Ein Porträtfoto von Manuel Gruber.

Wohl jede*r Student*in an der Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät kennt ihn und so manche*r von euch wird bei Fragen regelmäßig an ihn verwiesen. Trifft man ihn mal nicht an der Uni, dann bestimmt beim nächsten Pub-Crawl. Um wen es geht? Manuel Gruber studiert Kommunikations– und Politikwissenschaft und ist bei der Studienvertretung (StV) Kommunikationswissenschaft und Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) tätig. Er ist zudem Studienassistent am Fachbereich Kommunikationswissenschaft. Bei all seinen Aufgaben hat der 23-Jährige immer ein offenes Ohr für Anliegen von Studierenden. Im Interview erzählt er über seinen vollen Terminkalender, gibt Tipps an angehende Journalist*innen und verrät uns, dass es auch bei ihm manchmal Tage gibt, an denen er am liebsten nicht das Haus verlassen möchte.

Ich treffe mich mit Manuel Gruber vor seinem Büro in der Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät. Bevor es aber losgeht, muss er erst noch die Frage einer Studentin beantworten, die bereits vor verschlossener Tür auf ihn wartet. Und auch während des Interviews läutet sein Telefon, weil jemand etwas wissen möchte. So muss wohl ziemlich jeder Tag für den engagierten Studenten ablaufen. Wie sein Studi-Alltag wirklich aussieht, verrät er mir im Interview.

Gleich zu Beginn, Hand auf‘s Herz: Werden dir die Anliegen und Fragen von Studierenden manchmal zu viel? Gibt’s Tage, wo du weniger Lust darauf hast?

Manuel Gruber: „Von diesen Tagen gibt es wenige, muss ich sagen. Natürlich hat man manchmal einen schlechten Tag, an dem man sich denkt ‚nein, eigentlich zahd es mich heute nicht aus dem Haus zu gehen‘. Das passiert mir natürlich auch, aber man bekommt einfach so viel zurück, wenn ich  Studierenden weiterhelfen kann. Mir gibt das dann wieder viel Energie und so macht man weiter und weiter… Natürlich gibt es diese Tage, aber grundsätzlich ist es schon eine sehr bereichernde Tätigkeit. Ich würde echt etwas vermissen in meinem Leben, wenn ich diese Dinge nicht mehr tun könnte. Wenn das von heute auf morgen vorbei wäre, weil ich es aus irgendeinem Grund aufgeben müsste, wäre das schlimm.“

Was studierst du?

„Ich studiere Kommunikationswissenschaft (KoWi) im dritten Master-Semester und Politikwissenschaft (PoWi) im siebten Bachelor-Semester. Dadurch, dass ich Studienassistent bin und in der StV und ÖH tätig bin, muss man einem Studiengang mehr Gewicht geben. KoWi ist zwar mein Hauptfach, aber ich würde deswegen nicht sagen, dass ich für PoWi weniger Interesse habe.“

Ergänzen sich die Inhalte dieser beiden Studiengänge?

„Ja. Also gerade was die politische Kommunikation angeht, sowohl in KoWi also auch in PoWi, sind Überschneidungen da. Dementsprechend ist es eine sehr sinnvolle Kombination von zwei Studien. In PoWi hast du mehr den politischen Kontext und gerade in der Politik ist Kommunikation ein sehr essentielles Mittel. Diese beiden Perspektiven zusammenzubringen, finde ich sehr sinnvoll. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich versuche bei Seminararbeiten in PoWi oft einen kommunikationswissenschaftlichen Aspekt hineinzubringen. Dasselbe ist auch in KoWi der Fall, dass ich immer wieder versuche, einen politischen Aspekt hineinzubringen. Das finde ich immer sehr spannend und ich bin sehr froh, dass ich diese beiden Studiengänge gewählt habe.“

Warum hast du gerade diese beiden Studiengänge gewählt?

„Die ersten zwei Semester habe ich nur KoWi studiert. Der Hintergrund dieses Studiums war mir relativ früh klar. Bereits in der vierten Klasse des Gymnasiums habe ich begonnen, journalistisch tätig zu sein. Mit den Klassikern der journalistischen Textsorten, die man in der Schule lernt. Bei Aufgaben, wie Reportagen zu schreiben, habe ich schon immer sehr Aufwand betrieben. Zum Beispiel bei einer Reportage im Deutschunterricht über den Schafübertrieb bei mir daheim in Südtirol ins Ötztal, bei der ich sogar mit Leuten in Nordtirol Emailverkehr gehabt und telefoniert habe. Das hat mir Spaß gemacht und ich habe recherchiert, um schlussendlich daraus eine Geschichte machen zu können. Dann bin ich zur Bezirkszeitung gekommen und es hat sich so ergeben, dass ich immer mehr journalistisch aktiv geworden bin. Anfangs noch ehrenamtlich, ist es mir später angeboten worden, dass ich für die Beiträge Geld bekomme. Ich habe Praktika gemacht, usw. und bald ist es für mich klar gewesen, dass ich in die journalistische Richtung gehen will. Da bot sich Kommunikationswissenschaft an.

