Schriftzug Nottingham

Ach du schönes England – zuerst ist es nur der Ruf der Ferne und schon hast du eine zweite Heimat gefunden. Nein, keine Angst, es folgt nun kein verträumtes Gedicht im Stil großer Literaten. Im Folgenden berichte ich euch über meine Erlebnisse an der University of Nottingham, wo ich mein einjähriges Auslandsstudium absolvieren durfte. Nottingham? War da nicht etwas mit Robin Hood? Ja, doch wer denkt, das war’s schon, der irrt. Denn die Stadt bietet weit mehr als nur eine Reise in die Vergangenheit zu den Männern von Sherwood Forest. Und wenn ihr ebenfalls glaubt, dass nach dem Auslandsaufenthalt vor dem Auslandsaufenthalt ist, dann finden sich in diesem Beitrag womöglich neue Anregungen für euch.

Auf nach Nottingham

Ihr habt bestimmt auch schon an ein Auslandsstudium gedacht, nicht wahr? Bestimmt. So ging es auch mir. Nun stellte sich lediglich die bekannte Frage, wohin es gehen sollte. Nach einiger Recherche stand das Ziel dann fest: Nottingham. Doch ist die Wahl getroffen, geht es erst richtig los – wie in meinem Fall mit ein klein wenig Panik. Da ich die Reise selbst organisierte, gingen mir einige Fragen durch den Kopf. Klappt denn am Tag der Anreise alles? Verstehe ich die Menschen dort überhaupt? Was, wenn ich keine Freunde finde? Oder noch schlimmer: Was ist, wenn ich kein Tier, das irgendwie der ganzen Nachbarschaft gehört, zum Kuscheln finde? All diese Fragen haben mich bis zu meiner finalen Ankunft im schönen Nottingham durchgängig beschäftigt. Aber dann kommst du in der Ferne an und lernst alles zu lieben, was du dort anfindest. Dass das zudem viel schneller passiert, als du es dir hättest ausmalen können, ist natürlich etwas überraschend.

Herbst: Aller Anfang ist schwer.

Ich hatte mich also dazu entschlossen, einen Koffer zu packen, um den Sprung hinüber auf die Insel zu wagen. Obwohl sich das sehr nach Sommerurlaub in der Karibik anhört, hat es mich stattdessen in das extrem windige Nottingham in England gezogen, wo ich am Master Programm der University of Nottingham teilnahm.

University of Nottingham

Die Verwirrung während der ersten Tage war zugegebenermaßen extrem. So musste ich zu Beginn erst einmal herausfinden, wo meine Kurse stattfinden. Gar nicht so einfach, wenn man sich auf insgesamt drei Campussen zurechtfinden muss. Es braucht ebenfalls seine Zeit, bis man sich in das neue Sozialleben vor Ort eingelebt hat. Bis das geschafft ist, besucht man üblicherweise dutzende Partys, nur um beobachten zu können, wie die Briten um 1:30 Uhr in der Früh zu Mr. Brightside „abgehen“.

Nach ungefähr drei Wochen ist es dann geschafft. Du kommst endlich rechtzeitig zu deinem Kurs, weil du nun verstanden hast, dass du im zweiten Stock nach dem Aufenthaltsraum links und nicht rechts abbiegen musst. Zur selben Zeit stellst du fest, dass du bereits etliche Freund*innen um dich geschart hast, wovon einige zu deinen besten überhaupt werden.

Nach einem Monat, wenn du schließlich die Motivation aufbringst in die Bibliothek zu gehen, findest du zudem heraus, dass dort Bertie the Cat hausiert und auf Streicheleinheiten wartet. PS: Wenn du Bertie streichelst, bearbeitet er dich mit seinen Krallen – „no joke“, das ist wirklich passiert.

Bertie the Cat

Winter: Von Pub-Quizzen und dem Leben in einer Bibliothek.

Nach insgesamt 3 Monaten hast du es geschafft, dass man dich in deinem Stamm-Pub kennt. Mittlerweile warst du nämlich so oft beim Pub-Quiz, dass du dich fragst, ob der finanzielle Aufwand gerechtfertigt werden kann. Immerhin spielt dein Team meist nur in der Mittelklasse. Das ändert sich jedoch, als du nach ein paar weiteren Wochen den Pub-Quiz-Master in Persona (shout-out to Sam) triffst und ihr daraufhin plötzlich beginnt im Quiz abzuräumen.

