Road Trip durch Island

Góðan daginn! Ég heiti Marlene.

Montag, 3. September

Ich habe mich spontan dazu entschieden, Isländisch zu lernen. Diese Sprache sprechen weltweit schließlich 300.000 Menschen.

Heute ist der erste Tag an der Uni in Akureyri. Der Icelandic Language Kurs beginnt um 11:45 Uhr und dauert nicht ganz zwei Stunden. Er findet zwei Mal wöchentlich statt. Da Isländisch von der germanischen Sprache abstammt, ähneln sich viele Wörter. Meine tschechische Freundin Tyna tut sich deshalb schwerer.

Nach dem anstrengenden Uni-Tag schlafe ich ein paar Stunden, weshalb ich am Abend putzmunter bin und mich mit unserem Hausmeister unterhalte. Ich frage ihn, wann denn die Nordlichter zu sehen sind. Er antwortet mir mit: “Do you think I have them in my pockets?” Weiter erklärt er mir: “Even the smartest person asked me like when we Icelandic people turn on the northern lights.” Sie seien nämlich immer und von überall zu sehen. Man müsse, wenn es dunkel ist, nur in den Himmel schauen. Also mache ich das, sehe aber leider nichts. Ich gehe also wieder ins Bett.

Sólvellir Family <3

Dienstag, 4. September

Heute schaue ich mir zwei Kurse an. In einem davon haben wir einen Professor, der ursprünglich aus Deutschland kommt. Es ist der Professor, der mich bei meiner Bachelorarbeit unterstützen wird. Da ich das Verhalten der Informationsbeschaffung von isländischen mit dem der österreichischen Studierenden vergleichen möchte, werde ich in Island Interviews durchführen.

Da der zweite Kurs erst am Nachmittag ist, warten die zwei Tynas, Peter und Jakob – allesamt aus Tschechien – und ich auf einer Couch. Sie erzählen mir vieles aus ihrem Land. Zum Beispiel, dass es bei ihnen üblich ist, dass jeder mehr als nur einen Spitznamen hat und dass Namenstage genauso gefeiert werden wie Geburtstage.

Später gehen Tyna und ich zum Yoga. Die Uni bietet dies kostenlos an. Die Yoga-Lehrerin spricht meist auf Isländisch, aber übersetzt auch vieles auf Englisch – extra für uns beide. Obwohl es kostenlos ist, sind wir nur acht Leute. Danach gehen wir entspannt in den zweiten Kurs International Relations.

Am Abend wird im Studentenhaus Uno gespielt. Mittlerweile sind wir die Sólvellir Family. Wir verstehen uns alle sehr gut und ich denke, alle fühlen sich wohl :). Ein paar Menschen habe ich schon besonders in mein Herz geschlossen. Später kommen noch Roberto aus Italien und Peter und Jakob zu uns.

Morgen ist Lindas Geburtstag, also gehen wir in eine Bar. Dort treffen wir uns mit ein paar anderen Erasmus-Studierenden. Viele aus Deutschland. Es gibt wieder Freibier, weil es eine Uni-Veranstaltung ist. In einem Land, in dem man beim Fortgehen acht bis zwölf Euro für ein Bier bezahlt, muss man solche Aktionen echt ausnützen. Um 22 Uhr singen wir für Linda Happy Birthday, da es in Österreich Mitternacht ist.

Eines müssen die Isländer lernen: Feiern. Um Mitternacht Ortszeit schließt das Lokal. Wir sind uns alle einig und beschließen, in den nächsten Monaten viele Hauspartys zu schmeißen. Wir gehen noch zu unserem Haus, bleiben aber nicht mehr lange auf, da morgen einige früh auf die Uni müssen.

Morgen feiert Linda ihren Geburtstag. Sie lädt deshalb noch einige andere Erasmus-Studenten zu unserem Haus ein. Vorfreude <3  Es wird einen ausführlichen Bericht darüber geben…

Das ist momentan einer der populärsten Songs in Island und wird in jeder Bar gespielt:

Sachertorte in Island

Mittwoch, 5. September

Heute ist Lindas Geburtstag. Am Abend steigt deshalb eine Party in unserem Studentenhaus. Ihr Lieblingskuchen ist Sachertorte, also backen wir ihr eine. Sie sieht zwar nicht wie eine Sachertorte aus, aber sie schmeckt. Außerdem bekommt sie von uns eine Kaffeetasse und eine Wintermütze.

