Coaching Ausbildung

Vorträge von internationalen Coaching Forscher*innen und Praktiker*innen, Kooperationen mit spannenden Partner*innen wie XING Coaches + Trainer und jede Menge Herz: Die Coaching Ausbildung und Coaching Forschung an der Universität Salzburg kann sich sehen lassen. Dr. Sandra Julia Schiemann (Senior Lecturer & Senior Scientist) und Anna Moser (Doktorandin) haben uns hinter die Kulissen der Coaching Ausbildung blicken lassen, erklären warum Forschung im Bereich Coaching so wichtig ist und verraten warum jede*r mal in den Bereich reinschnuppern sollte!

Wir treffen uns mit Sandra und Anna zum Interview an der Naturwissenschaftlichen Fakultät. Genau wie wir freuen sich die beiden schon auf das gemeinsame Gespräch rund um die Coaching Ausbildung und Coachingforschung. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde starten wir schon gleich mit unseren Fragen.

Coaching hat an der Universität Salzburg eine mittlerweile 10-jährige Geschichte. Damit ein solcher Erfolg gewährleistet ist, braucht es ein fachkundiges Lehr- und Forschungspersonal. Wer steckt nun also hinter der Ausbildung Coaching?

„Geleitet wird die Coaching Ausbildung an der Universität Salzburg durch die externe Lehrbeauftragte Dipl. Isabell Braumandl, in Kooperation mit den Abteilungen Sozial- und Wirtschaftspsychologie. Beide Abteilungen forschen und lehren im Bereich Coaching. Es gibt aber mehr als nur die Coaching Ausbildung. Denn zum Thema Coaching sind bereits Bachelorarbeiten, Forschungs- und Praxisvertiefungen entstanden. Auch Doktorarbeiten im Bereich Coaching gibt es schon: Dr. Andreas Böhm und ich haben zum Beispiel unsere Doktorarbeit über Coaching und Training verfasst und Anna Moser, Nicklas Kinder und Georg Zerle schreiben aktuell an ihrer Doktorarbeit im Bereich Coaching, Training und Mentoring. Ins Leben gerufen hat das alles übrigens unsere Abteilungsleitung, Univ.-Prof. Eva Jonas, eben gemeinsam mit Isabell Braumandl.“

Wie viele Teammitglieder seid ihr aktuell?

„Bei uns in der Sozialpsychologie gibt es neben anderen Teams ein sogenanntes ‚Transferteam‘, das zum Bereich Coaching, Mentoring und Training sowie anderen Beratungsformaten forscht. Dabei analysieren wir, wie sich die Beratungsformate voneinander unterscheiden und wie welche Beratungstechniken auf Klient*innen im Prozess wirken. Das Team besteht aus der Abteilungsleitung, mehreren Postdocs und Doktorand*innen sowie Personen aus der Praxis. Zudem haben wir mehrere Kooperationen, zum Beispiel mit XING Coaches + Trainer oder anderen Forschungsinstituten. Gemeinsam mit XING Coaches + Trainer haben wir neben Befragungen von Coaches und Personaler auch die Top Business Coaches 2019 im deutschsprachigen Raum ermittelt – ein ganz spannendes Projekt mit über 1.000 Prozessbewertungen. Dazu wird übrigens auch noch ein Artikel im Coaching Magazin erscheinen.“

Was kann man unter dem Begriff „Transferteam“ verstehen? Und welche Aufgaben hat es?

„Basierend auf Eva Jonas‘ Hauptmodell, dem Loop-2-Loop Modell, wollen wir verstehen, wie soziale Interaktionen funktionieren. Neben der reinen Grundlagenforschung (z.B.: Wie wirkt sich das Verhalten X einer Person A auf eine Person B aus?), schauen wir als Transferteam uns diese Frage in der Praxis an (z.B.: Wie wirkt sich das Verhalten X des Coaches auf die Klientin bzw. den Klienten aus bzw. umgekehrt?) – gehen also in den Transfer, um herauszufinden wie Beratungsinteraktionen am besten funktionieren. Kurz gesagt: Das Transferteam transferiert die Grundlagen in die Praxis.“

Coaching Interview

Wir sind jetzt schon sehr tief in die Materie eingedrungen. Könnt ihr noch mal definieren was Coaching denn nun eigentlich bedeutet?

