Wer glaubt, dass Absolvent*innen des Studiums Recht und Wirtschaft nur in Wirtschaftsbetrieben oder juristischen Arbeitsfeldern zu finden sind, irrt gewaltig. Wie Leonie Stoiber eindrucksvoll beweist, muss man manchmal über den Tellerrand hinausblicken, um sich selbst verwirklichen zu können. Sie taucht nämlich in andere Lebenswelten ein, nämlich in die Welt des Operngesangs, um ihre Bestimmung zu finden. Genauso wie es Der kleine Prinz macht.

Noch während Leonie Stoiber an der Universität Salzburg an ihrem Bachelor in Recht und Wirtschaft arbeitete, wurde sie am Mozarteum für das Bachelorstudium Konzertfach Gesang aufgenommen. Damit hatte sie es allen, die ihr gesagt hatten, sie hätte sich viel zu spät für ihre Gesangskarriere eingesetzt, gezeigt. Ihre große Begabung und ihre Passion für den Operngesang haben sie für diesen Weg prädestiniert. Ich habe mich für ein Interview mit der außergewöhnlichen jungen Frau getroffen. Damit habe ich einen kleinen Einblick in das aufregende Leben der gebürtigen Salzburgerin erhalten.

Zwischen Sternen und Sternchen

Manchmal könnte das Leben ein bisschen mehr Sternenstaub vertragen und den kann man geradezu sehen, wenn Leonie zu singen beginnt. Das erkannte auch die Jury des Zarskoje Selo Wettbewerbs 2017, an dem die passionierte Sängerin 2017 im Rahmen ihres Auslandssemesters in St. Petersburg/Russland teilnahm. Dass sie sich als Gewinnerin des Preises rühmen darf, kann die 25-Jährige noch heute kaum glauben, denn die Teilnahme am Wettbewerb war mit zahlreichen Hürden verbunden.

Sie erinnert sich mit ansteigendem Puls an die Pianistin Olga, die sie eine halbe Stunde vor der Performance zur Probe abholen sollte. Olga ließ die nervöse Leonie aber bis fünf Minuten vor ihrem großen Auftritt warten. Schließlich gewährte die Jury den beiden fünf Minuten, um sich abzusprechen, was aufgrund der Sprachbarriere nicht ganz unproblematisch war. Hinzu kam Leonies große Nervosität aufgrund einer Kadenz, die sie zu meistern hatte. Diese konnte sie bei ihrer Gesangsprofessorin gerade einmal in der Hälfte der Proben zu derer Zufriedenheit von sich geben.

Leonie erwartete nichts mehr von ihrem Auftritt und sie setzte sich zum Ziel „Ich geh da jetzt raus und mach einfach schöne Musik“. Der Moment der gefürchteten Kadenz war gekommen. „In dem Moment, in dem ich funktionieren musste, hat es einfach funktioniert“, erzählt sie mit einem Strahlen im Gesicht. Trotzdem rechnete sie absolut nicht damit, dass sie abends über das Telefon zu ihrem Sieg beglückwünscht wurde.

Wie auf einem anderen Stern

Wie darf man sich ihren Aufenthalt in Russland vorstellen? Stolz erzählt Leonie, dass sie die großartige Möglichkeit bekam ein Semester am Rimskiy-Korsakov Konservatorium St. Petersburg zu studieren. Das ist übrigens dieselbe Universität, an der auch Anna Netrebko ihren Abschluss machte.

Unter Lachanfällen berichtet mir Leonie von ihrer Mitbewohnerin, die sie um vier Uhr morgens am Tag des Wettbewerbs aus dem Schlaf gerissen hatte, weil sie ein Stück am Klavier spielen wollte. „Hey Sabatschki, ich will jetzt Schnittke hören,“ rief ihr die Mitbewohnerin zu. Wenn wir einmal davon absehen, dass Sabatschki mit unserem „Oida“ zu vergleichen ist: Wer hätte dieser Bitte um vier Uhr morgens gut gelaunt zugestimmt?

Generell war die gesamte Wohnsituation nicht mit den Bedingungen hier zu vergleichen. Die meisten Zimmer waren Mehrbettzimmer mit Bad und Küche am Gang, die man sich mit den Bewohner*innen des Stockwerks teilte. Privatsphäre: Fehlanzeige.

Le petit prince

Dass Leonie die große Ehre zu Teil wurde, die Hauptrolle in der Oper Der kleine Prinz singen zu dürfen, muss für eine Studentin ganz außergewöhnlich sein.

Doch ihr Erfolg spricht für sich und so sind im kommenden Jahr bereits Aufführungen der Oper in Aix en Provence, sowie Auftritte in Ulm geplant. Obwohl die junge Salzburgerin ihre Reisen durchwegs genieße und sowohl persönlich als auch auf beruflicher Ebene davon profitiere, komme sie immer wieder gerne nach Hause zurück. So sehr sie sich auch auf ihre Zukunft als ausgebildete Sängerin freue, so fühle sie sich doch als Studentin am Mozarteum irrsinnig wohl. „Konkurrenzkampf“, so sagt sie, „gibt es bei uns nicht. Wir freuen uns alle über den Erfolg der Kolleg*innen und wenn jemand eine tolle Rolle bekommt, denke ich mir immer ‚Wow, cool – das ist jemand aus meinem Jahrgang‘.“ Schließlich könne man ja nie wissen, wer von den Kolleg*innen später groß rauskommen wird.

Plane deine Reise gut

Im Vergleich zum kleinen Prinzen aus Exupérys Erzählung weiß Leonie, wie wichtig es ist, immer einen klaren Plan vor Augen zu haben. Ihr Tipp für ein erfolgreiches Studium ist ein klares Ziel und ein strukturierter Plan, wie man dieses erreichen kann. Nach allem was sie erlebt hat, kann sie aber aus Erfahrung sagen, dass man sich diese Pläne nur selber stecken kann. Nur weil dir jemand sagt, etwas sei nicht möglich oder schlicht nicht gut durchdacht, dürfe man sich nicht von seinem Weg abbringen lassen. Um es mit Exupérys Worten zu sagen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“

Leonie hat sich ihrer Leidenschaft zugewandt, obwohl alle sagten, sie hätte den richtigen Zeitpunkt verpasst und nebenbei bemerkt ist die Kunst nicht gerade die sicherste Einkommensquelle. Die passionierte kleine Prinzessin von Salzburg aber weiß: „Normalität ist wie eine gepflasterte Straße: Man kann gut auf ihr gehen, aber Blumen wachsen darauf keine.“ Welche Bedeutung Blumen haben können, wissen wir seit Exupéry, denn: „Wenn jemand eine Blume liebt, die es nur ein einziges Mal gibt auf all den Millionen und Millionen Sternen, dann macht es ihn glücklich, nur wenn er sie ansieht.“

P.S. Erfolgreich studieren und nebenbei leidenschaftlich einer Tätigkeit nachgehen – das macht nicht nur Leonie Stoiber, sondern auch viele andere Studierende. Einer davon ist Marvin Bergauer. Wie er Studium und seine Politik-Karriere unter einen Hut bekommt, lest ihr im Interview KoWi-Student legt erfolgreiche Politik-Karriere hin.

 

Eure Julia

Julia

Julia ist eine echte Philologin. Die Welt der Wörter und Sprachen ist für sie fast ebenso Heimat wie das Salzkammergut, das die Naturliebhaberin mit seinen Seen und Bergen immer wieder sprachlos macht. Salzburg Stadt hat aber auch so seine Vorzüge.

 

 

 

 

 

 

 

 

Photo-Credit: David Schnägelberger

 

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