Auslandsstudium Salzburg Stadtkulisse bei Nacht

Hast du dich je gefragt, wie man sich als Student*in in einem völlig fremden Land so fühlt? Vielleicht hast du ja bereits selbst ein Auslandsstudium gemacht. Es sind in der Regel tausend neue Eindrücke, die auf einen einwirken – gepaart mit jeder Menge Aufregung und Unsicherheit. Und das egal, ob du in Schweden, den USA oder eben in Österreich bist.

Bei dem Begriff Auslandssemester denkt ihr wahrscheinlich an ein Studium in der Fremde. Zum Beispiel an Schottische Unis, die hinter überwucherten Mooren im Nebeldunst verschwinden. Oder euch kommen Bilder von Vorlesungen unter der spanischen Sonne in den Sinn. Womöglich fantasiert ihr sogar über verschneite Uniwege in Norwegen. Doch was, wenn das Ausland plötzlich „Österreich“ heißt – oder besser gesagt „Salzburg“?

Wenn Österreich zum Wahlort für das Auslandsstudium wird

Wahrscheinlich haben viele von euch, unabhängig der eigenen Studienrichtung, Freund*innen oder Bekannte, die nicht aus Österreich stammen. Ob per Zufall oder durch das Studium begünstigt, wie man sich kennengelernt hat, ist dabei egal. Kulturelle Vielfalt macht das Leben bunter. Mit der Zeit fallen dann auch anfängliche Hürden wie die der deutschen Sprache. Wir lachen und scherzen sogar zunehmend im Dialekt. Das geschieht jedoch nicht von heute auf morgen. Für Student*innen aus nicht-deutschsprachigen Ländern ist es eine große Aufgabe, sich sprachlich neu zu orientieren. Dies bezieht sich auch auf das bisher unbekannte Unisystem. Diese Tatsache scheint nur allzu oft unbemerkt.

Auslandsstudium Unipark Stiegenhaus

Bei diesem Gedanken stellt sich die Frage, inwiefern wir überhaupt in der Lage sind, uns vorzustellen, welchen Eindruck Personen anderer Nationalitäten von uns und Österreich (hier: Salzburg) bekommen?

Aus diesem Grund habe ich mich auf die Suche nach Studierenden gemacht, die Salzburg zu ihrem Studiendomizil erkoren haben. Im Unipark am Fachbereich Kunstgeschichte wurde ich dann auch schnell fündig und durfte zwei von meinen Mitstudentinnen interviewen. Was ihre ersten Eindrücke von Salzburg waren, welche Schwierigkeiten sie möglicherweise zu Beginn hatten oder was sie dazu verleitet hat, Kunstgeschichte zu studieren – dies alles und mehr erfahrt ihr in den beiden folgenden Interviews.

Interview 1: Iuliia K. (19) – „Ich fühle mich wie ein Fisch im Wasser.“

Ein pastellblauer Himmel, die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut und eine atemberaubende Aussicht auf die Festung Hohen Salzburg und das Stift Nonntal – bei dieser Atmosphäre durfte ich Iuliia eines schönen Nachmittags am Dach des Unipark-Gebäudes interviewen.

Auslandsstudium Iuliia Dachterasse Unipark

Woher kommst du ursprünglich und was studierst du in Salzburg?

Ursprünglich komme ich aus St. Petersburg, Russland. Ich studiere in Salzburg seit Oktober 2017 Kunstgeschichte.

St. Petersburg und Salzburg. Zwei Städte, die wohl gemerkt einige Kilometer voneinander entfernt sind. Wie bist du auf die Idee gekommen dein Auslandsstudium gerade in Salzburg zu machen?

Ich wollte im Ausland studieren, weil wir in St. Petersburg zwar ziemlich gute Unis haben, aber es für Kunstgeschichteabsolventen dort viel schwieriger ist Arbeit zu finden. Und mit einem russischen Diplom (das ist so ähnlich, wie hier die Matura) ist es noch komplizierter. Auch wird ein russischer Studienabschluss nicht überall in den restlichen Teilen Europas akzeptiert, weshalb es sogar besser wäre, gleich irgendwo dort zu studieren. Ein weiterer Grund ins Ausland zu gehen war, dass hier Kunsthistoriker besser bezahlt werden, als in Russland.