Sachertorte

Es sind noch viele andere Erasmus-Studenten eingeladen, weshalb das Haus ziemlich voll und auch laut ist. Gunnar, unser Mitbewohner und ein Freund des Vermieters, ist nicht sonderlich erfreut darüber, weshalb wir die Feier um 2 Uhr beenden.

Wir hatten trotzdem viel Spaß und wir sind uns sicher: Die nächste Party kommt bestimmt!

Home Sweet Home

Donnerstag, 6. September

Gestern ist es dann doch noch etwas länger geworden, weshalb der Isländisch-Sprachkurs besonders lustig ist.

Nach der Uni besorgen Tyna und ich uns etwas zu essen und beschließen eine Pizza zu zaubern. Wir gehen also zu Netto (neben Bonus auch ein – für isländische Verhältnisse – günstiges Lebensmittelgeschäft). Die Pizza schmeckt hervorragend und dann schauen wir ein paar Folgen von Tynas Lieblingsserie Friends – auf Englisch, denn sie versteht kein Deutsch und ich kein Tschechisch.

Am Abend spaziere ich durch Akureyri und kann ein paar schöne Fotos schießen. Aber schaut selbst:

Vorfreude auf Roadtrip

Freitag, 7. September

Nach der Uni und dem Seminar Modern Studies gehe ich laufen. An der Küste und bei warmen Temperaturen ist dies einfach nur herrlich.

Am Abend sind wir auf einer Hausparty bei den Erasmus-Studenten, die bei Lindas Geburtstagsfeier bei uns waren, eingeladen. Ich freue mich darauf. Es darf aber nicht zu lange werden, da wir morgen um 8 Uhr auf einen zweitägigen Roadtrip Richtung Westisland aufbrechen. Wir schlafen in einem Airbnb Hostel. Ich bin schon so gespannt darauf und freue mich ehrlich, wieder mehr von diesem atemberaubenden Land zu sehen!!!

Ich habe mich verliebt…

Samstag, 8. September

Suchst du einen Ort, an dem du Ruhe findest, viel Zeit zum Nachdenken bekommst und dabei eine Aussicht hast wie im Bilderbuch? Dann komm nach Island. Sogar diese Beschreibung ist noch untertrieben.

Es ist um mich geschehen. Ich habe mich verliebt – und zwar in dieses Wahnsinnsland. Um 8 Uhr beginnt unser Roadtrip. Ziel: Snaefellsjökull im Westen Islands. Unser erster Stopp ist das Dorf Glaumbaer aus dem 19. Jahrhundert. Dort sehen wir, wie die Isländer vor 100 Jahren lebten.

Es geht weiter in Richtung Westen und wir sehen wie Menschen ihre Schafe “einsammeln”. Ich weiß nicht genau, was der Hintergrund ist, aber vermutlich müssen die Tiere wieder einmal geschoren werden. Woher sonst kommen die original Isländer Pullover?

Bild Schafe einsammeln

Um einen versteinerten Troll soll es sich laut einer isländischen Sage bei unserem nächsten Halt – nämlich beim Hvitserkur – handeln.

Auf der Weiterreise mache ich eines meiner schönsten Fotos, wie ich finde. Und zwar von einem Leuchtturm. Aber schaut selbst.

Leuchtturm

Der Berg Kirkjufell mit dem nahe gelegenen Wasserfall ist unser nächstes und auch letztes Ziel für heute.

Berg Kirkjufell mit Wasserfall

Spät abends kommen wir bei unserem Guesthouse Westpark in Hellissandur an, wo wir die Nacht verbringen. Direkt an der Küste, wo weit und breit einfach nichts ist. Nur wir und unser Glück hier sein zu dürfen. Wir kochen gemeinsam Spaghetti und lassen den Abend im Spieleraum ausklingen.

Seehunde in Sicht!

Sonntag, 9. September

Um 10 Uhr morgens geht’s weiter. Die Straße führt uns zum nächsten Leuchtturm ganz in orange an der Klippe Saxholsbjarg.

Leuchtturm an Klippe Saxholsbjarg

Der traumhafte Skardsvik Beach erinnert an den Süden. Mal abgesehen davon, dass es nieselt. Es hat schon was, wenn man vor einem Meer steht, es aber Temperaturen um die acht Grad hat, du dem Wasser lauscht mit Mütze und Regenjacke und den Wellen zuschaust. Ich kann es noch immer nicht fassen, welch faszinierende Orte ich hier sehe.

Skardsvik Beach Skardsvik Beach

1948 kenterte das Schiff Epine GY 7 im Osten von Dritvik. Am Grimsby Strand sind bis heute die Überreste des Fischdampfers zu finden.

