Du startest die nächste Episode deiner Lieblingsserie. Dein Zimmer ist ungewöhnlich sauber. Und am Insta-Feed gibt’s nichts mehr Neues. Nur beim Anblick der Lernunterlagen überkommt dich ein unbehagliches Gefühl. Dann befindest du dich, so wie ich, in der Verleugnungsphase. Nun ist guter Rat teuer. Wie du die Prüfungswoche heil überstehst, erfährst du hier.

Die eine, gefürchtete Woche im Halbjahr, in der alles erlaubt und verziehen wird. Eine Tafel Schokolade für zwischendurch? Braucht man für die Nerven. Ein Heulanfall weil der Drucker wiedermal nicht geht? Völlig normal. Ungesunder Kaffeekonsum hoch drei? Kein Kommentar.

Die Prüfungswoche: ein 5-Phasen-Modell

Wir alle entwickeln unser eigenes Prüfungsphase-Verhalten. Was wir aber leider oft alle gemeinsam haben, ist, dass wir uns jedes Jahr vornehmen, „dieses Semester wirklich mitzulernen“. Die Wahrheit sieht jedoch leider nur zu oft so aus, dass wir dasitzen und erstmal checken müssen, ob wir denn überhaupt alle Mitschriften noch haben. Alle denen es nicht so geht – herzlichen Glückwunsch – der folgende Artikel ist für euch nicht mehr relevant. Für den Rest, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, hier meine 5-Schritte-Anleitung, wie man die Klausurenwoche überlebt.

Eigentlich ist die Prüfungszeit den fünf Phasen des Sterbens nach Kübler-Ross sehr ähnlich. Doch keine Angst, die Prüfungsphase bedeutet jetzt nicht dein „Ende“. Viel eher gleicht der Prozess in diesem Fall der Entwicklung einer Raupe. Man durchschreitet verschiedene Entwicklungsphasen, um am Ende den Hörsaal mit einem Gefühl der Erleichterung zu verlassen, denn soeben ist eine riiiesengroße Last (Umfang = ein Semester) von den Schultern gefallen. Von da an schwebt man hinaus und genießt die Freiheit. Naja, bis März zumindest.

1. Phase: Verleugnung

„Ist ja eh noch so weit hin.“ Ha, Lüge! Eigentlich ist es gar nicht mehr weit hin bis zu den Prüfungen. Allen, die sich noch im ersten Stadium befinden, sei geraten: Leg dir einen Kalender zu. Egal, ob das ein Zettel ist, auf dem du die kommende Woche kategorisch aufzeichnen kannst, oder ob du dir die Daten digital einträgst. Es ist wichtig, dass du dir ein Bewusstsein darüber verschaffst, wie der Stand der Dinge ist. Heißt konkret: Prüfungen, Deadlines, Präsentationen + Datum, Ort, Uhrzeit und bei Arbeiten die Abgabeform (Büro oder Blackboard). Hast du es bis hierhin geschafft, kannst du als nächsten Schritt bewerten, wieviel Zeit du für was benötigst. Nimm dir bewusst Zeit für diese Dinge und plane aus Sicherheit einen Extra-Tag ein. Du wirst ihn brauchen.

2. Phase: Zorn

Na, ärgerst du dich gerade darüber, dass du nicht früher begonnen hast und dass leider alles prüfungsrelevant ist? Oder ist das Buch, welches du gerade unbedingt für deine Arbeit brauchst gerade ausgeliehen? Diese Phase ist besonders unangenehm, aber sie gehört leider manchmal zum Leben an der Uni dazu. Da das „im Semester mitlernen“ hier oft schon versagt hat, muss du jetzt das Beste aus dem machen, was du noch an Zeit übrig hast. Überleg dir konkret, welche Aspekte wichtig sein könnten. Hast du dir vielleicht ein Ausrufezeichen in deine Notizen gemacht oder wurde ein Thema mehrmals besprochen? Wenn ja, dann heißt es jetzt fokussieren und konzentrieren, denn diese Punkte sind meist sehr gefragte Prüfungsthemen. Besinne dich auf den Syllabus und versuche jede Einheit zumindest überblickend zu verstehen. Verliere dich in letzter Minute nicht in Details! Sollte der Ärger nicht verfliegen, probier’s doch mal mit unseren stressabbauenden Apps. So kommst du wieder ein bisschen runter und bist bereit für die nächste Phase.

3. Phase: Verhandeln

„Wenn ich in fünf Minuten zwei Seiten lese, dann brauche ich für den ganzen Text…eine Stunde und zehn Minuten. Und als Belohnung schau ich dann genauso lange lustige Katzenvideos im Internet.“ Jaja, die Verhandlungsphase. Die Verhandlungsphase ist eine Zeit, in der wir wieder Hoffnung schöpfen. Vergiss dabei aber nicht die wesentlichen Punkte: Hinsetzen und Lernen. Am besten du setzt dir Tagesziele, so kannst du mit gutem Gewissen am Abend oder am Nachmittag etwas anderes machen. Halte diese Ziele aber ein, ansonsten wird die nächste Phase umso intensiver.

4. Phase: Depression

Zu viel, zu schwierig, zu wenig Zeit. Bis jetzt ging alles noch irgendwie gut, aber es gibt diesen einen Punkt, an dem man kurz überlegt alles hinzuwerfen und die klassische Google-Suche „Geld verdienen ohne Abschluss“ startet. Keine Panik! An der Uni Salzburg gibt es eine Selbsthilfegruppe für all jene, die sich alleine nicht aufraffen können sich hinzusetzen und anzufangen: die Nachtschicht. Für alle Aufschieberitis-Patient/innen gibt es auch heuer wieder die Nachtschicht@UBS. Diese findet am Donnerstag, den 24.01.2019, ab 19:00 Uhr in der Hautpbibliothek statt (Hofstallgasse 2-4). Dort kannst du dich 1. versichern, dass du nicht alleine bist mit deinen Symptomen, und 2. deinen inneren Schweinehund zusammen mit anderen besiegen.

5. Phase: Akzeptanz

Gratuliere! Du hast es zur „Akzeptanz“ geschafft. Nun hast du das Schlimmste überstanden und bist bereit das Leben (oder das Studium) so zu nehmen, wie es kommt. Du weißt, egal was passiert, du atmest, du hast einen Platz zum Wohnen und du hast Personen um dich herum, die nicht aufgrund deiner ECTS-Anzahl abwägen, wie gern sie dich haben.

Abschließend bleibt mir hier nicht viel zu sagen, außer: Nie vergessen, wenn man eine Prüfung mal nicht schafft, ist das im Gegensatz zum Sterbephasenmodell nicht das Ende – auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Ein bisschen Stress rund um die Klausurenwoche gehört nun mal zum Beruf „Student/in“ dazu.

In diesem Sinne, alles Gute!

Eure Katharina

Katharina

Katharina kommt aus dem schönen Innviertel, fühlt sich aber auch in Salzburg richtig wohl. Wenn sie nicht gerade irgendwo durch Europa reist, verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit Sport, Kochen oder Kunst.

Foto-Credit: Photo by Tim Gouw on Unsplash

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