Prokrastination Schild

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Oder vielleicht doch? Oder vielleicht sogar auf übermorgen? Besonders unter Studierenden ist Prokrastination weit verbreitet. Das 29735te Katzenvideo auf YouTube schauen, den Frühjahrsputz schon im Januar erledigen, oder auf der Toilette die Inhaltsstoffe vom Shampoo studieren – das sind wohl mitunter die Top Prokrastinations-Aktivitäten.

Nun stellt sich die Frage, was eigentlich in unseren Köpfen vor sich geht, wenn es um das besagte Phänomen des beinahe krankhaften Aufschiebens von diversen Aufgaben geht. Wann ist es nicht mehr nur gelegentliche Faulheit und Trödelei, sondern eben ein festgefahrenes Verhalten.

Was meint Prokrastination?

Googelt man „Prokrastinieren“ (was sich übrigens hervorragend anbietet, wenn man einfach nicht mit dem Schreiben eines Artikels über ‚Prokrastination‘ anfangen möchte), stößt man unter anderem auf folgende Definition:

Prokrastination ist die wissenschaftliche Bezeichnung für pathologisches Aufschiebeverhalten. Prokrastination ist eine ernstzunehmende Arbeitsstörung und kann sowohl private Alltagsaktivitäten als auch schulische, akademische und berufliche Tätigkeiten betreffen. Prokrastination hat jedoch nichts mit Faulheit zu tun und mit solchen Konzepten lässt es sich auch nicht verändern. Vielmehr handelt es sich dabei um ein ernsthaftes Problem der Selbststeuerung, für das es professionelle psychologische Hilfe gibt.“ (Quelle: WWU Münster; siehe Beitragsende)

Wichtig ist an dieser Stelle die Unterscheidung zwischen herkömmlichem Trödeln und Prokrastination. Während so gut wie jede*r von uns hin und wieder der ungefährlichen Trödelei verfällt, gibt es auch ein paar unter uns, die unter einem sehr ungesunden Hang zur Prokrastination leiden – Ich zum Beispiel. Was einen dazu treibt zu prokrastinieren? Einiges! So gelingt es vielen prinzipiell nicht, Prioritäten zu setzen. Viele orientieren sich auch an unrealistischen Zielen, was die Planung und Umsetzung von Lerneinheiten betrifft. Das korrekte Zeitmanagement ist ebenfalls eine Kunst, die Prokrastinierer*innen nur teilweise bis gar nicht beherrschen. Dies überschneidet sich dann natürlich mit ihrer Konzentrationsfähigkeit. Doch auch Angst vor dem bloßen Versagen und die dadurch mangelnde Bereitschaft, die persönliche Leistung voranzutreiben ist für etliche Prokrastinierer*innen eine Hürde.

Prokrastination vs. Nicht-Prokrastination

Hardcore-Prokrastinierer*innen leben ganz nach dem Motto „Morgen ist auch noch ein Tag“, bis morgen eben kein Tag mehr ist. Die Folge ist dann meistens die klassische Methode der Nachtschicht. Für die oder den hartgesottenen Prokrastinierer*in nicht wirklich eine ungewohnte Situation. Anders sieht es allerdings bei durchschnittlichen Nicht-Prokrastinierer*innen aus. Diese bekommen bereits beim bloßen Gedanken an eine solche Situation feuchte Hände und eine erhöhte Herzfrequenz. Bei den Worten „Ich hab‘ noch nicht mal angefangen“ (zwei Tage vor Tag X) würden viele Student*innen dann sogar in leichte bis mittelstarke Angstzustände verfallen.

Prokrastination Legofigur verzweifelt am Arbeitsplatz

Also was genau ist es, das die Prokrastinierer*innen von den Nicht-Prokrastinierer*innen unterscheidet? Was beide Parteien verbindet, ist, dass beide theoretisch dazu in der Lage sind, rationale Entscheidungen zu treffen. Der Unterschied: Nicht-Prokrastinierer*innen treffen die rationale Entscheidung rechtzeitig mit dem Lernen, Schreiben etc. anzufangen. Täten sie das nämlich nicht, müssten sie viiiiiel Arbeit in extrem kurzer Zeit erledigen. Ein Dilemma, das sie unbedingt vermeiden möchten. Bei Prokrastinierer*innen ist das anders. Für sie gibt es nämlich noch einen zweiten, wichtigeren Part neben der eben erwähnten rationalen Gedankenfolge.