Schiffreste am Grimsby Strand

Die Skulptur Bardur Snaefellsas ist unser nächster Halt. Leider nicht fotografierbar, weil zu viele Chinesen davor posen.

Wir kommen zu meinem absoluten Favoriten unseres Roadtrips. Der Raudfeldar Canyon. Es ist ein Berg, der an einer Stelle in zwei Teile gespalten ist. In dieser Spalte befindet sich ein kleiner Wasserfall, auf den man hinauf klettern kann.

Raudfeldar Canyon

Unser nächstes Ziel ist eine kleine schwarze Kirche in Budir.

Kirche in Budir

Und dann wird es richtig süß. Wir sehen Seehunde! Am Ytri Tunga Strand erblicken wir die niedlichen Tiere beim Sonnenbaden. Chloe konnte Fotos aus nächster Nähe machen. Wir müssen leise sein, damit wir sie nicht stören. Wir sitzen einfach nur da und beobachten die wunderschönen Tiere.

Seehunde am Ytri Tunga Strand Seehunde am Ytri Tunga Strand

Die Jungs und Yvonne gehen baden in einem nahe gelegenen Geysir. In der Zwischenzeit erzählt mir Chloe von Frankreich und was es für sie bedeutet, hier in Island zu sein. Auch sie genießt die Ruhe, die man nirgendwo sonst finden kann. Momentan möchte keiner von uns nach Hause zurück. Aber das kann man wohl nur verstehen, wenn man selbst sieht, was dieses Land für einen bereithält.Jungs auf dem Weg zum Geysir

Der Geysir ist der letzte Stopp unseres Roadtrips. Nun fahren wir vier Stunden zurück nach Akureyri. Wir können es kaum fassen, was wir in den letzten zwei Tagen alles gesehen haben.

Auf dem Weg nehmen wir zwei Tramper ein Stückchen mit. Die zwei Jungs sind aus Kärnten und ich freue mich, dass ich wieder ein bisschen Österreichisch sprechen kann. Sie campen und schlafen, wo es ihnen gerade taugt. Sie erzählen uns, dass sie am Mittwoch in Keflavik (Internationaler Flughafen) angekommen sind und es nur per Anhalter bereits bis in den Norden geschafft haben. Durchschnittlich warten sie etwas 15 bis 20 Minuten bis ein Auto anhält.

Ihr kennt das Klischee über Franzosen bestimmt, dass sie nicht gerne eine andere Sprache als ihre eigene sprechen. Und was soll ich sagen, ich kann dieses Klischee zu 100 Prozent bestätigen. Yvonne und ich sind bei unserem Roadtrip die einzigen Deutschsprechenden. Adrien, Chloe, Serena und Quentin sind aus Frankreich. Und Andrii aus der Ukraine. Ihr könnt euch also vorstellen, wie oft Englisch gesprochen wurde. Deshalb habe ich auf unserer Rückfahrt mit Quentin gewettet, dass er es nicht schafft, auf der Heimfahrt kein einziges französisches Wort zu sprechen. Schafft er es doch, bekommt er von mir drei Tafeln Schokolade, schafft er es nicht, muss er mir was zu trinken ausgeben. Ich war mir sicher, dass ich gewinnen würde. Leider habe ich mich getäuscht und er hat es tatsächlich mehr als zwei Stunden ohne seine Landessprache ausgehalten. Das Klischee wurde also doch nur zu 99 Prozent bestätigt. 🙂

Um halb elf zu Hause angekommen, falle ich ins Bett und träume von den schönen Dingen, die ich gesehen habe.

Kaiserschmarren für alle!

Montag, 10. September

Unser ukrainischer Mitbewohner Andrii, der übrigens der Fahrer auf unserem Roadtrip war, kennt sich mit der isländischen Sprache bereits ein wenig aus. Also hilft er mir, diese ein bisschen mehr verstehen zu lernen. So bedeutet „hilla“ in Deutsch Regal. Ausgesprochen wird es wie /hitla/. Fügt man dann noch hinzu, dass es sich um ein ganzes Regal handelt, so sagt man „heil hilla“, also /heil hitla/. Dies sei ein gängiger Joke in Island, wie mir Andrii erklärt.

Kaiserschmarren für alle

Abends bin ich an der Reihe, für uns alle zu kochen. Es soll etwas traditionell Österreichisches sein. Zuerst dachte ich an Schnitzel, aber dann habe ich mich doch für Kaiserschmarren entschieden. Und natürlich: Alle lieben es! Danach spielen wir ein paar Runden Karten. Quentin aus Frankreich ist auch da. Er wartet schon sehnsüchtig auf die Schokolade.

