Blick vom Kapuzinerberg auf die Stadt

Der Kapuzinerberg – er prägt Salzburgs Stadtbild ebenso wie die Festung, der Dom oder die Salzach. Den Aufstieg von der Linzergasse zu den Aussichtsterrassen schaffen viele neuangekommene Studierende schon innerhalb der ersten Wochen. Dort genießt man das Stadtpanorama, gönnt sich ein Bierchen oder sieht der Sonne beim Untergehen zu. Doch der Kapuzinerberg hat mehr zu bieten als dieses Plateau und ein paar hübsche Wanderwege. Ich verrate euch, was ihr auf dem Stadtberg alles entdecken könnt! Und ausgestattet mit diesem Wissen könnt ihr sicher auch vor so manchen Ur-Salzburger/innen glänzen.

Kapuzinerkloster, Gämse und Bergprinzessin: klingt spannend? Ist es auch. Das alles gibt es nämlich am Kapuzinerberg zu entdecken – wirklich. Also Vorhang auf für acht überraschende Fakten zum Kapuzinerberg!

Fakt #1 – aus Imberg wurde Kapuzinerberg

Ursprünglich hieß der Stadtberg lange Zeit Imberg. „Captain Obvious“ verrät: Deshalb gibt es auch noch die Imbergstraße, die Imbergstiege und die Kirche St. Johannes am Imberg. Aus Imberg wurde dann langsam Kapuzinerberg, nachdem das gleichnamige Kloster dort über den Dächern der Stadt errichtet wurde.

Achtung Steinschlag

Fakt #2 – das Kapuzinerkloster war früher mal ein Wehrturm

Das Kapuzinerkloster wurde nicht einfach als solches geplant und errichtet, weil man sich damals dachte, der Berg könnte eine schöne Stelle für so einen heiligen Ort sein. Nein. Am Anfang, genauer im 13. Jahrhundert, stand dort erstmal nur ein Wehrturm, der im Norden das Ostertor, im Süden das Steintor und die Brücke über die Salzach sicherte. Ende des 16. Jahrhunderts ließ Fürsterzbischof Wolf Dietrich den damaligen Trompetenturm zu einem Kloster umbauen und holte die Kapuziner nach Salzburg. Die Ordensbrüder überdauerten die Besetzung durch die Bayern 1813, die Enteignung durch die Nationalsozialisten 1939 und zwei von einem Brandstifter gelegte Brände 1950. Heute ist das Kloster als Noviziat eine wichtige Ausbildungsstätte der Kapuziner für den gesamten deutschsprachigen Raum.

Fakt #3 – am Kapuzinerberg kann man Gämse entdecken

Als wäre dieser Fleck nahezu unberührter Natur inmitten von Häusern, Straßen und Zivilisation nicht außergewöhnlich genug, hat sich oben auf dem Kapuzinerberg vor über 65 Jahren etwas Skurriles zugetragen: Eine Gruppe von Gämsen siedelte sich an. Sonst in Höhen zwischen 1.000 und 3.000 Metern daheim, waren sie plötzlich auf 640 Meter Seehöhe zu finden – nur etwa 200 Meter über den Dächern der Altstadt. Wie die Gämse in die Stadt kamen, weiß niemand so genau. Aber alles soll mit einem Bock begonnen haben, der sich 1948 verirrt hatte. Er soll vom Kühberg, einem Ausläufer des nahegelegenen Gaisbergs, eingewandert und schließlich auf dem 75 Hektar großen Gelände des Kapuzinerbergs heimisch geworden sein. Irgendjemand hatte dann wohl Mitleid und gesellte dem einsamen Bock eine weibliche Gams dazu – mit entsprechenden Folgen. Mittlerweile leben auf dem Kapuzinerberg etwa zehn Gämse. Die Tiere zu Gesicht zu bekommen erfordert aber Geduld und eine ganze Menge Glück, auch wenn sie in gewisser Weise an die Menschen gewöhnt sind. Wir haben uns aber sagen lassen, dass die vierbeinigen Bergbewohner am besten im Morgengrauen oder am Abend zu finden sind, wenn sie auf der Suche nach Futter sind – aber pssst!

