglichkeit sein, um mal abzuschalten.

Als Studierende müssen wir uns immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Normalerweise sind es Prüfungen, Seminararbeiten und die Vereinbarkeit von Studium und Arbeit. Aktuell stehen wir vor einer noch größeren Herausforderung. Aufgrund der rasanten Ausbreitung des Coronavirus sind wir dazu aufgefordert, unsere sozialen Kontakte auf Eis zu legen, müssen uns im Home Office komplett neu organisieren und sollten bei alldem möglichst positiv bleiben. Manchen helfen dabei Workouts unter der Anleitung von Youtube-Videos, andere lernen eine neue Sprache und wieder andere wissen noch nicht so recht was sie machen können, um ihr positives Mindest zu stärken. Mein Tipp: Origami falten. Das hilft euch dabei abzuschalten und trainiert zudem die Konzentrationsfähigkeit.

Origami falten: Ursprung und Geschichte der Faltkunst

Nun aber erst mal ein kleiner Exkurs zur Geschichte. Der Begriff Origami setzt sich aus den beiden japanischen Wörtern „ori-“ („gefaltet“) und „-kami“ („Papier“) zusammen. Generell kann man dafür spezielles Origamipapier aus dem Geschäft verwenden, oder aber selbst aus allen möglichen Papierarten das geeignete Format (am besten quadratisch) selbst zuschneiden. Ob nun so klein wie ein Fingerhut (oder noch kleiner), oder so groß wie ein Handteller,  euch stehen alle Größen offen. Zwar ist „Origami“ erst in den letzten 50 bis 60 Jahren bei uns richtig „in“ geworden, doch lassen sich seine Wurzeln bis zur Erfindung des Papiers in China zurückverfolgen.

Von dort gelangte es bereits im 6. Jahrhundert (!) bis nach Japan, wo man es vorwiegend bei zeremoniellen Gelegenheiten zu einfachen Formen faltete. Erst im Laufe der Zeit entwickelten sich kompliziertere Faltanleitungen, bis zu jenen, die uns heute geläufig sind, wie die „Schildkröte“, der „Schwan“ oder „Kranich“. Hierfür empfiehlt die Salzburger Origami-Expertin Christina König das Buch „Origami to go. Einfach gefaltet. Das Origami-Buch für jede Tasche (…)“ aus dem Frech Verlag. Natürlich finden sich aber auch auf Internetseiten wie Youtube anschauliche Anleitungen für diverse Figürchen.

Origami in Salzburg: im Gespräch mit Origami-Expertin Christina König

Als der Coronavirus noch weit entfernt schien und niemand geglaubt hätte, dass wir bald die meiste Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, habe ich mich mit der Origami-Expertin Christina König zum Gespräch getroffen. Die ehemalige Mozarteum-Studentin leitet nämlich den Origami-Stammtisch „Koenigami“ in Salzburg. Dort treffen sich einmal im Monat Gleichgesinnte, um miteinander zu falten, sich auszutauschen oder einfach nur zu quatschen. Und auch wenn es wohl noch etwas dauern wird bis der monatliche Stammtisch wieder zum Leben erwacht, freue ich mich trotzdem, euch mit diesem Interview einen kleinen Einblick in die Welt des Origami in Salzburg zu geben.

Origami falten: Herz

 

Wie bist du erstmals in Kontakt mit Origami gekommen?

Erstmals mit ca. 20 Jahren – zu dieser Zeit habe ich hier in Salzburg noch am Mozarteum „Textiles Gestalten und Werkerziehung“ studiert, wo wir eines Tages die Aufgabe bekamen, aus lauter Himmel-und-Hölle-Figuren eine fertigen Komposition zu gestalten.