journalistische Tätigkeiten

Und bezüglich Politikwissenschaft: Das Interesse an politischen Prozessen war eigentlich schon lange da. So habe ich bereits in der Volksschule immer nach dem Mittagessen bei Oma die Zeitung gelesen, um mich über Politik zu informieren. Die politische Kommunikation und die Abläufe habe ich immer extrem spannend gefunden. Nach dem ersten Jahr hier in Salzburg, habe ich mir gedacht, irgendwie könnte ich schon noch etwas dazu machen. KoWi studieren nicht wenige Leute und wenn man später einmal in Richtung Journalismus gehen will, dann ist es gut, noch ein Zweitstudium zu wählen und sich etwa im Bereich Politik zu spezialisieren.“

Nach der Matura war seine Wahlheimat ganz klar Salzburg

Warum Salzburg? Was gefällt dir daran besonders?

„Für Salzburg habe ich mich entschieden, weil ich in Österreich studieren wollte. Nach Wien wollte ich nie wirklich. Es ist groß und weit weg und gerade nach der Matura, wo man ja doch immer noch zuhause wohnt, wollte ich anfangs nicht zu weit weg von zu Hause. Salzburg gibt einem die Möglichkeit, schneller nach Hause zu fahren. Die Stadt ist kleiner und man ist an der Uni nicht einfach irgendeine Nummer. Das war für mich damals schon wichtig. Sicherheit gab mir dann der Tag der offenen Tür an der Uni Salzburg. Zum einen war damals eine Kollegin da, die bereits in Salzburg studiert hat und zum anderen habe ich mich relativ schnell in die Stadt verliebt. Da wusste ich dann, dass das passt und ich das machen werde. An Salzburg gefällt mir die Kleinheit, die kleinen Gasserln, die Natur in der unmittelbaren Umgebung. Das ist einfach echt fein. Du kannst in der Masse sein, aber gleichzeitig kannst du dich auch zurückziehen und die Natur genießen. Das hat echt was.“

Wie viele Stunden in der Woche bist du an der Uni?

„Gute Frage (lacht). Dieses Semester mache ich in PoWi zwei Kurse mit jeweils sechs ECTS. Und in KoWI sind es aktuell 26 ECTS. Also schon einiges. Dann kommt das auch noch dazu, was ich neben meinem Studium mache – dafür bin ich auch oft an der Uni. Sagen wir so, zwischen Montag und Freitag gibt es keinen Tag, an dem ich nicht an der Uni bin. Das in Stunden auszudrücken, ist schwierig.“

Für was engagierst du dich neben deinem Studium?

„Aktuell bin ich in der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) in mehreren Positionen aktiv. Das ist zum einen die Studienvertretung (StV) der Kommunikationswissenschaft, wo ich seit meinem dritten Semester, also Wintersemester 2016/17 aktiv bin. Seitdem bin ich auch in der Chefredaktion des PUNKT. (Zeitung der StV Kommunikationswissenschaft). In der StV bin ich aktuell auch als stellvertretender Vorsitzender. Bei der laufenden ÖH-Periode bin ich zudem als Referent für Bildungspolitik sowie als Mandatar im Studierendenparlament auf Universitätsvertretungsebene aktiv. Daneben bin ich Vorsitzender der Außenstelle der Südtiroler HochschülerInnenschaft, die gewissermaßen die ÖH für Südtiroler Studierenden ist. Für diese  bin ich im Landesbeirat für das Recht auf Hochschulbildung in Südtirol und beschäftige mich dort mit Stipendien, Studienbeihilfen, oder generellen finanziellen Förderungen. Und dann wäre da noch die Studienassistenzstelle vom Studienbereichsleiter Boris Romahn am Fachbereich Kommunikationswissenschaft.“

Warst du schon immer so engagiert?

„Ich war nie Klassen- oder Schulsprecher. Ich kann mich aber erinnern, dass es mit dem 21.12.2012 angefangen hat. An diesem Tag sollte ja nach den Mayas die Welt untergehen. Aber ich wurde Mitglied bei uns daheim bei der Südtiroler Bauernjugend. Da hat es dann eigentlich mit dem ehrenamtlich aktiv sein angefangen. Ich war mit den jungen Leuten immer ziemlich viel unterwegs und war auf Bezirksebene sehr aktiv. Ich hatte nie eine gewählte Funktion, aber ich war immer mit den Leuten mit. Und so hat es angefangen. Im Herbst 2013 wurde bei uns daheim in der Gemeinde der Jugendrat neu gewählt und ich habe mich aufstellen lassen, bin dann auch gewählt worden. Da hatte ich die Aufgabe des Schriftführers. Ich bin in der Folge auch in der Bauernjugend aktiver geworden. Als ich nach Salzburg kam und das Studium losging, ist mein Engagement für die Studienvertretungsarbeit entfacht.“

Dein Berufswunsch ist also Journalist?