Miss you

Mittwoch, 12. September

Ich wache auf und vermisse ein bisschen mein Leben zuhause. Vor allem meine Freunde. Also beschließe ich zur Küste zu spazieren. Hier kann ich über alles in Ruhe nachdenken. Wenn man so viele Eindrücke in so kurzer Zeit gewinnt, fällt es einem schwer zu realisieren, welches Glück man hat so etwas erleben zu dürfen. Es ist nicht selbstverständlich, aber ich weiß es auch wirklich zu schätzen.

Mittwochs habe ich keine Uni, also lerne ich für den isländischen Sprachkurs. Als Hausübung müssen wir einen kleinen Text schreiben in dem wir uns selbst beschreiben und unsere Familienmitglieder. Mir fällt es leicht, die isländische Sprache zu lernen. Sie sieht auf den ersten Blick zwar kompliziert aus, aber sie ist nicht schwer zu verstehen. Unser Hausmeister hilft uns, wie man gewisse Wörter richtig ausspricht. Außerdem verspricht er uns, dass, wenn die Nordlichter zu sehen sind, er uns mit seinem Auto in einen nahegelegenen Wald fährt. Ja, es klingt ein wenig verrückt, aber wir vertrauen ihm. Island ist nicht umsonst das sicherste Land der Welt 😉

Abends spielen wir alle gemeinsam Uno. Mein Talent für dieses Spiel lässt zu wünschen übrig.

Ich quatsche noch lange mit Tyna über unsere Leben und Lieben. Ich bin wirklich froh, dass ich sie habe, denn es hilft mir sehr, nicht zu viel darüber nachzudenken, dass ich meine Menschen zu Hause vermisse.

Danach ist es Zeit für’s Bett.

Gute Nacht :-*

Geburtstagsessen bei einer isländischen Familie

Donnerstag, 13. September

Heute Abend sind Linda, Ane und ich bei Pia, einer Mitarbeiterin der Bücherei der Universität, zum Essen eingeladen. Ich freue mich schon sehr darauf. Linda war bereits dort, als ich am Wochenende unterwegs war, und sie sagte mir, dass sie eine unglaublich liebe Familie sind.

Marlies, die Austauschschülerin die bei Pia wohnt, ist – wie gesagt – aus Österreich und hatte diese Woche Geburtstag. Wir sind die Überraschungsgäste und werden mit ihr feiern.

Pia traf ihren Mann als sie ein Jahr als Au Pair in Island lebte. Sie lernte ihn um 3 Uhr morgens in einer Diskothek kennen, wie sie uns erzählte.

Bin schon sehr gespannt auf die original isländische Familie.

Gastfreundlich, herzlich, offen – wenn bloß alle Menschen so wären…

Freitag, 14. September

Simon, Pias Sohn, holte Linda, Ane und mich gestern von zu Hause ab. Die Familie wohnt nur  fünf Minuten entfernt. Pia ist aus Schweden und wie ich euch bereits erzählt habe, lernte sich das Paar bei Pias Au-Pair-Aufenthalt in Island kennen. Nun haben sie zwei Kinder, die – genauso wie die Eltern – wirklich wahnsinnig nette, offene und herzliche Menschen sind.

Wir gratulierten Marlies zum Geburtstag – sie wird heute 16 – und wir bekamen Pasta zu Essen. Danach noch Marlies Lieblingskuchen – ein isländischer Schokokuchen. Besser als Sachertorte, das kann ich euch sagen. Der Vater erzählte uns Geschichten von früher und, dass es 2012 zur gleichen Zeit bereits einen Meter Schnee hatte. Es war ein harter Winter. Am schlimmsten sind die Monate Jänner und Februar in Island, wie er uns erklärt. Am Wochenende geht er auf die Jagd, unter anderem auf Rentiere, mit ein paar Freunden. Dies sei erforderlich, da es sonst zu viele geben würde.

Er erklärt uns auch, wozu das Schafe einsammeln gut ist. Leider hat dies einen traurigen Hintergrund. Die Schafe werden zu einem Schlachthof gebracht, wo die Bauern die Bezahlung erhalten und die Schafe getötet werden. Dabei kann jeder Bauer selbst bestimmen, wie viele er von den Tieren abgeben will und wie viele er wieder zurück auf die Weide lässt.