Zuerst habe ich Italien gewählt, doch dort ist es schwierig einen Platz an einer Uni zu bekommen. Zusätzlich muss man dafür in Russland auch viel mehr Leistungen erbringen, als es zum Beispiel für Österreich der Fall ist.

Anfangs habe ich über die Stadt Salzburg fast nichts gewusst. Nur, dass Mozart hier gelebt hatte und dass es in der Umgebung viele Berge gibt. Als ich ungefähr 14 Jahre alt war, besuchte ich mit meinen Eltern zum ersten Mal Österreich. Wir reisten nach Wien. Das war die Zeit, wo ich darüber nachzudenken begann, ob ich vielleicht mal hier studieren würde.

Ein Jahr später fing ich an Deutsch zu lernen und hab mich gleich nach Schulabschluss bei den Universitäten in Salzburg und Wien für einen Studienplatz in Kunstgeschichte beworben. Einige Monate später bekam ich die Bestätigung, dass ich in Salzburg aufgenommen worden wäre. So bin ich hierhergekommen.

Wie bist du zu deinem Studienfach gekommen? Was findest du so faszinierend an Kunstgeschichte?

Gute Frage. Mein Vater ist Historiker und deswegen hat er mir schon mein ganzes Leben viel über die Geschichte und Kunst meiner Stadt erzählt. Generell ist meine Familie sehr kunstbegeistert.

Auslandsstudium Innenfassade Universität

Als ich etwa 13 bzw. 14 Jahre alt war, hat mir dann meine Mutter eines Tages den Vorschlag gemacht, dass ich ja mal kleine Einführungskurse für Kunstgeschichte besuchen könnte. Die Mischung aus Kunst und Geschichte hat mir gleich sehr gefallen. In Russland sind diese beiden Studiengebiete stark miteinander vermischt, weil du als Student parallel zur Kunstgeschichte auch immer gleich den historischen Rahmen des jeweiligen Themas lernst.

Ich persönlich finde dieses Fach einfach berührend und ich fühle mich sehr wohl damit. Bei uns in Russland sagen wir dazu: „Ich fühle mich wie ein Fisch im Wasser“ – du kannst atmen und fühlst dich wie zuhause, weil du in deinem Element bist.

Wie war die Umstellung zu Beginn für dich, als du neu hierhergekommen bist?

Es war schwierig, weil die Stadt selbst ganz anders aussieht als St. Petersburg und im Vergleich dazu sehr klein ist, was ich nicht erwartet hatte. Am Anfang hatte ich hier nur eine Freundin aus der Ukraine und ich fühlte mich deswegen sehr alleine. Diese Einsamkeit war unerwartet für mich.

Das erste Semester hatte ich eigentlich nur Deutsch. Während dieser Zeit habe ich oft die ganze Woche nichts außerhalb des Studiums gemacht, was sehr unangenehm war, doch dann habe ich viele Leute durch die Uni kennen gelernt.

In Russland habe ich bei meinen Eltern gewohnt und meine Mutter war eigentlich immer für mich da, weil sie nicht arbeitet und jetzt musste ich auf einmal alles ganz alleine machen. Das ist bis heute irgendwie ein seltsames Gefühl.

Gibt es etwas über Österreich oder Salzburg, das du gerne gewusst hättest, bevor du hierhergekommen bist?

Nein. Ich lernte ja zum Glück diese Freundin aus der Ukraine kennen, die hier schon ein Jahr lang gewohnt hatte und deswegen konnte sie mir gute Tipps geben und mir viel erklären. Zum Beispiel, wo ich am besten mit meinem Visum hingehe, wo die Uni ist oder wo ich preiswert einkaufen kann. Das hat mich wirklich gefreut. Zusätzlich gibt es auch auf Facebook Gruppen für Russen in Österreich oder Salzburg, wo man Fragen stellen kann.

