Asakusa-Schrein

„MIRAI“ bedeutet im Japanischen so viel wie Zukunft. Gleichzeitig ist es die Bezeichnung eines Austauschprogramms des japanischen Außenministeriums zur Stärkung der langfristigen Beziehungen mit Europa. Vom 7. bis 14. November 2018 durften 40 Studierende aus 25 Ländern aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Asian Studies durch dieses Programm Japan kennen und lieben lernen. Im Zuge meines Master-Studiengangs in Politikwissenschaften an der Universität Salzburg durfte ich als Vertreterin Österreichs ebenfalls Teil dieser Erfahrung sein.

„Anyone interested in a trip to Japan?“ – diese leicht saloppe Frage von Fachbereichsleiter Reinhard Heinisch war wohl jene Frage, die mich zu einem der größten Abenteuer in meinen bisherigen 22 Lebensjahren gebracht hat. Meine Erwartungen bei der Bewerbung waren gering, schließlich würde aus vielen Bewerbungen nur ein/e einzige/r Vertreter/in aus ganz Österreich an dem Programm teilnehmen dürfen. Umso größer war meine Freude über die Zusage, denn damit war auch meine erste Reise in ein asiatisches Land besiegelt.

Über Tokio und das Verlassen der Komfortzone

Klar, das Reisen ohne Begleitung ist für viele sicherlich nicht neu. Dennoch bedeutet eine Reise vom kleinen, beschaulichen Salzburg in eine Metropole wie Tokio für ein Gewohnheitstier wie mich definitiv, seine Komfortzone zu verlassen. Allein die Unsicherheit, ob mich jemand am Flughafen erwarten würde, spannte mich während der immerhin elf Flugstunden bereits ziemlich auf die Folter.

Kaum 5 Minuten in Tokio verschwanden meine Sorgen jedoch, als ich die hervorragende Organisationsfähigkeit der Japaner bemerkte. Auch mein Aufenthalt war bereits von Beginn an minutiös durchgeplant. Wie ich später feststellen musste, geht diese intensive Planung jedoch zulasten der Flexibilität. Denn schon ein verspäteter Bus oder eine Warteschlage vor den Toiletten eines Museums können bei japanischen Organisatoren eine schwerwiegende Krise auslösen. Zugegebenermaßen eine neue Erfahrung für jemanden, der österreichische Gemütlichkeit tief im Herzen trägt. Hätte ich meinen Besuch allerdings wie für Österreicher üblich angelegt (frei nach dem Motto: „Schau ma moi, wird scho passn.“), hätte ich definitiv nicht eine solche Fülle an Erfahrungen sammeln können.

Mein erster Tag in Japan bestand aus einer formellen Begrüßung im japanischen Außenministerium, einem Besuch im Edo-Tokyo-Museum und der Besichtigung des Asakusa-Schreins. Am zweiten Programmtag folgte ein Austausch mit japanischen Studierenden der Keio University Tokyo. Thema war die gemeinsame Arbeit an einem Projekt zur internationalen Sicherheitspolitik.

Eindrücke über Eindrücke in Hiroshima

Gerade hatte ich etwas Fuß gefasst, da ging es auch schon wieder in Richtung Flughafen. Ziel: Hirsoshima. Die Stadt, die 1945 traurige Berühmtheit erlangte, präsentierte sich mir, anders als erwartet, als junge, moderne und vor allem außerordentlich lebendige Stadt. Parks, Grünanlagen und Gewässer, welche die Stadt durchziehen, bilden dabei einen markanten Kontrast zu den Hochhäusern. Die japanische Kultur ist hier keineswegs verloren gegangen, sondern vielmehr zu ihrer Blüte zurückgekehrt. Nach der Besichtigung des Shukkeien Gartens und einer Gin-Destillerie durften wir an einer Tee-Zeremonie teilnehmen, uns an Origamis versuchen und die Kalligraphie für uns entdecken.

Der zweite Tag in Hiroshima stand ganz im Zeichen des schweren Schicksals dieser Stadt. Eine Zeitzeugin berichtete uns in allen Details über die damaligen Geschehnisse. Ihre Worte werden dabei vermutlich nicht nur mir im Bewusstsein bleiben. Den Nachmittag verbrachten wir dann auf der Insel Miyajima. Die Landschaft auf der Insel zählt meiner Meinung nach zu den schönsten Japans. Dort findet man auch den berühmten Itsukushima-Schrein, dessen Torii (= symbolisches Eingangstor eines Schreins) zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Landes gehört.

Unser vorletzter Tag in Japan führte uns in eine Ausbildungsakademie der japanischen Marine. Dort durften wir Nachwuchsoffiziere beim täglichen Training begleiten, was für mich ein besonderes Highlight darstellte. Ich selbst wäre jedoch vermutlich nicht besonders begeistert gewesen, bei eher frostigen Temperaturen Schwimm-, Lauf- und Nahkampftrainings absolvieren zu müssen.

Japan – Einzigartig eigenartig?

Auf unserem Weg zurück nach Tokio sind wir erneut geflogen – doch dieses Mal nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Shinkansen! Dabei handelt es sich um einen Zug, der mit einer Geschwindigkeit von knapp 400 km/h unterwegs ist. An dieser Stelle von Fliegen zu sprechen, ist also nicht allzu weit hergeholt, wie ich finde. Und auch hier wird Pünktlichkeit großgeschrieben. Denn ein Shinkansen-Zug hat insgesamt weniger als zehn Sekunden Verspätung pro Jahr! Mitteleuropäische Zugunternehmer können davon wohl nur träumen. Zurück in Tokio berichteten wir dem Außenministerium von unseren Eindrücken. Zudem wurde besprochen, wie wir unsere Erfahrungen zuhause mit anderen teilen werden. In meinem Fall wohl keine schwere Aufgabe, denn Freunde und Bekannte fragen sich wohl eher, ob ich vor Begeisterung überhaupt noch Luft hole bei meinen Erzählungen über beheizte Toilettensitze, Zehensocken und Robben auf Hochhäusern… 😉

Bist auch Du Student oder Studentin und an einer unvergesslichen Reise nach Japan interessiert, deren Kosten vollständig von der japanischen Regierung übernommen werden? Dann hab ein Auge auf die Facebook-Seite der japanischen Botschaft in Österreich oder schreib mir eine Mail (birgit.mitter@sbg.ac.at), damit ich Dir mehr darüber erzählen kann. Das Programm bietet übrigens auch Reisen für andere Fachrichtungen an.

Eure Birgit

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