Das Haus ist überaus gemütlich eingerichtet. Da und dort brennen Kerzen und man fühlt sich richtig wohl. Das soll auch so sein, denn im Winter verlassen die Isländer nur selten das Haus, wie uns der Vater berichtet.

Pia bringt uns nach Hause und sie lädt uns zu einer weiteren Feier am Samstag ein. Da kommen ihre Freunde – etwa 40 Personen und ausschließlich Frauen –, weshalb sich der Ehemann wohl auf die Jagd begibt. Ich überlege zur Feier zu kommen. Ich dürfe auch eine Freundin mitnehmen. Ich denke, ich muss nicht mehr hinzufügen und ihr wisst Bescheid, dass Isländer eines der gastfreundlichsten Völker sind.

Freitagabend steht das Pub Quiz für Erasmus-Studierende an. Zum Vorglühen trinke ich ein Polar Beer. Da im Pub keine Musik spielt, beschließen wir weiter zu ziehen. Im Endeffekt landen wir wieder in der bereits bekannten Diskothek Pósthúsbarinn mit der schlechten Musik. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass es mit den Clubs in Island nicht mehr besser wird.

Es fällt mir nicht schwer früher nach Hause zu gehen, da wir morgen wieder einen Roadtrip starten. Wir fahren mit zwei Autos und dabei sind Adrien und Quentin aus Frankreich, Tyna, Kristyna, Jakob und Peter aus Tschechien und Roberto aus Italien.

Roadtrip the 3rd

Samstag, 15. September

Um 9 Uhr starten wir unseren dritten Roadtrip. Auf dem Weg halten wir an einer Stelle, an der es uns besonders gefällt. Wir wandern entlang eines Weges und stoppen an einem Schild, das anzeigt, dass es sich um einen Privatweg handelt. Roberto beschließt beim einzigen Haus weit und breit zu läuten, um die Leute zu fragen, ob wir den Weg nützen dürfen. Die Bewohner dieses Hauses sind verblüfft, Menschen zu sehen und sagen uns bloß, dass wir vorsichtig sein sollen. An der Küste angekommen, breitet sich vor uns der Ozean aus. Der Ausblick ist atemberaubend. Das Ende der Welt scheint vor uns zu liegen.

Auf dem Weg zur Küst Arctic Ocean Arctic Ocean

Der nächste Halt ist der Ásbyrgi Canyon. Er ist Teil des Jökulsárgljúfur-Nationalparks in Nordisland. Und ich weiß, dass ihr nicht den vollständigen Namen des Nationalparks gelesen habt. Aber es ist okay, denn ich schätze, nur die Isländer selbst haben eine Ahnung, wie man diesen Namen ausspricht. Die ungewöhnliche Schlucht entstand durch drei besonders starke Gletscherläufe. Dies ereignete sich nach Ausbrüchen der Vulkane Kverkfjöll oder Bárðarbunga … whatever. Der erste Ausbruch fand vor ca. 4000 Jahren statt. Und nicht, dass ihr denkt, dass ich das alles weiß. Nein, nein, Wikipedia steht mir stets zur Seite.

Ásbyrgi Canyon Ásbyrgi Canyon

Auf dem Weg halten wir wieder an einem Strand, da es uns dort gefällt. Die Jungs beschließen, im Arktischen Ozean schwimmen zu gehen. Bei einer Außentemperatur von sechs Grad Celsius ist das vielleicht nicht die beste Idee, aber sie können nun eine Sache von ihrer Bucketlist streichen.

Swimming in the Arctic Ocean

In Raufarhöfn, einem der abgelegensten und nördlichsten Dörfer Islands, liegt unser nächstes Ziel: die Arctic Henge Heimskautsgerði. Wie der Name schon andeuten lässt, erinnert dieser Ort an Stonehenge. Eine riesige Sonnenuhr also. Heimskautsgerði hat seine Wurzeln in den Gedanken des Erfinders Erlingur Thoroddsen über die Möglichkeit, endlose Ausblicke zu nutzen, wo nichts den Horizont und die Mitternachtssonne versperrt.

Wir besuchen das Bustarfell Museum. Dort sehen wir, wie die Isländer um 1500 gelebt haben. Das Haus war bis 1966 bewohnt. Die Zimmer sind nicht besonders hoch, was heißt, dass die Menschen sehr klein gewesen sein müssen. Ich habe allerdings gut Platz, bin ja auch nicht die Größte.

