Das Paar auf einer Bank während des gemeinsamen Spaziergangs am Wochende

Jeder der schon einmal in einer Fernbeziehung war oder momentan in einer ist weiß: Es is ka Lavendel schnuppern!* Die Distanz von 296 Kilometern zwischen Salzburg und Wien wie in meinem Fall bringt andere Herausforderungen mit sich als eine Beziehung, die täglich spontane Besuche und Unternehmungen erlaubt. Was kann man also tun, wenn die Person, die man liebt, sich auf der anderen Seite des Mondes befindet (denn so fühlt es sich manchmal tatsächlich an)? Man möchte ja keineswegs, dass die Reisekosten, dann aber eher doch die immer größer werdende zwischenmenschliche Distanzierung zueinander der Grund dafür ist, dass die Beziehung in die Brüche geht.

Mein Freund und ich haben es exklusiv für euch ausprobiert (Schmäh, wir sind natürlich aus anderen Gründen in dieser Situation) und ich möchte meine Erfahrungen mit euch teilen, denn trotz der drei-stündigen Entfernung ist unsere Verbindung zueinander besser denn je!

1. Schritt: Sich Klarheit darüber verschaffen, weshalb man in einer Fernbeziehung ist.

Dieser erste Schritt klingt vielleicht zunächst einmal banal, aber in Wahrheit kann er Wunder bewirken. Denn wir Menschen tendieren gelegentlich dazu, uns als Opfer unserer eigenen Lebensumstände zu fühlen. Doch eigentlich sind wir diejenigen, die das eigene Leben gestalten, Entscheidungen treffen und auch jederzeit die Möglichkeit haben etwas zu verändern.

Die Gründe für eine Fernbeziehung sind zahlreich: sei es die Abenteuerlust, die einen zum Studieren ins Ausland zieht, die prinzipiell unterschiedliche Studien- oder Berufsortswahl oder die eigene, vom Partner abweichende Herkunft. Aus meiner Sicht sollte man allerdings in erster Linie klären, ob man selbst prinzipiell mit der eigenen Wohnsituation zufrieden ist, unabhängig von der Fernbeziehung. Denn ein Ohnmachtsgefühl zu haben, kann sich auch negativ auf unsere Beziehungen auswirken.

Gegenüberstellung von seiner und ihrer Kaffeetasse und Handy

Ich habe vor einem Jahr die Entscheidung getroffen, von Wien nach Salzburg zu ziehen, da ich mich hier wohler fühle als in der Großstadt. Anfangs war es schwierig für meinen Freund, diese Entscheidung zu verstehen und er meinte sogar, er könne sich nicht auf eine Fernbeziehung einlassen. Doch wir erkannten, dass die Angst davor in Wahrheit eine Andere war. Wenn eine Beziehung einmal auf einer soliden Basis gründet, dann ist es (zumindest für einen begrenzten Zeitraum) durchaus machbar in unterschiedlichen Städten zu wohnen. Es ist so wichtig, dem Partner / der Partnerin das Beste zu wünschen und ihm/ihr den nötigen Raum für selbstständige Entscheidungen zu geben. Denn letztendlich muss jeder sein eigenes Leben gestalten und wenn sich eine große Veränderung richtig anfühlt, dann sollte man einander dabei unterstützen.

In erster Linie ist es also wichtig, dass jeder in der Beziehung mit dem eigenen Lebensmittelpunkt glücklich ist oder sich zumindest darüber im Klaren ist, weshalb man gerade da lebt, wo man eben lebt. Diese innere Zufriedenheit und Selbstverantwortung wirken sich dann auch positiv auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen aus, denn sie geben uns die Energie, die wir benötigen, um diese auch pflegen zu können (und diese Energie brauchen wir in einer Fernbeziehung mehr als genug!).