Was würdest du hier verbessern oder verändern wollen, wenn du es könntest?

Hm…ich würde mir hier eine schnellere Bürokratie wünschen, weil viel über den Postweg versendet wird und es dadurch oft lange dauert, bis man etwas, wie Dokumente, bekommt. Das geht in Russland viel schneller. Dort muss man einfach seinen Pass vorzeigen und innerhalb von ein bis zwei Tagen kann man sich das gewünschte Formular (oder was auch immer) fertig abholen.

Die Öffnungszeiten der Shops und die Zahlungsart in Österreich waren auch sehr ungewohnt für mich, weil die russischen Läden viel länger oder sogar durchgehend geöffnet haben. Hier muss man auch immer Bargeld bei sich haben, weil man in vielen Restaurants, etc. nicht mit Karte bezahlen kann. Das würde ich wahrscheinlich ändern.

Ach ja, es gibt hier in Österreich auch einige Vorurteile gegenüber Russen. Zum Beispiel, dass wir kalt und gefühllos seien und nicht lachen würden, was überhaupt nicht stimmt. Manchmal bemerkte ich auch eine gewisse Ausländerfeindlichkeit, so mein Eindruck. Denn oft hören die Leute deinen Akzent und schließen daraus, dass du nicht aus Österreich kommst, dann verhalten sie sich einfach anders.

Ich hatte schon öfters solche Situationen. Eine davon ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ich bin in ein Café in Salzburg gegangen und bestellte mir einen Kaffee „Americano“. Als das der Kellner hörte, wurde er sehr unfreundlich und meinte: „WIR nennen das „Verlängerten“, nicht „Americano“!“ Dieses „Wir“ grenzt schon ziemlich aus – WIR Österreicher und IHR anderen. Da würde ich mir wünschen, dass es anders wäre.

Siehst du Unterschiede zwischen dem Universitätsbetrieb in St. Petersburg und Salzburg?

Das ganze System hier ist anders als in St. Petersburg. Wir können zum Beispiel unsere Kurse nicht selbst auswählen. Wir bekommen in Russland ein Programm von der Universität vorgeschrieben (das ist fast wie ein Schulstundenplan). Auch ist man dort mit anderen Studenten in kleinere Klassen und Gruppen eingeteilt, mit denen man dann gemeinsam die Kurse besucht. Natürlich haben wir beispielsweise in Kunstgeschichte ab dem zweiten Semester die Möglichkeit, uns speziell auf ein Gebiet festzulegen. Es stehen entweder antikes Theater oder etwas mit Christentum zur Auswahl, aber das sind nur ein bis zwei Kurse, alles andere ist im Programm vorgeschrieben.

In Russland ist es nicht möglich, wie in Österreich, zwei Fächer parallel zu studieren. Hier wählen viele Leute aus reinem Interesse ein zusätzliches Studiengebiet, das ginge bei uns nicht, weil man zum Beispiel in Kunstgeschichte viel, viel mehr Stoff durchmacht. Du lebst regelrecht für dieses eine Fach, das du gewählt hast. Oft hat man dann auch jeden Tag von 9:10 bis 18.00 Uhr Uni, da hätte man gar keine Zeit irgendwas Anderes zu studieren. Wir nennen das „Direktstudium“.

Dafür gibt es in Russland aber keine kommissionelle Prüfung am Ende des Studiums. Wir müssen nur eine Arbeit über ein Thema schreiben. Diese Arbeit ist jedoch extrem wichtig und daran schreibt man leicht ein ganzes Jahr.

Für Menschen, die neben dem Studium arbeiten, gibt es in ausgewählten Fächern auch die Möglichkeit ein „Fernstudium“ zu beginnen. Da besucht man die Universität nur ca. sechs Mal pro Monat, was zwar eine Zeitersparnis einerseits ist, aber andererseits muss man auch alles selbst lernen, was sehr schwierig ist.