Bustarfell Museum

Ein ganz besonderer Moment für mich: Ich beschließe selbst das Lenkrad in die Hand zu nehmen. In Island ist es erlaubt nur 90 km/h zu fahren. Es fällt mir schwer, die Geschwindigkeit zu halten, wenn vor einem eine Straße liegt, die so scheint, als gehöre sie nur dir alleine. Ich liebe es! 🙂

Krafla

Es geht weiter nach Krafla. Dabei handelt es sich um ein Vulkansystem von circa 100 km Länge. Es riecht wieder nach faulen Eiern und der Wind zwingt mich, schnell ein Foto zu machen und gleich wieder zurück ins Auto zu springen. Wir fahren ein paar Meter weiter und versuchen es erneut. Der Wind ist hier nicht mehr so stark, also gehen wir los. Wir kommen zu einer Landschaft, wo hier und da Rauch vom Boden aufsteigt. Der Ort heißt Krafla Lava Fields und befindet sich in Myvatn. Mittlerweile ist es schon so spät, dass wir den Sonnenuntergang sehen können. Einfach Wahnsinn, aber schaut euch die Fotos an.

Krafla

Als wir zurück zum Auto kommen, sind wir alle durchgefroren. Ab nach Hause!

Zu Hause angekommen sehen wir zum ersten Mal die Nordlichter. Nicht sehr gut, da es sehr wolkig ist, aber nichts desto trotz ist es einfach nur magisch. Sie bleiben nicht lange aber meine Vorfreude, sie bald nochmal zu sehen, ist dadurch noch mehr gestiegen.

The Hardest Karaoke Song in the World.

Besuch aus Salzburg

Sonntag, 16. September

In den nächsten Monaten kommen Freunde von mir zu Besuch. Deshalb frage ich unseren Hausmeister wegen den Bussen, die von Reykjavik nach Akureyri fahren. Er erklärt mir, es sei am besten ein Auto zu mieten, um nach Akureyri zu kommen. Die Car-Rental-Unternehmen hätten den Busorganisationen in den Ruin getrieben, sodass beispielsweise donnerstags gar kein Bus nach Akureyri fährt. Es gibt außerdem noch die Möglichkeit zu fliegen. Teilweise sogar günstiger als der Bus (ca. 80 Euro).

Abends gehen wir zum Running-Sushi-Restaurant. Serena, Adrien, Quentin, Yvonne, Lasse aus Deutschland und Jeffrey aus Amerika (ebenfalls Erasmus-Studierende). Wir zahlen für 10 Portionen umgerechnet 25 Euro. Danach verschlägt es uns noch ins Backpackers. Ich habe das Gefühl, dass dieses Pub bereits mein zweites Zuhause ist.

Als wir zurückkommen, empfange ich Freunde von Linda und mir aus Österreich. Das sind Maria, Iris und Lisa. Sie bleiben bis Donnerstag. Es ist total ungewohnt für mich wieder Österreichisch zu reden. Ich freue mich, dass sie da sind und dass sie ein bisschen Salzburg-Feeling nach Island bringen.

Winter is coming

Montag, 17. September

Heute wage ich es. Ich gehe shoppen. Ein Pullover und eine Hose um umgerechnet über 100 Euro. Und bevor ich mir einen Kredit aufnehmen muss, beschließe ich, dass ich das wohl lieber wieder sein lasse.

Andrii lässt uns eine typische isländische Süßigkeit namens Djúpur kosten. Sie schmeckt wie Lakritze, also nicht gut.

Sweet_Djúpur

Abends ist Elody mit Kochen dran. Es gibt daher eine belgische Spezialität. Boulette Sauce Lapin heißt es und es ist mega lecker. Danach spielen wir Uno mit den Salzburger Mädls, um die Zeit bis Mitternacht totzuschlagen. Wir fahren mit dem gemieteten Auto zur Universität, um möglicherweise die Nordlichter zu sehen. Leider haben wir kein Glück, da es zu wolkig ist.

Kochen

Danach erhalten wir eine Wetterwarnung. In den nächsten Tagen soll es schneien. Und nicht wenig. Wie Linda sagte, als wir nach Island geflogen sind: „Unser Sommer war zwar kurz, dafür wird unser Winter jetzt umso länger“. Ich weiß nicht, ob ich dafür schon bereit bin.

Whale Watching? Never again!

Dienstag, 18. September

Okay, ich dachte immer, dass es in Island nichts Schlechtes geben kann und dass ich nur schöne Sachen erleben werde. Ich glaubte wirklich daran. Bis heute. Denn heute waren wir Whale Watching. Und Wale werde ich von nun an mit dem schlimmsten Tag meines Lebens in Verbindung bringen. Aber ich fange von vorne an.