2. Schritt: Die Dauer der Fernbeziehung definieren.

Jetzt denkst du wahrscheinlich: „Ja schon klar, aber trotzdem wäre es toll, wenn die auserwählten Lebensmittelpunkte beide dieselben wären!“ Natürlich! Und dafür kann es sehr hilfreich sein, miteinander über die gemeinsame Zukunft zu sprechen. Ich weiß, dass dies einem manchmal echt Angst machen kann, aber ich meine damit jetzt auch nicht, dass ihr anfangen solltet, gemeinsam die zukünftigen in weiter, weiter Ferne liegenden Kinderwünsche zu besprechen und unumstößlich festzulegen. Sondern im Falle einer Fernbeziehung ist es einfach gut sich zu überlegen, wie es denn grundsätzlich weitergehen könnte.

Man sollte erläutern, ob ein Ende der Fernbeziehung überhaupt in Sicht ist. Beispielsweise zu wissen, dass man schon in einem Jahr wieder in derselben Stadt wohnen könnte oder gemeinsam woanders hinziehen möchte, ist schön, denn so können sich beide bereits darauf freuen und sich eine gemeinsame Zukunft überhaupt erst vorstellen. Ob es dann nun wirklich eintritt oder nicht, kann man nie wissen und man sollte sich immer die Freiheit geben die eigenen Pläne auch wieder zu ändern. Aber das Gefühl zu haben, dass man in dieselbe Richtung blickt, kann einem an den Tagen, die schwerer sind als andere (Oh ja die gibt es. Da fühlt man sich so, als müsse man Berge und Flüsse und Meere überkreuzen, um zu seinem Geliebten zu gelangen) Mut geben.

Es erscheint mir also auch hilfreich, wenn man miteinander ein Ende der Fernbeziehung bespricht und festlegt, denn es ist und bleibt doch eine Zwischenlösung? In sehr vielen Beziehungen ist der Wunsch vorhanden, irgendwann einmal Seite an Seite zu leben.

3. Schritt: Besucht einander! Amore.

In unserer Beziehung ist es das Wichtigste, dass wir einander regelmäßig besuchen. Ich habe die Erfahrung gemacht, und das haben mir auch andere mitgeteilt mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, dass man versuchen sollte sich zumindest alle zwei Wochen zu sehen! Wenn der Zeitabstand länger wird, dann kann es schon sehr mühsam werden. Bei einem Auslandssemester ist dies natürlich anders. Da kann man nicht zwei Mal im Monat lässig in den Flieger springen. Aber andererseits ist da die Zeitspanne auch wirklich auf ein halbes Jahr oder ein Jahr begrenzt und man kann schon im Vorhinein gut gemeinsame Kurzurlaube und Besuche planen und so die Sehnsucht nach dem Anderen etwas mildern.

Wenn man zu der Sorte von Mensch gehört, der schon Monate vorher gut seine Wochenenden planen kann und diese Pläne auch einhält, ist es natürlich empfehlenswert, diese Fähigkeit in der Fernbeziehung einzusetzen und frühzeitig mit dem Partner/der Partnerin die gemeinsamen Wochenendbesuche zu fixieren (wir gehören eher nicht so dazu … aber verpeilte Menschen haben eben andere liebenswerte Eigenschaften und außerdem kann man Planen auch lernen und eine Fernbeziehung ist tatsächlich eine tolle Gelegenheit dafür).

Fernbeziehung 2

Bei diesen Besuchen merke ich, wie gut es tut, dem Anderen einfach von alltäglichen Erlebnissen zu erzählen. Einer unserer schönsten gemeinsamen Momente vor Kurzen war, als meinen Freund plötzlich kurz vor dem Einschlafen (ich war echt schon dabei ins Träumedelirium abzudriften) die Erzähllaune packte und er mir alle möglichen lustigen Anekdoten aus seinem Arbeitsalltag freudig mitteilte. Ich bekam so endlich zu verstehen wie es ihm in letzter Zeit wirklich ging und hörte gespannt (wenn auch sehr still und passiv) zu, bis mir schließlich ganz die Augen zufielen.

Zudem sollte man sich bei diesen gemeinsamen Wochenenden nicht den Druck machen, man müsse jetzt die allerschönsten Erlebnisse überhaupt haben, denn schließlich hat man sich ja eh nur so selten. Verständlicherweise kann es in der kurzen Zeit, die man miteinander verbringt, auch vorkommen, dass man sich streitet und möglicherweise sogar im Konflikt auseinander geht. Das ist zwar traurig, aber es ist nicht der Weltuntergang; Auseinandersetzungen gehören eben auch dazu und man sollte sie genauso zulassen, wie wenn man keine Fernbeziehung führen würde.

