Burger essen.

Stress, Ärger, Traurigkeit – es gibt Momente im Leben, da scheint die einzige Lösung Schokolade, Chips und Co zu sein. Viele von uns haben vermutlich bereits mehr als einmal einen solchen Moment erlebt. Auslöser für solche Situationen sind unsere Gefühle. Seit jeher beeinflussen diese nämlich unser Essverhalten. Konkret sprechen wir hier von emotionalem Essverhalten. Doch was ist damit genau gemeint und wie prüft man ein solches Verhalten?

Adrian Meule vom Eating Behavior Laboratory des Fachbereichs Psychologie in Salzburg hat sich mit mir zu diesem Thema unterhalten. Zusätzlich habe ich einen Einblick in die Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten Studien mit der „Salzburg Stress Eating Scale“ und der „Salzburg Emotional Eating Scale“ erhalten.

„Ich esse wenn’s mir schlecht geht.“

Feststeht, Essen dient nicht nur der bloßen Nahrungsaufnahme. Bei einem emotionalen Essverhalten dienen die Lebensmittel nämlich primär der Emotionsregulierung. Die aufgenommene Nahrung kompensiert dann eine emotionale Dysbalance. Häufig wird emotionales Essen definiert „als erhöhte Nahrungsaufnahme, um negative Emotionen zu bewältigen“. Emotionales Essverhalten bedeutet jedoch nicht nur „Ich esse, wenn’s mir schlecht geht“. Gefühle können auf unterschiedlichste Art und Weise unser Essverhalten beeinflussen. Einerseits essen wir bei negativen Emotionen mehr oder weniger, um diese zu regulieren und um uns besser zu fühlen. Andererseits kann Essen auch Emotionen bei uns auslösen und dazu führen, dass wir gut gelaunt sind. Bei emotionalem Essen nehmen wir in der Regel hochkalorische Lebensmittel mit einem hohen Zucker- und Fettgehalt zu uns. Dies geschieht, welch Wunder, meistens über ungesunde Snacks nachmittags oder abends.

Frau mit Donut.

Emotionales Essen beginnt im Säuglingsalter

Der Begriff des emotionalen Essverhaltens ist keineswegs eine Neuerscheinung. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts diskutierte man die Thematik in der wissenschaftlich-psychiatrischen Literatur. Wie wir essen, ist geprägt durch zahlreiche Lernerfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln. Schon als Säugling, aber auch als Kind bestimmen Gefühle unser Essverhalten. Wenn wir als Säugling schreien, kommen wir an die Mutterbrust. Als Kind beruhigen oder belohnen uns unsere Eltern dann oftmals mit Süßigkeiten. Es sind unzählige individuelle Faktoren, die unser emotionales Essverhalten von da an prägen – von sozialen Faktoren bis hin zu Modell- oder Lernprozessen. Im Laufe der Zeit entwickeln sich zudem nicht selten klassische Konditionierungsprozesse. Laut Adrian Meule steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Essen in weiteren Lebensphasen zur Regulation von Emotionen eingesetzt wird, sobald klar wird, dass eine negative Stimmung durch Essen ausgeglichen werden kann.

Wie wird emotionales Essverhalten erfasst?

Studien, die das Essverhalten von Menschen thematisieren, gründeten bis dato auf Laborarbeit. In einer der Studien des Eating Behavior Laboratory setzte man nun jedoch das Smartphone als Messinstrument im Alltag ein. Über einen Zeitraum von 10 Tagen wurde bei 59 Proband*innen der Effekt von Stress und anderen Emotionen auf das Essverhalten erhoben. In einer kürzlich veröffentlichten Studie entwickelte man darüber hinaus zwei neue Fragebögen: die „Salzburg Stress Eating Scale“ und die „Salzburg Emotional Eating Scale“. Die Fragebögen unterscheiden sich von bisherigen Selbstberichtsverfahren dadurch, dass zwischen den verschiedenen Arten von emotionalen Zuständen sowie deren Effekte auf das Essverhalten differenziert werden kann.

Frau an Laptop mit Kaffee und Schokolade.

Frau oder Mann: Wer ist stärker betroffen?

Betrachtet man nun die zentralen Ergebnisse bisheriger Studien, steht eines fest: Frauen und Männer haben ein unterschiedliches emotionales Essverhalten. So tendieren Frauen dazu bei negativen Gefühlen mehr zu essen, Männer dann, wenn sie positiv gestimmt sind. Frauen greifen dabei hauptsächlich zu dysfunktionalen, also ungesunden, Lebensmitteln. In Verbindung damit besteht auch ein Zusammenhang zwischen emotionalem Essverhalten und einem höheren Körpergewicht sowie einer erhöhten Essstörungspathologie. Männer zeigen ein eher funktionaleres, gesünderes Essmuster, was mit einem gesünderen Gewicht einhergeht. Übrigens liebe Mädels: Frauen haben tatsächlich ein stärkeres und auch häufigeres Verlangen nach süßen Naschereien wie Schokolade – dies wurde bereits mehrfach wissenschaftlich bewiesen. Zudem tendieren Frauen vor allem auch bei Traurigkeit oder Langeweile dazu mehr zu essen. Bei Ärger oder Ängstlichkeit wiederum essen wir weniger. Das liegt daran, so Adrian Meule, dass diese beiden Emotionen im Vergleich zu anderen mit einer höheren körperlichen Erregung einhergehen, welche den Appetit unterdrückt.

Damit eure Gefühle nicht allzu oft euer Essverhalten bestimmen, macht es Sinn, eure Emotionen von Zeit zu Zeit auf andere Art und Weise zu regulieren. Eine gute Alternative wäre beispielsweise Sport. Nutzt doch den nächsten Sonnentag und geht eine Runde laufen. Meine Kollegin Fabienne zeigt euch in ihrem Beitrag, wie ihr sofort loslegen könnt.

Eure Rebecca

Rebecca

Rebecca ist eigentlich gebürtige Tirolerin und somit eine echte „Zuagroaste“. Als absolute Romantikerin liebt sie Salzburg in allen Facetten – ja sogar bei Schnürlregen. Sonst verbringt sie ihre Zeit gerne beim Sporteln in der Natur.

Foto-Credits (Titelbild; Laptop & Schokolade): rawpixel on Unsplash
Foto-Credits (Donut): Tofros.com on Pexels
Grafik: Adrian Meule

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