Fakt #4 – die Bergprinzessin vom Kapuzinerberg

Jahrelang haben Wohnungslose in den Wehranlagen am Kapuzinerberg eine Unterkunft gefunden und wurden deshalb von den Salzburgern „Bergmenschen“ genannt. Besonderen Ruhm erlangte die Bergprinzessin Silvia. Sie war die letzte Bewohnerin eines Türmchens, bevor die Stadt die Wehrtürme aus Sicherheitsgründen verschloss. 17 Jahre hatte sie dort gewohnt. Was aus ihr geworden ist, könnt ihr hier nachlesen.

Fakt #5 – der Kapuzinerberg war einst das Zuhause von Stefan Zweig

1918 kaufte sich der Schriftsteller Stefan Zweig das Paschinger Schlössl gegenüber vom Kapuzinerkloster und ließ es sich dort 16 Jahre lang gut gehen. 1934 musste Zweig jedoch aufgrund des zunehmenden Antisemitismus Salzburg verlassen und emigrierte nach London. Heute erinnert eine kleine Skulptur neben dem Kloster daran, wer hier einst residierte. Das Paschinger Schlössl befindet sich heute in Privatbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Vom 1,5 Kilometer langen Stefan-Zweig-Weg kann man aber an ein paar Stellen einen Blick auf das Anwesen erhaschen.

Bild: Stefan Zweig Weg

Fakt #6 – am Kapuzinerberg kann man auch klettern

Egal ob Anfänger oder Geübte – an den drei Routen der 70 Meter hohen „City Wall“ kann sich jede/r Klettererin ausprobieren und Salzburg einmal aus einer anderen Perspektive kennenlernen. Ein weiteres Highlight ist auch der Weg zurück nach unten in die Glockengasse mit dem „Flying Fox“.

Fakt #7 – das Franziskischlössl war nicht immer für seine gute Küche bekannt

In den Jahren von 1629 bis 1632 wurde von Santino Solari im Auftrag von Paris Lodron der gesamte Berg mit neuen Verteidigungsbauten ausgestattet. Das Franziskischlössl auf der Kuppe des Bergs bildete den größten Wehrbau des Kapuzinerbergs. Das Sockelgeschoß mit ursprünglich allseitigen Schießluken wurde aus mächtigen Kalksteinquadern gefertigt. Nach 50 Jahren wurde dem Wehrbau ein weiteres Stockwerk aufgesetzt und das Gebäude wurde bis zum Ende des Fürsterzbistums als Jagdschloss genutzt. Heute befindet sich im Franziskischlössl mit seiner vorgelagerten hohen Bastei ein Gasthaus – ideal zum Einkehren nach einer gemütlichen Wanderung auf den Berg.

Bild: Franziskischlössl

Fakt #8 – der Doblerweg als Hintereingang zum Kapuzinerberg

Der Doblerweg führt seit 1883 vom östlichen Ausläufer des Fürbergs zum Franziskischlössl. Auf dem Weg dorthin kommt man an den letzten Resten der einstigen Lodron’schen Wehranlage vorbei. Der obere Teil des Weges führt dort aufwärts, wo sich in der fürsterzbischöflichen Zeit eine Soldatenstiege befand. Bei der Namenssuche war man damals besonders kreativ, denn benannt wurde der Doblerweg nach einem von 1815-1879 dort wohnhaften Metzgermeister. Neben dem Doblerweg gibt es mit dem Stefan-Zweig-Weg (der an der Franziskuspforte in der Linzergasse beginnt) und der Imbergstiege von der Steingasse aus insgesamt drei Aufstiegsmöglichkeiten.

Du hast noch nicht genug vom Salzburger Stadtberg? Dann lass dich von unserer interaktiven Karte digital über den Kapuzinerberg führen. Damit bist du optimal auf den nächsten Aufstieg vorbereitet!

Eure Ina

Ina

Ina sollte sich eigentlich auf ihre Masterarbeit konzentrieren, widmet sich aber zur Zeit viel lieber anderen Dingen: Sie erkundet die Welt leidenschaftlich gerne mit ihrer Kamera, macht Radio, gestaltet das Unileben mit der StV KoWi ein bisschen bunter und schreibt für diesen Blog, wenn sie nicht gerade feministische Bücher liest.

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