Klo & So – Salzburger Studenten auf Spurensuche im Gmundner Klomuseum: Ein schwarzes Schild mit der Aufschrift „Toilet“ und zwei Figuren daneben vor einem begrünten Hintergrund.

Wer von uns kennt dieses schöne Pärchen nicht – der eine fesch mit Backenbart und Schärpe, die andere adrett mit weißem Ballkleid und Silbersternchen im Haupthaar. Ich rede hier natürlich von Kaiser Franz Joseph I. und seiner Sisi. Doch hast du dich je gefragt, wie Österreichs historische Prominenz ihr großes (oder auch kleines) Geschäft verrichtet haben? Nicht? Vielleicht interessiert dich stattdessen, ob es heutzutage nicht doch besser wäre, einen Flach- statt einem Tiefspüler (also eine Toilette mit Ablage oder ohne) zu verwenden? Auch nicht? Dann wird es höchste Zeit.

Fragst du dich an dieser Stelle nun, wohin dich dieser Beitrag führt? Das kann ich dir verraten: nach Gmunden. Genauer gesagt ins Klo & So, dem Klomuseum. Doch nicht ganz so schnell. Etwas mehr sollte vorweg schon gesagt sein. Am besten, wie es überhaupt so weit kam, dass ich dir nun von einem Klomuseum im wunderschönen Gmunden berichte.

Klo & So – Salzburger Studenten auf Spurensuche im Gmundner Klomuseum: Ausblick auf die Berglandschaft und den Traunsee in Gmunden.

Von großen und kleinen Geschäften

Ein*e durchschnittlicher Erwachsene*r besucht mehrmals täglich das stille Örtchen. Es gehört genauso zu unserem Alltag wie Atmen oder Essen. Dennoch reden wir nicht gern darüber. Aber warum eigentlich? Weil es halt einfach nicht zum guten „Ton“ gehört, würden vielleicht manche sagen. Eigentlich etwas unnötig hieraus ein Tabuthema zu machen. Immerhin schrieb selbst Wolfgang A. Mozart 1777 in einem seiner Briefe: „ (…) und auf das heisel nun begieb ich mich, und einen dreck vielleicht scheisse ich, (…)“[1].

Klo & So – Salzburger Studenten auf Spurensuche im Gmundner Klomuseum: Ein Schild mit der Aufschrift „Klo & So-Museum“ und einem Herrn im Anzug.

Zugegeben – früher dachte ich ebenfalls nicht wirklich über dieses ganze Thema nach. Das änderte sich durch eine Lehrveranstaltung am Fachbereich Geschichte an der Universität Salzburg. Im Rahmen des Proseminars Geschichte des Drecks und der Hygiene wurde ich zusammen mit anderen Studierenden vergangenes Wintersemester unter der äußerst kompetenten Leitung von Alfred Stefan Weiß zu der „dunklen Materie“ des Stuhlgangs und der Körperhygiene unterrichtet. Eines muss gesagt sein: Leicht besaitet durfte man in diesem Fall nicht sein. Doch auch, wenn so manches Thema etwas „speziell“ war, so war der Kurs in Sachen Spannung nur schwerlich zu übertreffen.

Ein Ausflugstipp der etwas anderen Art – ab ins Klomuseum!

Die Einheiten vergingen wie im Flug und schwups – waren wir auch schon in den letzten Stunden des Wintersemesters angelangt. Nun musste etwas Einzigartiges her! Eine Idee war schnell gefunden. Wenn wir schon die meiste Zeit über Fäkalien, Körperhygiene, Entleerung und Ähnliches in der Theorie lernten, wieso dann nicht auch das Gelernte (mehr oder weniger) in der Praxis erforschen? Gesagt, getan. So begaben wir uns – ein Grüppchen wagemutiger Geschichtsstudent*innen, auf der Suche nach der dreckigen Wahrheit – auf eine Expedition ins Ungewisse (auch bekannt unter dem Namen „Gmunden“). Das Ziel unserer Nachforschungen: ein Museum mit dem klingenden Titel „Klo & So“, welches sich im 2. Stock des Kammerhofmuseums in der Kammerhofgasse 8 befindet.

Klo & So – Salzburger Studenten auf Spurensuche im Gmundner Klomuseum: Der Innenraum des Klomuseums „Klo & So“

Infos für deinen Ausflug ins Klomuseum

Die wohl wichtigste Information für dich, wenn du über einen Besuch des Museums nachdenkst, ist, wie du dorthin kommst. Nichts leichter als das. Sobald ihr am Bahnhof Gmunden angekommen seid, besorgt ihr euch am besten ein Tagesticket für die Straßenbahn (4,40 €) und fahrt 6 Stationen bis zur Haltestelle Rathausplatz, von wo euch nur mehr wenige Gehminuten von jeder Menge Spülkästen, Nachttöpfen und Klosetts trennen. Übrigens sind das keine gewöhnlichen stillen Örtchen. Diverse Keramikstücke präsentieren sich in kunstvollen Bemalungen.

Klo & So – Salzburger Studenten auf Spurensuche im Gmundner Klomuseum: Drei Flachspül-WCs mit kunstvollen Verzierungen.

Geöffnet ist von Montag bis Freitag, von 13:00-17:00 Uhr und am Samstag, Sonntag, sowie an Feiertagen von 10:00- 16:00 Uhr. Als Student*in bekommt ihr das Eintrittsticket schon für 4 €, statt 6 €. Im Klomuseum erwarten euch dann neben dem gepolsterten Zimmerklosett von Kaiser Franz Joseph I. auch noch professionell als Bücherstapel oder Hocker getarnte Klosetts, Nachttöpfchen mit lustigen Sprüchen, Säuglingstoiletten und vieles mehr.

Klo & So – Salzburger Studenten auf Spurensuche im Gmundner Klomuseum: Ein weißer Nachttopf mit blauer Bemalung.

So, nun aber genug erzählt. Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem Beitrag dazu inspirieren, ab und zu ein bisschen „out-of-the-box“ zu denken. Und vielleicht habt ihr nun auch ein nächstes Ausflugsziel. Vergesst nicht, es darf auch mal etwas anders sein. Spaß und Unterhaltung sind hier auf jeden Fall garantiert, wie ich finde.

Bis zum nächsten Mal, eure Teresa!

 

Teresa

Teresa ist die geborene Pendlerin – lernen, essen, schlafen – das Leben im Zug ist für sie kein Problem, weil sie die schönen Ausblicke in die Landschaft in vollen Zügen und zu jeder Jahreszeit genießt. Wenn sie nicht gerade ihre Nase in alte Bücher steckt, kommt ihre innere Straßenkünstlerin zum Vorschein, da in der Ball-Jonglage ihre Leidenschaft liegt.

 

 

 

[1] (Hg.) Kunze, Stefan: Wolfgang Amadeus Mozart. Briefe, Stuttgart 1987, S. 82.

Foto-Credit (Titelbild): Photo by Hafidz Alifuddin from Pexels

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