4. Schritt: Kleine und große Gesten.

Wenn wir allerdings gerade nicht an einem Wochenende gemeinsam Zeit miteinander verbringen können, sondern ich in meinem Studentenalltag vom Seminar zum Nebenjob oder Sportkurs pilgere, dann zaubern mir kurze Handynachrichten von meinem Freund immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Auch knappe Gute-Morgen-Wünsche oder ein kurzer Anruf am Abend vor dem Schlafen gehen tun so gut. Man fühlt sich wertgeschätzt und man merkt, dass der Partner an einen denkt.

Eine Fernbeziehung bringt diesbezüglich außerdem auch ganz tolle Möglichkeiten mit sich, denn man kann auch Mal etwas Ausgefallenes tun und seinem Freund / seiner Freundin eine Postkarte schicken oder einen Brief schreiben. Solche kleinen Gesten lassen einen die Distanz schon viel besser verkraften. Und das i-Tüpfelchen des Ganzen sind dann die Überraschungsbesuche (nur wenn’s klappt natürlich …)! Vor kurzem hatten wir unser drei-jähriges Kussjubiläum und ich meinte zu ihm während des Telefonats, ich könne gerade nicht so gut quatschen, denn ich würde gleich bei einem wichtigen Vortrag zuhören. Doch tatsächlich saß ich im Zug nach Wien und hatte panische Angst er könnte die Schaffner-Durchsage hören. So stand ich dann zwei Stunden später vor meinen verblüfften, glücklichen Freund.

5. Schritt: Die Vorteile erkennen.

Und zu guter Letzt sollte man die Vorteile einer Fernbeziehung wahrnehmen. Eine Fernbeziehung zu führen ist nicht nur eine mühselige Angelegenheit, sondern auch eine unglaubliche Chance. Der Abstand voneinander ermöglicht es einem, eine enorme Selbstständigkeit zu entwickeln, denn man hat viel Zeit sich damit auseinanderzusetzen, was man selbst eigentlich möchte und was einen glücklich macht. Natürlich geht das in einer normalen Beziehung auch, aber uns hat die Distanz sehr gutgetan. Man hat außerdem mehr Zeit um Freundschaften zu pflegen, sich auf sein Studium zu konzentrieren oder seinen eigenen Hobbies nachzugehen.

Das Paar beim Händehalten

Außerdem stärkt es die Kommunikation zum Partner, denn wie man sich vorstellen kann, ist es gar nicht so einfach, auf großer Distanz jene nicht auf der Strecke zu lassen! Es ist, wie bereits erwähnt, beispielsweise auch nicht immer so einfach Wochenendtermine zu koordinieren. All diese Herausforderungen erfordern gegenseitiges Einfühlungs- und Zuhörvermögen, Verständnis für den Anderen, organisatorisches Talent und eine Prise Humor und Leichtigkeit.

Also klopft euch ruhig gegenseitig auf die Schulter bei eurem nächsten Zusammentreffen! Eine Fernbeziehung is ka Lavendel schnuppern, aber es ist voll machbar und sehr wohl auch eine große Bereicherung!

Eure Anna

Anna K

Anna K. war schon überall zu Hause: in Holland, Hong Kong, Singapur, Steyr, Wien und jetzt ist sie hier in Salzburg gelandet und fühlt sich pudelwohl. Wenn sie nicht gerade leidenschaftlich Kunstgeschichte studiert, verbringt sie ihre Zeit mit Yoga, Singen, Lesen, Kochen, in der Natur oder mit ihren Liebsten.

*Erklärung zu „Es is ka Lavendel schnuppern“: Diesen Ausdruck verwendet meine Kusine immer, wenn sie meint, dass im Leben eben nicht immer alles so läuft, wie man sich das vorstellt und es manchmal nicht so einfach ist. Es ist eine andere Version des bekannteren Ausdrucks: „Das Leben ist kein Ponyhof“.

Foto Credit: Hannah Gegenhuber

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