„Ja, nach wie vor ist es mein Wunsch beziehungsweise mein Traumjob. Ich bin auch noch immer journalistisch tätig. Durch die Uni ein bisschen weniger, weil ich auch weniger daheim bin, aber ich habe auch innerhalb des Studiums einige Praktika gemacht. Es würde mir auf jeden Fall gefallen, diesen Beruf auch später einmal machen zu können. Mittlerweile bin ich doch oft an der Uni und ich bekomme viel mit. Bei der Studienvertretungsarbeit lernt man über die Prozesse die dahinterstecken. Man ist wöchentlich in Kontakt mit den unterschiedlichsten Stellen, dem Rektor Lehnert, der Vizerektorin Hutter, dem Vizerektor Weichbold, usw. Ich finde diese Arbeit und den Ablauf ungemein spannend. Daher könnte ich mir vorstellen, auch später einmal an der Uni zu arbeiten.“

Zeitung

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

„Ich lasse es auf mich zukommen. Prinzipiell bin ich offen, was kommt und wohin es mich trägt. Ich bin ein neugieriger Mensch, auch wenn es auch bei mir manchmal Seminararbeiten gibt, die mir nicht so gefallen. Aber ich mag es Neues herauszufinden und ich finde es spannend zu forschen. Wenn ich Neues lernen kann, dann treibt mich das an und gerade im Journalismus, aber auch im wissenschaftlichen Bereich, kann man ständig dazu lernen. Du kannst dich selbst laufend weiterentwickeln und vieles dazugewinnen und aufdecken.“

In Salzburg?

„Ob das Salzburg ist, lasse ich ebenfalls offen. Es kann sein, dass es bei mir daheim in Südtirol ist. Es kann aber auch ganz woanders sein. Wien wäre für mein Studium zwar nichts gewesen, aber für die Arbeit könnte ich es mir schon vorstellen. Ich bin offen für alles.“

Die perfekt gewählten Studiengänge KoWi und PoWi

Inwiefern hilft dir dein Studium, um dir deinen Berufswunsch erfüllen zu können?

„Grundsätzlich muss ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war, die zwei Studiengänge gewählt zu haben. Wenn mich jemand fragt, ob ich nach dem Studium ein Journalist bin, muss ich ganz klar nein sagen. Wenn man KoWi fertig studiert, dann ist das nicht das Ende und da hat man dann auch keinen Abschluss. Aber man bekommt das Werkzeug mit, das einem in der journalistischen Laufbahn hilft. Wenn es auch oft nicht so scheint, glaube ich schon, dass gerade das wissenschaftliche Arbeiten, das Nachhaken und kritisch zu sein im journalistischen Bereich sehr hilfreich ist. Das PoWi-Studium hilft, politische Strukturen zu erkennen und zu verstehen. Das ist sehr wichtig, um es später – wenn man im Journalismus tätig ist – entsprechend einzubringen.“

Hast du Tipps für angehende Journalistinnen und Journalisten?

„Praxiserfahrungen zu sammeln, ist einfach unerlässlich. Bei Praktika kann ich auch frühzeitig klären, ob der Beruf etwas für mich ist. Weil das Lernen und Schreiben an der Uni ist etwas Anderes, als das, was man zum Beispiel in einer Redaktion macht. Deswegen: Praxiserfahrung sammeln ist schon sehr wichtig und das möchte ich auch jeden mit auf den Weg geben.“


Steckbrief

Geburtstag?

„14. Juni 1996“

Heimatort?

„Südtirol, genauer gesagt im Vinschgau.“

Traumberuf?

„Journalist.“

Wie lange lebst du schon in Salzburg?

„Seit Winter 2015.“

Deine Freund*innen beschreiben dich in drei Wörter. Welche sind das?

„Engagiert, hilfsbereit, neugierig.“


Du willst nun mehr über das Studium der Kommunikationswissenschaft erfahren? Dann klick dich hier mal rein. Außerdem haben wir hier einen spannenden Artikel über einen weiteren KoWi-Studenten, der ebenfalls neben seinem Studium politisch sehr erfolgreich unterwegs ist.

Eure Marlene

Marlene

Offen, neugierig und leiwand: Marlene musste raus aus dem kleinen Dorf in Oberösterreich. Jetzt studiert sie Kommunikationswissenschaft in Salzburg und fühlt sich hier richtig zu Hause.

 

 

 

Photo-Credits:
Bild von Pedro Araújo auf Unsplash
Bild von moritz320 auf Pixabay

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