Ich bekam dann von jemanden den Tipp, dafür Origami-Papier zu verwenden und so wurde mir erst klar, dass das Falten eine eigene Kunst darstellt. Ich ging dann gleich ins Geschäft und besorgte mir sowas. Auch suchte ich gezielt nach Büchern über dieses Thema, weil mich diese Himmel-und-Hölle-Figur so faszinierte. In der Bibliothek wurde ich fündig und borgte mir alles über Origami aus, was ich in die Finger bekam. Prompt fand ich auch einen gefalteten Pinguin, der mir gefiel und ohne großartig darüber nachzudenken fing ich an, diesen zu falten – ich probierte es so lange, bis ich den Pinguin endlich hinbekam. Dabei merkte ich gar nicht, wie ich eigentlich schon in diese „Faltsucht“ reingerutscht war.

Woher kam die Idee einen Origami-Stammtisch in Salzburg zu gründen?

Zu Beginn hatte ich keine Ahnung, dass es noch andere „Falt-Freaks“ wie mich gab – ich hatte jahrelang das Gefühl, ganz allein damit zu sein. Erst, als 2005 in Salzburg im „Hangar 7“ eine Ausstellung namens „Masters of Origami“ veranstaltet wurde, wo auch Kurse und Workshops angeboten wurden, kam ich in Kontakt mit Leuten von „Origami-Deutschland“. Von ihnen erfuhr ich, dass es in Deutschland ganze Vereine für dieses Hobby gibt – und sogar ein weltweites Origami-Netzwerk!

In Folge lernte ich dann auch den Origamikünstler Joan Salas kennen, der in Deutschland lehrte und mich zu einigen Kursen einlud. Dort lernte ich dann Julia Schönhuber kennen, mit der ich jetzt den Stammtisch leite, die zufälligerweise ebenfalls in Salzburg faltete. Nach einigen Gesprächen im Mai 2010 war die Idee für den Salzburger Origami-Stammtisch dann schnell geboren und schon im Oktober desselben Jahres starteten wir damit. Wir wollten damit einfach mehr Menschen für Origami begeistern und da es in Salzburg noch keine Community oder Ähnliches gab, passte das ganz gut.

Und wie kann man sich so einen monatlichen Stammtisch vorstellen?

Seit der Gründung treffen wir uns einmal im Monat im „ABZ Haus der Möglichkeiten“ (Kirchenstraße 34) und falten miteinander. Zum Stammtisch kann jede*r kommen – egal, ob er oder sie schon Falterfahrung mitbringt oder zum ersten Mal faltet. Los geht’s immer um 18:00 Uhr und dauert bis ca. 21:00 Uhr. Nach ca. 1,5 Stunden machen wir dann eine kleine Pause, wo es Getränke und Snacks für die Teilnehmer*innen gibt.

Generell kommen meist zwischen 15 und 20 Leute zum Stammtisch, doch unser Programm ist so ausgerichtet, dass man jederzeit einsteigen kann, es jedoch für die Fortgeschritteneren trotzdem interessant bleibt. Hierbei können wir natürlich die Gruppendynamik nutzen, weil ja rundherum Menschen vor Ort sind, die sich gegenseitig helfen können. Auch beim Alter gibt es keine Einschränkungen – ob Kinder oder ältere Personen: hier ist jede*r willkommen!

Origami falten: Baum

Welche guten Eigenschaften bringt Origami Falten mit sich?

Erstmal finde ich, dass es sehr gut gegen Stress und Unruhe hilft. Das hören wir auch immer wieder als Feedback von unseren Teilnehmer*innen.

Anfangs stressen sich viele noch selbst, weil sie das Gefühl haben, die Figur auf Anhieb perfekt hinkriegen zu müssen. Das kommt meiner Meinung nach von der Angst vorm Scheitern, die uns meist schon viel zu früh von der Gesellschaft antrainiert wird – wenn man vielleicht etwas nicht gleich versteht oder richtig hinbekommt, löst das bei manchen schon innerlichen Stress aus. Doch gerade das lernt man bei uns abzulegen. Ich sage immer: „Ein Hoch auf das Scheitern!“ Bei uns darf man das! Wenn man diese Angst dann einmal überwunden hat, löst sich auch der Stress, den man mit sich rumschleppt auf und man kommt in eine Art „Flow“ rein.