„Hier möchte ich auf Iris‘ Blogbeitrag zur Coaching Ausbildung aus Studierendensicht verweisen, denn sie beschreibt sehr schön, wie wir Coaching verstehen. Der Begriff Coaching ist ja leider bisher nicht fest definiert – das heißt, es gibt verschiedenste Versuche den Begriff zu beschreiben. Diese Definitionen gehen meist in die Richtung, dass es beim Coaching darum geht, eigene selbstgewählte Ziele selbstbestimmt zu verfolgen. Hier unterscheidet sich Coaching ganz klar von Training, wo es darum geht bestimmte Kompetenzen zu erlernen. Um noch klarer zu wissen was Coaching ausmacht, haben wir mithilfe der Grundbedürfnisse versucht herauszufinden, welche Bedürfnisse Coaching-Klient*innen im Vergleich zu beispielsweise Trainings-Klient*innen haben. Festgestellt haben wir, dass es bei Coaching-Klient*innen vor allem das Bedürfnis nach Autonomie gibt – also nach Selbstbestimmung und Selbstkongruenz.“

Wie ist die Coaching Ausbildung an der Uni Salzburg aufgestellt?

„Eine erste Möglichkeit ist der Master ‚Schwerpunkt soziale Interaktion‘, hierzu sollte man als Voraussetzung einen Bachelor in Psychologie in der Tasche haben. Jede*r der diesen Master-Schwerpunkt belegt, absolviert automatisch die Coaching Grundausbildung, als ganz normalen Part vom Studium. Zudem kann man als Psychologiestudent*in eine empirische Arbeit, Bachelorarbeit, oder Masterarbeit zum Thema Coaching verfassen. Eine weitere Möglichkeit ist der Universitätslehrgang ‚Supervision, Coaching und Mediation‘. Dieser ULG ist ideal für Personen die schon Praxis-Erfahrung gesammelt haben und ihr Wissen vertiefen möchten.

Mein Tipp: Als erste Schnuppermöglichkeit ist es ideal mal bei uns im Transferteam freiwillig mitzuarbeiten. Ebenfalls interessant als Schnuppermöglichkeit ist, dass wir ein Coaching für Studierende ins Leben gerufen haben. In drei Sitzungen werden individuelle, studienbezogene Themen wie Selbstmanagement und Unterstützung bei Entscheidungen behandelt. Hier begleiten wir Studierende auf ihrem Weg durchs Studium und stehen ihnen helfend zur Seite (bei Interesse gerne eine Mail an anna.moser@sbg.ac.at).“

Was sind die Haupt-Benefits für Studierende, die sie aus der Coaching Ausbildung mitnehmen können?

„Zum einen die eigene Reflexion, das Nachdenken über sich selbst. Denn man schlüpft ja immer wieder in die Rolle der Klient*innen und erlangt so einen Blick von außen auf das eigene Handeln. Man lernt sehr viel über sich selbst, es kommen neue Wünsche und Ziele auf und die eigene Persönlichkeit entwickelt sich weiter. Zudem lernt man neue Gesprächstechniken, die man später gut nützen kann – egal in welchem sozialen Miteinander.“

Es gibt ziemlich viel Kontext hinter dem Begriff „Coaching“, jede*r kann sich Coach nennen. Wie wichtig ist in euren Augen eine fundierte Ausbildung?

„Zur Wichtigkeit einer fundierten Ausbildung haben wir bereits geforscht und sind gerade dabei diese zu publizieren. Gemeinsam mit Prof. Jonathan Passmore und Prof. Siegfried Greif, zwei bekannten Coaching Forschern, haben wir über 700 Personalentwickler*innen und über 2000 Coaches zu Qualität und Qualitätsüberprüfung im Coaching gefragt. Das deutliche Ergebnis: Je fundierter die Coaching Ausbildung, desto mehr Qualität hat das Coaching. Darüber hinaus arbeiten ausgebildete Coaches reflektierter, erkennen die eigenen ‚blinden Flecken‘ und Problemstellen besser und evaluieren ihre Prozesse eher.

Warum sollte sich jemand, der sich für den Bereich Coaching interessiert, für die Ausbildung an der Uni Salzburg entscheiden?