Ehe man sich versieht, ist das erste Semester auch schon vorbei. Weihnachten steht vor der Tür und damit einhergehend auch Prüfungen und Abgabefristen. Von diesem Zeitpunkt an scheinen alle Studierende in der Bibliothek zu leben. Das ist jedoch weniger schlimm als es sich anhört, denn deine Freund*innen sind ebenfalls dort. Die Tatsache, dass es in der Bibliothek einen eigenen Starbucks gibt, macht die ganze Situation darüber hinaus deutlich erträglicher.

Frühling: Zeit für Erkundungen.

Sind mit Dezember, Januar und Februar die windigen Monate überstanden, naht der Frühling in Nottingham. Erstmalig fällt dir auf, dass du dich dermaßen wohl in Nottingham fühlst, dass du (trotz sorgfältig angefertigter Reisepläne) komplett vergessen hast, den Rest Englands zu erkunden. Die Konsequenz lautet: Tagesausflüge organisieren. Auf der Liste stehen York, Lincoln, Birmingham und Manchester. Nun hast du Gefallen daran gefunden und organisierst zusätzlich Wochenendtrips nach London und auf die Isle of Man. Zwischen den einzelnen Ausflügen gelingt es dir glücklicherweise auch etwas Uni-Arbeit zu erledigen.

Küstenstadt

Sommer: Ein Auslandsstudium geht zu Ende.

Schon ist der Sommer da und das zweite Semester ist vorbei. Langsam macht sich ein Gefühl der inneren Unruhe breit, da ja bereits 2/3 der Zeit vorbei sind und du noch nicht einmal in Sherwood Forest warst. Und was zum Himmel machst du in Nottingham, wenn nicht den Spuren von Robin Hood folgen.

Statue von Robin Hood

Einmal zwinkern und da ist auch schon das dritte Semester angebrochen, welches ebenso schnell wieder vorüberzieht. Während du mit dem Verfassen deiner Abschlussarbeit beschäftigt bist, freundest du dich erneut mit dem Innenleben der hiesigen Bibliothek an. Nach einiger Zeit stellt sich bei dir und deinen Freund*innen der Gedanke ein, fortan in der Bibliothek zu zelten, spart man sich doch dadurch den Weg nach Hause. Stattdessen zieht ihr um 23:00 Uhr los, um Apfelkuchen bei Tesco zu kaufen. Da der nächste Tag keine zwingenden Studiumsarbeiten verlangt, packt ihr eure Sachen und veranstaltet ein Picknick. Im Zuge dessen lernst du auch, was mit dem Getränk Pimms gemeint ist und dass es ebenso zum Sommer gehört wie warme Sonnenstrahlen auf der Haut.

Pimms

Wo ist die Zeit geblieben? Kaum noch zehn Wochen bis Ende des Jahres. Mit jeder weiteren Woche planst du mit deinen Freund*innen intensiver, wann ihr euch zu welcher Zeit wiedersehen werdet. Auf einmal bleiben nur mehr zwei Wochen und du findest dich beim „Never Goodbye Dinner“ wieder. Und schließlich gebt ihr eure Masterarbeiten ab.

In der letzten Woche packst du deine sieben Sachen und fragst dich, wie ein Mensch in nur einem Jahr so extrem viel Krempel anhäufen kann. Die Antwort ist: Man schafft es irgendwie, also fragt lieber nicht weiter. Am letzten Tag verabschiedest du dich viermal von deinen Freund*innen und erinnerst dich an Zeiten, in denen du nicht geglaubt hast, dass es ein mal derart traurig sein wird, deiner Nottingham-Familie „see you later“ zu sagen. Doch so schwer der Abschied, so eindrucksvoll waren meine Erfahrungen in Nottingham, soviel steht fest.

Ich hoffe, mir ist es gelungen, euch einen kleinen Einblick in mein Jahr in Nottingham zu geben. Wie auf jeder großen Reise gab es auch hier Höhen und Tiefen. Dass man unbeschreibliche Eindrücke sammelt, wundervolle Menschen kennenlernt und sich in einer Bibliothek wohler fühlen kann, als man denkt, sind zumindest in meinem Fall Gründe, warum ich jederzeit zu einem solchen Erlebnis raten würde.

Eure Debby

Debby

Debby ist normalerweise mit einer Tasse Tee unterwegs. Wenn sie gerade keine hat, reist sie wahrscheinlich in der Weltgeschichte herum. Vor langer Zeit hat sie es aufgegeben mit dem Auto nach Salzburg zu fahren, weil parallel einparken einfach zu viele Nerven kostet.

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