Auch aktiviert Origami unsere beiden Gehirnhälften und bildet dort Synapsen, die wir dringend für die Koordination beider Hände brauchen. Ebenfalls wird durch das Falten die Konzentrationsfähigkeit gefördert (was besonders in der Uni von Vorteil sein kann, wie wir alle ja wissen *zwinker*), weil man spielerisch lernt auf längere Zeit konzentriert zu bleiben, ohne dass es sehr fordernd oder anstrengend ist. Die Feinmotorik wird übrigens speziell bei Kindern extrem gefördert, wie auch das räumliche Denken!

Wie sieht’s denn mit den Kosten aus? Für das Studierendenbörserl ist das ja nicht ganz unerheblich…

Dass wir Geld für den Stammtisch verlangen müssen ist ein ziemlich unangenehmer Nebeneffekt. Die Kosten setzen sich aus der Raummiete, den Faltanleitungen, die wir an die Teilnehmer*innen austeilen, dem kleinen „Faltpaket“, welches die Teilnehmer*innen nach dem Treffen mitbekommen, dem verwendeten Arbeitsmaterial, wie auch aus den angebotenen Snacks und Getränken zusammen.

Also generell zahlt man als Erwachsene*r pro Stammtisch € 15,-, doch das kommt auch immer auf die Situation an. Wenn jemand z.B. arbeitlos oder Student*in ist oder aus einem anderen Grund ein finanzieller Engpass besteht, ist es immer möglich, vergünstigt mitzufalten. Dazu einfach eine Email (info@koenigami.com) an mich schreiben oder gleich direkt zum Stammtisch kommen und mit uns darüber sprechen. Unsere Intention ist es ja, den Menschen Origami näher zu bringen und nicht daraus Profit zu ziehen.

Und wenn man sich wirklich nicht sicher ist, ob man sich für Origami begeistern kann, ist es auch möglich, sich nur eine halbe Stunde zu der Gruppe zu setzen und das erste Modell mitzufalten. Dann kann man sich immer noch entscheiden, dazubleiben oder abzubrechen. (Aber bis jetzt ist es noch nie passiert, dass jemand frühzeitig gegangen ist *lacht*)

Welche Figur würdest du absoluten Anfänger*innen empfehlen, um Origami daheim auszuprobieren?

Definitiv Himmel-und-Hölle! Die Figur ist leicht zu falten und weist trotzdem eine tolle Geometrie auf – das finde ich faszinierend. Auch kennt man es oft noch aus der Grundschulzeit, was das Ganze noch erleichtern kann.

Sollte man irgendwelche Fähigkeiten für’s Origami-Falten mitbringen?

Nein. Interesse an der Thematik und der Wille Neues auszuprobieren und damit seine Angst vor dem Scheitern zu mindern sind die einzigen Dinge, die man dazu braucht!

Wenn euch nun das Falt-Fieber auch gepackt hat und ihr die Infos zu „Koenigami“ noch mal nachlesen wollt, dann werft doch mal einen Blick auf deren Homepage. Oder bestellt gleich online Faltpapier und sucht nach Anfänger-Tutorials auf Youtube. Viel Spaß!

Eure Teresa!

Teresa
Teresa ist die geborene Pendlerin – lernen, essen, schlafen – das Leben im Zug ist für sie kein Problem, weil sie die schönen Ausblicke in die Landschaft in vollen Zügen und zu jeder Jahreszeit genießt. Wenn sie nicht gerade ihre Nase in alte Bücher steckt, kommt ihre innere Straßenkünstlerin zum Vorschein, da in der Ball-Jonglage ihre Leidenschaft liegt.

 

Photo-Credits:
Titelbild: Photo by Katrin Hauf via Unsplash
Bild Herz: Photo by Mitchell Luo via Unsplash
Bild Baum: JR Korpa via Unsplash

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