„Wir bieten eine sehr fundierte Basis und einen sehr integrativen Ansatz an. Sprich, wir bringen die unterschiedlichsten Ansätze mit hinein – damit ist die ideale Basis für weitere Spezialisierungen geschaffen. Zudem haben wir die Nähe zur Wissenschaft und forschen sehr viel. Auch Coaching-Forscher*innen und -Praktiker*innen sind immer wieder bei uns für Vorträge, Expert*innenrunden oder Forschungstreffen.“

Coaching Situation

Was sind relevante Forschungsprojekte?

„Wir haben bereits viel auf Basis von unterschiedlichsten psychologischen Theorien geforscht. Beispielsweise, welche Grundbedürfnisse und Motivationen der Klient*innen den Prozess wie beeinflussen. Eine Frage wäre hier, ob sicherheitsorientierte Personen ein anderes Coaching als risikofreudige Personen brauchen. Gemeinsam mit verschiedensten Kooperationspartner*innen arbeiten wir an diesen Fragen. So schauen wir uns zum Beispiel mit Peter Behrendt an, ob Therapie-Erfolgsfaktoren aufs Coaching übertragbar sind oder analysieren mit Prof. Siegfried Greif, was die wirklichen Erfolgsfaktoren im Coaching sind. Aktuell forsche ich (Sandra) gemeinsam mit Prof. Dieter Frey und Eva Jonas beispielsweise gerade dazu, was ist, wenn der Klient schwierig ist und wie das den Coaching-Prozess beeinflusst. Wir werden zukünftig auch in die Digitalisierung einsteigen. Unsere Projekte werden durch digitale Elemente erweitert und damit an die aktuelle Nachfrage angepasst.“

Sehr viel läuft im Bereich der Psychologie ab. Wie stark ist der Bezug zur Wirtschaft? Gibt es Kooperationspartner*innen?

„Ja, gibt es. Vor allem unsere 10-Jahres-Feier der Coaching Ausbildung im Jahr 2019 war ein Event mit Verknüpfung von Wirtschaft und Wissenschaft. Zudem gibt es während der Coaching Ausbildung verschiedene Expert*innenrunden mit Alumni, Expert*innen aus der Wirtschaft oder anderen spannenden Gesprächspartner*innen. Für Coaching Praxisprodukte (praxisorientierte Vertiefung im Master) gibt es ebenso Expert*innen, die wissen wie man ein Tool auf den Markt bringt, wie das Career Center, Start-Up Salzburg, oder Coaching-Expert*innen. Spannend sind bestimmt auch Coaching-Konferenzen wie die in Olten oder in Erding – hierzu kommen auch viele Praktiker*innen, nicht nur Wissenschaftler*innen.“

Und wie ist das Feedback der Studierenden?

„Am besten hier die Studierenden befragen; aber die Coaching Ausbildung wirkt sehr beliebt und macht nach der Rückmeldung, die ich erfahren habe den meisten sehr viel Spaß. Viele schreiben dann zum Beispiel gleich noch eine Masterarbeit in dem Bereich oder unterstützen gerne bei Coachings im Rahmen von Masterarbeiten anderer. Im Jahr 2015/16 ging übrigens der Excellence in Teaching Award an die Coaching Ausbildung, das ist schon sehr bedeutend.“

Wo seht ihr die Zukunft im Bereich Coaching?

„Die Coaching Ausbildung läuft natürlich weiter und auch in Zukunft wollen wir noch mehr die sozialen Interaktionsprozesse im Coaching erforschen. Ein weiteres Ziel ist es, noch mehr die Studierenden mit Coaching zu unterstützen und Coaching mit digitalen Elementen Studierenden niederschwelliger anbieten zu können.“

Auf was möchtet ihr noch hinweisen – für Studierende, die sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben? Habt ihr noch einen Tipp zum Schluss?

Kommt einfach vorbei und probiert es aus! Nehmt euch Zeit für drei Sitzungen, also insgesamt sechs Stunden, und lernt Coaching ganz unverbindlich mal kennen. Coaching kann eine wunderschöne Erfahrung sein und ist von außen gar nicht so gut beschreibbar. Jede*r Studierende der Uni Salzburg kann das Angebot in Anspruch nehmen und es ist in diesem Rahmen kostenlos, solange hierzu Forschung mitläuft. Ehemalige Klient*innen berichten sehr positiv: Ihnen fällt durch die Coaching-Erfahrung das Studium leichter und sie finden die Knackpunkte, realisieren was die Probleme sind oder waren.“

Euer commUNIty-Redaktionsteam

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