Was wollen Prokrastinierer*innen wirklich?

Die sofortige Befriedigung, die wir in kurzweiligen Aktivitäten mehr als in langfristig geplanten Zielen finden. Danach strebt der klassische Prokrastinierer und die klassische Prokrastiniererin nämlich hauptsächlich. Dieser Part ist dafür verantwortlich, dass im Hier und Jetzt gelebt wird. Die vorangegangenen Niederlagen oder die zukünftigen Konsequenzen (wegen ständigem Aufschieben) werden nicht beachtet. Natürlich wissen wir, dass wir eigentlich wichtigeres zu tun hätten. Hinzu kommt, dass Prokrastinierer*innen das, was sie der eigentlichen Aufgabe vorziehen, meist nicht einmal wirklich genießen können. Denn der Spaß ist nicht wirklich Spaß, da er von Zukunftsängsten, schlechtem Gewissen, sporadischen Mini-Panikattacken und anderen wahnsinnig unangenehmen Gefühlen begleitet wird. Immerhin wissen wir genau, dass wir weit Wichtigeres zu erledigen hätten. Das einzige, das uns dazu bringt die Aufgabe zu erledigen, ist eine Art Notbremse. Diese wird automatisch kurz vor dem Fälligkeitsdatum aktiviert und nennt sich Panik.

Aber mal ehrlich: Eigentlich schieben wir doch alle gern auf (wer schreibt schon gern eine 40-Seiten Seminararbeit über Statistik??). Nur können manche (Nicht-Prokrastinierer*innen) einfach besser mit Deadlines umgehen als andere (Prokrastinierer*innen). Liebe Nicht-Prokrastinierer*innen: So funktionieren wir also – die Prokrastinierer*innen. Und an alle Prokrastinierer*innen, die den Artikel doch gelesen haben (vielleicht, um nicht mit der Hausarbeit anfangen zu müssen, hm?): Fangt jetzt an! Obwohl – morgen wäre ja theoretisch auch noch Zeit… 😉

Übrigens: Prokrastination ist ja bekanntlich besonders in der Prüfungszeit beliebt. Das liegt auch daran, dass der bloße Gedanke an die Prüfung selbst liebend gerne mit einem weiteren Serienmarathon im Kopf nach hinten geschoben wird. Doch es geht auch anders! Denn mittels der richtigen Vorbereitung lässt sich der Hang zur Prokrastination ebenfalls Stück für Stück eindämmen. Dann bieten sich auch die Beiträge 5-Schritte-Anleitung zum Überleben der Klausurenwoche und Entspannt durch die Prüfungszeit! an.

Eure Tamara

Weil Tamara nicht so gut darin ist, sich selbst zu beschreiben, hat sie das in drei Worten einfach ihren Zwillingsbruder machen lassen: „Kreativ, klug und gute Köchin. Obwohl nein – ‚gute Köchin sind ja zwei Wörter. Dann streich ich ‚klug‘ wieder und entscheide mich nur für ‚gute Köchin‘.“ Außerdem ist Tamara laut eigener Aussage der tollpatschigste Mensch, den sie selbst kennt, lässt sich wahnsinnig ungern fotografieren, spart auf einen VW Bus, um noch mehr von der Welt sehen zu können und fragt sich jeden Tag aufs Neue, wieso wir nicht einfach alle ehrlich zueinander sein können.

 

 

 

Photo-Credits:
Titelbild: Photo by Pedro da Silva on Unsplash
Legobild: Bild von www_slon_pics auf Pixabay

Quelle (Definition Prokrastination): WWU Münster, Prokrastinations-Ambulanz (2019): Prokrastination. Online unter https://www.uni-muenster.de/Prokrastinationsambulanz/prokrastination.html (11.11.2019)

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