Die Wellen sind heute besonders stark, sagen sie uns, als wir in Husavik ankommen. Sie fragen uns, ob wir es wirklich machen wollen. „Natürlich.“ Wir sind schließlich extra dafür hierhergekommen. Wir bekommen Tabletten, die den Wellengang etwas erträglicher machen sollen. Wir bekommen zwei Overall, damit wir trocken bleiben. Endlich geht es los und das Schiff legt ab. Wir freuen uns ehrlich darauf. Diese Freude hält nicht lange an.

Linda, Maria, Iris, Lisa, ich und geschätzte 30 weitere Passagiere sind an Board. Falls wir uns übergeben müssen, gerne ins Meer, denn die Tiere sind hungrig, so die Dame von Gentle Giants – dem Unternehmen die diese Bootsfahrten anbietet. Ich merke schon, wie der Wellengang immer stärker wird, aber es ist erträglich. Nach einer halben Stunde ist auch die Küste fast nicht mehr zu sehen und der Erste nimmt den Ratschlag wahr und übergibt sich ins Meer hinein. Ja, schön langsam merke ich, wie auch mir ein bisschen unwohl wird.

Whale Watching

Der Wellengang wird immer stärker und es dauert nicht lange und wir bekommen eiskaltes Meerwasser ins Gesicht. Immer mehr Menschen rennen zum Rand des Schiffes, um sich zu übergeben. So auch Linda. Dann Iris. Und dann Lisa. Ein Friendship-Goal soll es sein, sich gemeinsam zu übergeben, so tun Iris und Linda dies auch. Und nach langem Ringen mit mir selbst schließlich auch ich. Nun stehen wir da in einer Reihe und wechseln uns ab, nicht dass die andere nebenan noch etwas abbekommt. Die einzige, die durchhält, ist Maria. Und dafür verdient sie echt einen Orden.

Ich war mir nicht sicher, ob meine Schuhe wasserfest sind. Jetzt weiß ich es. Nein, sie sind es nicht. Und auch die beiden Overalls haben nicht gehalten. Wir sind durch und durch nass.

Wir sehen zwar Wale, aber wir wollen einfach nur wieder festen Boden unter unseren Füßen spüren.

Nach drei Stunden legt das Schiff wieder an und der Albtraum ist zu Ende. Eigentlich wollten wir noch weiter zu einem Wasserfall und Hotpot, doch wir bevorzugen es nach diesem Horrortrip nach Hause zu fahren.

Ein Erlebnis, das mit Sicherheit nicht so schnell vergessen wird.

Die erste Prüfung

Mittwoch, 19. September

Während ihr in Salzburg noch die Sommerferien genießt, schreiben wir bereits unseren ersten Test in International Relations. Dafür müssen wir aber nicht in die Uni, sondern die Prüfungen sind online abzulegen.

Später gehe ich mit Tyna in den Book-Store, da wir unseren isländischen Wortschatz für den Kurs Icelandic Language aufbessern sollen. Wir sammeln 15 Wörter und eine Phrase.

Salzburger Mädls_Backpackers

Wir nutzen die Happy Hour von 17:00 bis 19:00 Uhr im Backpackers. Gemeinsam mit den Salzburger Mädls verbringen wir einen lustigen Abend, der in unserem Haus fortgesetzt wird. Leider reisen sie morgen schon wieder ab.

Dumpster Diving in Island

Donnerstag, 20. September

Die Mädls brechen früh morgens Richtung Reykjavik auf. Dort werden sie ihren letzten Abend noch in der Blue Lagoon – wo auch Linda und ich waren – verbringen.

Linda findet nebenbei 5000 Isländische Kronen auf der Straße. Umgerechnet sind das fast 40 Euro oder eine Zwei-Tages-Ration an Käse, denn Käse ist – unserer Meinung nach – das teuerste Lebensmittel in Island überhaupt.

Lebensmittel sind generell viel zu überteuert. Einige aus unserem Studentenhaus haben es bereits öfters gemacht und sparen sich damit viel Geld. Als es also dunkel wird, gehen wir Dumpster Diving. Ein bisschen unwohl ist mir schon dabei. Jedoch bin ich mehr davon bestürzt, welche Mengen an gutem Essen verschwendet und einfach weggeschmissen werden.

Am Abend schauen wir den Film Jackass.