Wir haben auch kein Punktesystem bei den Lehrveranstaltungen wie in Salzburg. Darum verstehen auch viele Russen nicht, dass zum Beispiel fünf Punkte, die man hier für etwas bekommt, eigentlich relativ viel sind.

Die Abstufungen Bachelor, Master (wir nennen ihn „Magister“), usw. sind ähnlich wie hier, nur dauert der Bachelor bei uns nicht drei, sondern vier Jahre. Länger darf und kann man nicht brauchen. Wenn man bei einer Prüfung durchfällt, hat man noch eine Chance sie zu wiederholen, aber wenn man es dann nicht schafft, muss man das Studium abbrechen.

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Hast du schon eine gewisse Vorstellung davon, was du nach dem Studium machen möchtest?

Ich möchte auf jeden Fall zuerst den Bachelor und Master machen und vielleicht ein Doktoratsstudium in Wien. Momentan lerne ich Französisch, deswegen wäre es später auch eine Option nach Frankreich zu gehen. Meiner Meinung nach wollen die meisten Kunsthistoriker einmal in Galerien als Kuratoren oder so ähnlich arbeiten. Das fände ich auch ganz super.

Interview 2:  Joanna G. (36) – „[…] es war Zufall, aber ein wunderschöner Zufall.“

Für mein zweites Interview habe ich mich mit Joanna getroffen, die sich bei Tee und Kaffee dazu bereit erklärt hat, sich von mir zu ihren Erfahrungen und Erlebnissen in Salzburg interviewen zu lassen.

Auslandsstudium Joanna Unipark Bibliothek

Woher kommst du ursprünglich?

Aus Polen. Genauer gesagt aus dem Osten Polens. Meine Heimatstadt „Chełm“ liegt ganz in der Nähe des Flusses „Bug“, der die Grenze zwischen Polen und der Ukraine markiert. Auch Weißrussland ist nur etwa 42 Kilometer entfernt. Der Fluss ist sehr sauber, hat ein großes Fischvorkommen und wird nicht reguliert, wodurch er einen natürlichen und wilden Eindruck macht. Chełm ist eine kleine Stadt. Ich denke, dort leben so um die 64000 Einwohner. Also zirka die Hälfte der Einwohnerzahl von Salzburg.

Was und wie lange studierst du schon in Salzburg?

Ich studiere Kunstgeschichte an der Universität Salzburg und bin jetzt im zweiten Semester.

Wie bist du auf die Idee gekommen in Salzburg bzw. in Österreich zu studieren? Gab es noch andere Optionen, die du in Betracht gezogen hast?

Zu Beginn habe ich eigentlich gar nichts über Salzburg gewusst, obwohl ich über ein Jahr in München gelebt und gearbeitet habe. Dort habe ich erstmals den Namen „Salzburg“ gehört.

Für viele Polen zählt in Österreich Wien als kulturelles Zentrum. Innsbruck oder Tirol wiederum sind vor allem wegen den Alpen und den Skifahrmöglichkeiten im Winter bekannt. Eine allgemeine Vorstellung von den Besonderheiten und Eigenarten Österreichs (abgesehen vom Apfelstrudel) gibt es in Polen jedoch nicht. Dafür ist das Land auf der Weltkarte einfach zu klein. Und beim Thema Salzburg oder Graz, da fragen sich manche, ob das überhaupt in Europa liegt. *lacht*

Direkt in Salzburg zu studieren, war nie ein konkreter Wunsch von mir. Ich habe jedoch schon länger mit dem Gedanken gespielt, in Wien zu wohnen und wahrscheinlich auch dort ein Studium zu beginnen. Daher versuchte ich an einer Uni in Wien einen Studienplatz zu bekommen, doch das klappte nicht. Bis heute weiß ich nicht genau, wie ich auf die Idee gekommen bin nach Salzburg zu gehen. Das hat mein Leben, glaube ich, irgendwie für mich entschieden. Ich habe dann einfach schnell geschaut, wo man in Österreich noch Kunstgeschichte studieren kann und da bot sich Salzburg mit der geringen Entfernung zu meiner Lieblingsstadt München an.

