Kerzen zum Chanukka-Fest

Ja, wir Österreicher*innen lieben es wohl, zu Weihnachten Kerzen anzuzünden. Egal ob Adventskerzen oder elektrische Lichter, die unsere Haustüren oder Christbäume schmücken. Lichter haben etwas Beruhigendes und Ästhetisches an sich – besonders zu dieser Jahreszeit. Doch nicht nur Menschen christlichen Glaubens zünden Kerzen zu Weihnachten an – auch bei Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft gibt es diesen Kerzen-Brauch: das Chanukka-Fest.

Zum achttägigen jüdischen Fest Chanukka werden ab dem 25. Kislew Kerzen angezündet. Jeden Abend eine Kerze mehr, bis acht Tage vergangen sind. Dieses Datum fällt jedes Jahr auf einen neuen Tag, da sich der jüdische Kalender nach dem Mond orientiert. Heuer begann Chanukka am 22. Dezember und dauert bis 30. Dezember. Alles über den Ursprung dieses Festes, das Weihnukka-Fest, sowie über das Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte in Salzburg lest ihr nachfolgend.

Der Ursprung des Chanukka-Festes

Ursprünglich bedeutet das hebräische Wort Chanukka „Einweihung“ und geht auf die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem nach dem Aufstand der Makkabäer im zweiten Jahrhundert vor Christus zurück. In dieser Zeit herrschte die Dynastie der Seleukiden in Palästina und deren Herrscher schränkte die Ausübung der jüdischen Religion massiv ein. Der Herrscher Antiochus IV zwang die jüdischen Menschen zum Götzendienst. Jedoch erhoben sich die Unterdrückten gegen Antiochus und nach ein paar Jahren Aufstand eroberten sie den Tempel zurück. Dann passierte das Chanukka-Wunder: Der Legende nach fanden die Mitglieder im Tempel nur noch einen einzigen Krug voll mit reinem Öl, der aber ausreichte, um die Lichter des siebenarmigen Leuchters acht Tage und Nächte lang brennen zu lassen. Aus diesem Grund dauert das Chanukka-Fest acht Tage.

Wie feiern Menschen jüdischen Glaubens Chanukka?

Chanukka wird auch manchmal das „jüdische Lichterfest“ genannt. Zur Erinnerung an den Sieg um den Tempel und die Wiedereinweihung entzünden Menschen jüdischen Glaubens am Chanukkaleuchter jeden Abend eine neue Kerze. Zum Essen gibt es in Öl gebackene Speisen wie zum Beispiel Latkes, eine Art Kartoffelpuffer. Gemeinsam mit der Familie spielt man ein Kreisel-Spiel, genannt Drejdl und die Kinder bekommen Chanukkageld, das an den Tempelschatz erinnert.

Das Weihnukka-Fest

Wie das Wort Weihnukka schon andeutet, geht es um eine Mischung oder Verbindung aus dem christlichen Weihnachtsfest und dem jüdischen Fest Chanukka. Der Versuch, diese beiden Feste zu verbinden, hat wohl seinen Ursprung bereits im 19. Jahrhundert. Damals gab es bereits jüdische Familien, die zuhause einen Tannenbaum aufstellten. So auch Theodor Herzl – einer der Gründerväter des Zionismus – der wohl den Salzburger*innen durch seine Gedenktafel am Residenzplatz bekannt sein sollte.

Davidsstern

Natürlich verbinden die beiden Feste die zeitliche Nähe sowie die bereits genannte Lichtersymbolik. Mehr und mehr gleichen sich jüdische Mitglieder während des Chanukkafestes den christlichen Traditionen an und so kam es ironischerweise zum Wort Weihnukka. Anstatt vom Christkind oder Weihnachtsmann bekommen sie ihre Geschenke vom Chanukka-Männchen oder vom Hanukkah-Harry aus den USA.

Auch in Salzburg wird das Weihnukkafest gefeiert

Auch hier in Salzburg findet sich dieses Fest. Alljährlich veranstaltet das Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte das Weihnukkafest vor den Weihnachtsferien. Heuer wurde eine musikalisch-informative Präsentation über die Entstehung des Liedes „White Christmas“ aufgeführt. Dargeboten von Regina Hopfgartner – meiner Jiddisch-Lehrerin – und Michael Gassner. Der Autor des weltbekannten Weihnachtsliedes ist der amerikanisch-jüdische Komponist Irving Berlin, der zwischen 1888 und 1989 lebte. Seine Eltern mussten im Jahre 1891 infolge der Pogrome im russischen Reich in die USA fliehen. Auch wurde eine jiddische Version des Liedes gemeinsam gesungen. Die Übersetzung stammt vom kanadischen Jiddisch-Spezialisten Michael Wex.

Außerdem ist es auf den Weihnukka-Feiern des Zentrums zur Tradition geworden, dass Professor Armin Eidherr vom Fachbereich Germanistik eine Kurzgeschichte eines jiddischen Autors vorträgt – dieses Jahr eine von Isaac Bashevis Singer.

Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte und Masterstudium in Salzburg

Das Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte gibt es bereits seit 2004. Das Anliegen kam von Gerhard Langer, ein Salzburger Theologe und Judaist. Er wollte das Wissen über jüdische Geschichte, Kultur und Religion stärker in der universitären Forschung und Lehre verbreiten. Dieser Vorschlag wurde begeistert vom damaligen Rektorat angenommen und bekam die benötigte Unterstützung.

Außerdem gibt es seit 2010 das Masterstudium für Jüdische Kulturgeschichte. Dieser Masterlehrgang bietet einen strukturierten Überblick über jüdische Geschichte, Kultur, Religion sowie vielfältige Möglichkeiten zur Spezialisierung.

Das Zentrum befindet sich in der Alten Residenz. Das Ziel ist die Vertretung der jüdischen Geschichte, Kultur und Religion in der Forschung und Lehre. Leider sind diese Gebiete in der europäischen Geisteswissenschaft nicht besonders stark vertreten, jedoch sehr relevant. Bedenkt man, dass die jüdische Religion und deren Leben vor knapp 80 Jahren noch ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung und Kultur ausgemacht hat.

Mit dem Masterstudium wird ein anspruchsvolles, vielseitiges und interdisziplinäres Studium angeboten. Doch nicht nur das Wissen darüber, auch der Spracherwerb in modernem Hebräisch und Jiddisch gehören dazu. Wenn du nun Interesse hast, mehr über das Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte zu erfahren, dann klicke hier. Mir bleibt an dieser Stelle nur noch zu sagen: A frejlicher chanukke!

 

Eure Fabienne

Fabienne

Fabienne kommt zwar vom Land, doch im Herzen war sie schon immer eine echte “Stodtlarin“. Wenn sie gerade in kein Buch vertieft ist, schreibt sie entweder gerade etwas Neues auf ihrem Laptop oder sie spaziert durch Salzburg und genießt den Stadt-Flair!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Photo-Credit: Ri Butov auf Pixabay

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