Foto: Titelbild gruener Wald

Als wir zu Beginn des Semesters gemeinsam in der WG-Küche saßen und uns dazu entschieden ein Bewerbungsvideo für die Green WG Challenge abzugeben, waren wir uns sicher, dass uns viele der Aufgaben sehr leicht fallen würden. Wir trennen unseren Müll, fahren viel Rad, verzichten auf die Benutzung des hauseigenen Trockners und achten (im Rahmen unserer Möglichkeiten) auf nachhaltigen Konsum. Alles Schritte in die richtige Richtung, aber natürlich noch Luft nach oben, dachten wir uns. Dass wir irgendwann verzweifelt zwischen Supermarktregalen stehen und Begriffe wie „Lysolecithin“ googeln würden, hatten wir nicht erwartet. Aber lest selbst! Denn in der 5. Woche der Green WG Challenge ging es um bewussten Konsum und grüne Lügen.

Die letzte Woche begann mit einer Filmvorführung von Werner Bootes Dokumentation „Die grüne Lüge“. Darin geht es um das sogenannte „Greenwashing“. Gemeint ist damit irreführende Werbung, die zum Ziel hat ein Unternehmen in einem umweltfreundlichen Licht erscheinen zu lassen.

Werner Bootes Dokumentation: die grüne Lüge

Nur weil ein grüner Sticker auf einem Produkt klebt, heißt das nicht, dass das Produkt tatsächlich nachhaltig ist. Oft bezieht sich solch eine Kennzeichnung nur auf kleine Bestandteile eines Produkts. Ohne dieses Wissen wird den Käufern jedoch fälschlicherweise das Gefühl vermittelt, dass sie mit ihrer Kaufentscheidung die Umwelt schützen. Eine Branche, auf die der Film besonders eingeht, ist die Palmöl-Industrie. Einige Produkte werden laut Beschriftung mit „nachhaltigem Palmöl“ hergestellt. Die Journalistin Kathrin Hartmann äußert demgegenüber einen kritischen Standpunkt. Nachhaltiges Palmöl klinge zwar toll, bedeutet aber nicht viel. Für Palmöl müsse immer Regenwald abgeholzt werden!

Foto: Film Green Lie wird an der Uni gezeigt

Nachdem der Film zu Ende geschaut und das Licht wieder eingeschaltet war, war der Hörsaal gefüllt mit hoffnungslosen, desillusionierten Gesichtern. Glücklicherweise war Werner Boote vor Ort, um mit uns über den Inhalt seines Films zu diskutieren und vielleicht auch, um uns wieder aufzubauen. Beides ist ihm gut gelungen, sodass jede/r von uns beim Verlassen des Hörsaals überzeugt war, dass die „grüne Revolution“ kurz bevorsteht und es an uns ist, eine Veränderung zu bewirken. Von neuem Tatendrang gefasst ging es nun also auf Stufe 2 der Challenge zu: das Überprüfen unserer Lebensmittel und Kosmetika auf Palmöl.

Warum wird überhaupt massenhaft Palmöl verwendet?

Wir haben uns deshalb zunächst gefragt: Warum wird Palmöl überhaupt verwendet und nicht durch andere Öle ersetzt? Palmöl ist das einzige Öl, das bei normalen Temperaturen einen festen Zustand hat und im Anbau sehr ertragreich ist. Deswegen ist es mit 30 % Anteil das wichtigste Öl, das aus Pflanzen gewonnen werden kann.  Für das Pflanzen der Ölpalmen müssen allerdings tropische Regenwälder abgeholzt werden, wodurch einerseits Biodiversität zerstört, andererseits enorm viel CO2 ausgestoßen wird.

Weg mit dem Palmöl: Großes Ausmisten in Küche und Bad!

Nach der ersten Euphorie, dass in den Zutatenlisten unserer Lebensmittel und Kosmetika kaum das Wort „Palmöl“ zu finden war, wurde uns schnell klar, dass Palmöl unter vielen verschiedenen Namen gehandhabt wird. So mussten wir zuerst einmal herausfinden, welche Bezeichnungen für Palmöl stehen. Hinter Inhaltsangaben wie Cetearyl, Cetyl, Lauryl, Lauroyl und Laurate verbirgt sich beispielsweise Palmöl. Im alltäglichen Gebrauch sind uns zuerst Nutella, Schokolade, Margarine und Knuspermüsli aufgefallen. Komplizierter als unsere Lebensmittel waren aber Kosmetika und Waschmittel. Und besonders bei Schminke waren kaum Produkte ohne Anteile von Palmöl zu finden.

TIPP: Palmölfreie Alternativen gibt es aber mittlerweile einige und die sind mit etwas Recherche im Internet leicht auszumachen!

 Palmölfreie Tage für die gesamte WG

Nach dieser intensiven Vorbereitungsphase war unsere WG also bereit für die Königsdisziplin: ein zweitägiges Palmöl-Verbot für jede von uns! Zumindest in der eigenen Küche und im Badezimmer hatten wir nun den Überblick, welche Produkte von diesem Verbot betroffen waren. Im Supermarkt sah das jedoch ganz anders aus. Das nachhaltige Einkaufen dauerte anfangs zwar länger als gedacht, ist aber gar nicht so schwierig, wenn man den Dreh erst einmal raus hat. Eine große Unterstützung ist zum Beispiel die App „Codecheck“. Die App verfügt über unzählige Produktinformationen, die ganz einfach durch Scannen des Etikettes abgerufen werden können. Wenn man dann erst einmal weiß, wo Palmöl überall zu finden ist, ist der Verzicht gar nicht mehr so schwierig.

Viele der Lebensmittel, die wir selbstverständlich und tagtäglich verwenden, kommen tatsächlich ohne Palmöl aus. Betroffen sind eher die Produkte, die einem beim Kauf ohnehin schon ein schlechtes Gewissen einflößen: Kekse, Schokolade, Chips wurden daher allesamt von unseren Einkaufslisten gestrichen. Trauer kam nur auf, als auch die Spekulatiuskekse wieder aus dem Einkaufskorb ins Regal wandern mussten! Komplizierter waren allerdings die Kosmetika. Zwei Tage auf das Schminken zu verzichten war kein großes Problem, auf langfristige Sicht sollten wir uns dort jedoch nach Alternativen umschauen.

Nach zwei Tagen des strengen Palmöl-Verzichts können wir euch versichern: Anstrengend ist nur, herauszufinden wo überall Palmöl drin steckt. Wenn man das weiß und darauf achtet, ist der Verzicht gar nicht so schwer. Entscheidend ist das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum!

Eure Mogelmotten (Anna, Verena, Caro & Franka)

Foto: Teamfoto der Mogelmotten WG

 

FOTO CREDIT Titelbild: Tobias Tullis, unsplash.com
FOTO CREDIT „Green Lie“: Simon P. Haigermoser, via Flickr

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