Es ist ja doch ein ziemlicher Umbruch im Leben, wenn man sich dazu entscheidet, in einem anderen Land zu studieren. Wie war die erste Zeit hier für dich?

Im Februar 2018 bin ich mit meinen Unterlagen hierhergekommen und habe sofort einen Studienplatz bekommen. Das war alles ziemlich spontan und ungeplant. Deswegen war ich zu Beginn auch kurzzeitig etwas planlos, weil ich ja Salzburg überhaupt nicht kannte.

Ich bin mitten in der Nacht angekommen, habe dann im Hotel übernachtet und konnte Salzburg dann erstmals am nächsten Morgen bewundern. Zu meinen ersten Erfahrungen zählte, dass ich eine wunderschöne Stadt mit weißen Berggipfeln ringsherum sah (damals herrschte hier tiefer Winter). All diese Eindrücke, die Sonne, die Berge, der Schnee und die schöne kleinstädtische Architektur – da habe ich mir wirklich gedacht: „Ja, hier bin ich richtig gelandet!“

Das Einleben in Salzburg ist mir nicht schwergefallen. Schon als ich in Warschau studierte, träumte ich davon als Erasmusstudent ins Ausland zu gehen. Ich hatte mich sogar in Italien dafür beworben, doch der Platz war bereits vergeben. Der Traum lebte trotzdem noch fort. Und nun ist dieser Traum voll ausgefüllt. Jetzt studiere ich im Ausland. Zwar nicht Italien, aber dafür in Österreich und das ist auch sehr schön. Es war ein Zufall, aber ein wunderschöner Zufall.

Welche Unterschiede hast du zwischen dem Lehrbetrieb in Salzburg und in Polen bemerkt?

In Warschau hat man beispielsweise keine freie Auswahl bei den Stundenplanfächern wie hier. Dort gibt die Universität schon von Beginn an vor, was wir machen müssen.

Es gibt wie hier auch keine Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen. Jedoch gibt es bei uns keine Abschlussprüfung, weil wir durch die Pflichtseminare schon genug Punkte sammeln. Seminare kann man schon ab dem ersten Semester machen, nicht wie hier, wo man damit warten muss, bis man eine bestimmte Anzahl an Lehrveranstaltungen absolviert hat.

Damals in Warschau war es nicht so einfach, mit den Lehrkräften ins Gespräch zu kommen wie in Salzburg. Diese schnelle und problemlose Kommunikation zwischen Studenten und Universität gefällt mir hier sehr gut. Auch gibt es in Warschau keine STEOPs (= Studieneingangsprüfungen). Aber ich denke, da kommt es auch darauf an, welches Fach man, wo in Polen studiert.

Beruf neben dem Studium: Ist es machbar oder konkurrieren die beiden Bereiche zu sehr miteinander?

Ich arbeite neben dem Studium, was die Frage schon teilweise beantwortet. Jeder Mensch muss das für sich selbst entscheiden. Schätzungsweise hätte ich auch zu arbeiten begonnen, wenn ich das Geld von jemandem bekommen hätte. Für mich bedeutet Arbeit nicht nur Geld, sondern auch, dass man dadurch in Kontakt mit anderen Leuten kommt und somit eine Sozialstruktur um sich herum aufbauen kann. Je mehr Kontakte ich habe, desto besser geht es mir.

Das Arbeiten neben dem Studium finde ich nicht so anstrengend. In meinem Fall hilft mir der Job, mich zu entspannen und mich ein wenig von der Uni abzulenken, weil es ja doch eine andere Umgebung ist.

Gibt es etwas, das du gerne gewusst hättest, bevor du nach Österreich/Salzburg gekommen bist?

Nein, eigentlich nicht. Ich mag es, mich vom Leben überraschen zu lassen. *lächelt*

Nur ein Detail hat mich eher negativ überrascht. Nämlich, dass es keine gute Verbindung zwischen Salzburg und Warschau gibt. Wenn ich nach Hause fahre, muss ich dauernd in München oder in Wien umsteigen. Fahre ich mit dem Bus, sind es zirka 17-20 Stunden. Mit dem Flieger ist das natürlich viel kürzer.