Der Fitnessraum an der Uni kann gratis genützt werden. Ich beschließe morgen hinzugehen. Vielleicht werde ich in Island ja noch zu einer richtigen Sportskanone 😉

Wenn Minions sackhüpfen…

Freitag, 21. September

Tyna und ich zahlen im Büro der “Student Union” 2500 Isländische Kronen. Das sind umgerechnet 20 Euro. Mit diesem Beitrag erhalten wir das gesamte Semester unter anderem gratis Essen und Getränke bei Uni-Veranstaltungen und Kaffee im Büro der Kumpáni (das bedeutet möglicherweise Sozialwissenschaften auf Isländisch). Ein guter Preis also. Wir sind nun auch in die Facebook-Gruppe aufgenommen worden. Allerdings ziemlich überflüssig für uns, da alle Informationen und Veranstaltungen auf Isländisch geschrieben sind.

Am Nachmittag gehen Linda und ich zum „besten Event des Jahres“ namens Sprellmóti. Dies wird von der Uni aus veranstaltet. Die Studierenden jeden Studiengangs tragen ihr eigenes Kostüm. Es erinnert mich an die Faschingszeit in Österreich. Noch kurioser wird es, als verschiedene Spiele gespielt werden, wie zum Beispiel Sackhüpfen. Adrien – der Recht studiert – ist als Minion verkleidet und – genauso wie alle anderen Studierenden – bereits ziemlich angeheitert, als wir ankommen. Linda und ich beschließen deshalb wieder nach Hause zu gehen. Auf dem Weg machen wir einen Stopp beim Subway. Das erste Fastfood-Essen seit Wochen.

Danach sitzen wir uns im Haus zusammen, um möglichst auf das gleiche Level zu kommen, wie die Studierenden an der Uni, die bereits seit Mittag feiern. Später geht‘s wieder in die wohl einzige Diskothek weit und breit. Dort treffen wir auf die anderen. Die Musik ist diesmal Gott sei Dank ein bisschen besser.

Einmonatiges Jubiläum !

Samstag, 22. September

Heute vor einem Monat sind Linda und ich aufgebrochen. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht und dennoch kommt es mir vor, als würden wir schon länger in dem Haus wohnen und als würde ich die Menschen schon mein Leben lang kennen.

Tyna, Linda und ich gehen zum Book-Store. Dort filmen wir uns gegenseitig, wie wir auf Isländisch Postkarten und Briefmarken kaufen. Das Video ist zwar ziemlich lustig, ihr bekommt es aber trotzdem nicht zu sehen 😛

Abends – natürlich auf die letzte Minute – machen wir noch die Hausaufgabe für Modern Studies. Und ja, wir haben eine Menge Hausaufgaben. Teilweise komme ich mir vor wie in der Hauptschule. Zur Belohnung gibt’s dann einen Sekt zusammen mit Yvonne und wir spielen wieder Uno.

Uni bei Nacht

Sonntag, 23. September

Ich gehe mit Linda laufen. Es ist zwar kalt, aber die Sonne scheint. Neben der Küste und den vom Schnee angezuckerten Bergen ist es einfach nur herrlich. Nach dem Sport gönnen wir uns eine Pizza von Dominos.

Am Nachmittag telefoniere ich mit zwei Freunden. Und ich weiß, dass ich die besten habe, als mir meine Freundin sagt, dass sie mir ein Paket schicken wird, mit nur bestem Inhalt.

Ich fühle mich zwar richtig wohl hier, aber ich vermisse das Leben in Salzburg so sehr. Und ich weiß, dass es bestimmt noch schlimmer wird, spätestens wenn meine Freunde zu Hause anfangen auf den Christkindlmarkt zu gehen und Glühwein zu trinken – ohne mich 🙁

Uni bei Nacht

Um Mitternacht versuchen wir noch einmal die Nordlichter zu sehen. Wir gehen wieder zur Uni. Doch leider haben wir auch heute kein Glück. Ich mache aber ein paar schöne Fotos vom Gebäude.

Ich denke aber, dass es in meinem ereignisreichen Auslandssemester noch die eine oder andere Gelegenheit geben wird Nordlichter zu sehen. Aber genug für heute.

Bis bald, eure Marlene

PS: Ihr habt den ersten Teil meines Tagebuchs noch nicht gelesen? Dann aber schnell: Mein Auslandssemester in Island: Teil 1

Marlene

Offen, neugierig und leiwand: Marlene musste raus aus dem kleinen Dorf in Oberösterreich. Jetzt studiert sie Kommunikationswissenschaft in Salzburg und fühlt sich hier richtig zu Hause.

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