Hast du in Salzburg irgendwelche Lieblingsplätze oder Dinge, die du gerne machst? Gibt es auch Dinge, die du von daheim vermisst?

Zu meinen Lieblingsorten hier gehören das Landestheater, in dem ich auch arbeite, der Mönchsberg, von dem man eine tolle Aussicht auf die Bayrischen Alpen hat, und die Kirchen. Wenn es sich ausgeht, gehe ich fast jeden Tag in die Messe. Beim Joggen finde ich es am Salzachufer sehr schön, aber generell ist jedes Eckchen in Salzburg sehr speziell und wunderschön.

Ja, ich vermisse hier meine Freunde. In Polen sind wir sozial gesehen ganz anders, weil wir sehr schnell Bekanntschaften (Freundschaften nicht so schnell) schließen, mit denen wir uns dann auch sehr oft in unserer Freizeit verabreden. Dieses „polnische“ Sozialleben fehlt mir schon sehr. Aber nicht nur in Salzburg, denn auch als ich in Deutschland gelebt habe, ist mir dieser Unterschied aufgefallen.

Wenn du die Chance hättest irgendwo auf der Welt zu leben oder zu studieren, wohin würde es dich verschlagen?

Ich träume schon lange davon in Rom zu leben. Aber wenn mir theoretisch die ganze Welt zu Verfügung stünde, dann irgendwo in den Vereinigten Staaten – Texas zum Beispiel.

Auslandsstudium Airport

Wenn man es nun von der anderen Seite betrachtet – gibt es in Polen viele Student*innen aus dem Ausland?

Ja, es gibt schon seit Jahren viele ausländische Studenten in Polen. Es kommen viele aus den Vereinigten Staaten, aus Südamerika, Afrika und aus den arabischen Ländern zu uns. Aus Europa sind es vorwiegend Studenten aus dem Erasmusprogramm und das eher aus Süd- oder Osteuropa, als aus Westeuropa. In letzter Zeit kommen auch immer mehr asiatische Studenten zu uns.

Wenn du mit dem Studium in Salzburg fertig bist, was sind deine Pläne für die Zukunft?

Darüber habe ich noch nicht wirklich nachgedacht. Ich warte ab, was auf mich zukommt, da bin ich selber schon gespannt. Vielleicht gehe ich danach auf lange Sicht hin wieder zurück nach Polen. Aber ich denke, dass es da noch so viele Dinge im Ausland zu erleben gibt, darum werde ich wahrscheinlich erstmal irgendwo in Europa bleiben. Doch wo genau, da lasse ich mich wirklich überraschen.

Übrigens: Wenn ihr euch selbst für das Ausland interessiert und andere Erfahrungsberichte lesen möchtet, dann werdet ihr hier am Blog schnell fündig. Egal, ob es sich um Istanbul (Teil 1, 2, 3, 4, 5 & 6), Island (Teil 1, 2, 3, 4 & 5), Nottingham, Japan, Groningen in den Niederlanden, Schweden oder die USA (Teil 1, 2 & 3) handelt. Darüber hinaus bleibt zu sagen: Perspektivenwechsel und damit Auslandserfahrung sind besonders in der heutigen Zeit in vielen verschiedenen Lebensbereichen gefragt und durchaus sinnvoll.

Eure Teresa

Teresa

Teresa ist die geborene Pendlerin – lernen, essen, schlafen – das Leben im Zug ist für sie kein Problem, weil sie die schönen Ausblicke in die Landschaft in vollen Zügen und zu jeder Jahreszeit genießt. Wenn sie nicht gerade ihre Nase in alte Bücher steckt, kommt ihre innere Straßenkünstlerin zum Vorschein, da in der Ball-Jonglage ihre Leidenschaft liegt.

 

 

Photo-Credits:
Titelbild, Stiegenhaus Unipark (Bildausschnitt) und kunstvolle Innenfassade: Luigi Caputo
Airport: Photo by JESHOOTS.COM on Unsplash

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